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30. August 2016

Wer helfen will, braucht einen langen Atem

Der Verein "Rainbow House of Hope Uganda" ist auf der Suche nach Spendern, die sich längerfristig engagieren / Besuch aus Uganda in der Mitgliederversammlung.

  1. Fürs Rainbow House of Hope setzen sich ein (von links): Theresa Schindelin (10. Klasse Waldorfschule, Patenschaft), Heinrich Ehrmann (Kassierer), Ceciel Strouken (Gründungsmitglied), Felizia Schindelin (Straßenmusik für RHU), Eva Schindelin, Irene Twikirize (derzeit in Uganda), Timothy Nabulwa (Uganda, Leiter Brass-Band), Denis Ruff, Susanne Fink (Vorsitzende), Ulrike Beck (Vorsitzende), Sabine Huber (vor elf Jahren Besuch im RHU). Foto: Monika Weber

  2. Hoffnung unterm Regenbogen: das Rainbow House of Hope. Foto: Susanne Fink

SCHOPFHEIM. Zehn Jahre Hilfe zur Selbsthilfe: Allein im vergangenen Jahr flossen knapp 36 000 Euro nach Uganda in das Projekt "Rainbow House of Hope Uganda" in einem Vorort der Hauptstadt Kampala. Doch auch in Zukunft wird ein jährliches Spendenaufkommen in dieser Größenordnung benötigt. Die Mitgliederversammlung am Samstag wurde genutzt, Möglichkeiten auszuloten, wie man zukünftig agieren wird, um neue, auch längerfristig engagierte Spender zu finden.

RHU gibt Zukunftsperspektiven
Das Rainbow House of Hope Uganda (RHU) ist eine einheimische Nicht-Regierungs-Organisation, die sich für die Verbesserung der sozialen Situation benachteiligter Jugendlicher starkmacht. Durch Bildung, Musik, Sport und Theater sollen Fähigkeiten vermittelt werden, die den jungen Ugandern eine bessere Zukunft ermöglichen. Das RHU ist Teil eines Netzwerks von Jugendinitiativen auf nationaler Ebene, die gemeinsam für die Rechte von Kindern, für Frieden und soziale Gerechtigkeit kämpfen. Die Mitglieder des Vereins hier in Deutschland sehen dieses Projekt auch als Möglichkeit, wie man vor Ort dafür sorgen kann, dass es erst gar nicht zu Flüchtlingsströmen kommt.

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Die Schopfheimerin Susanne Fink, Vorsitzende des deutschen RHU-Ablegers, hatte bei einem Besuch vor über zehn Jahren von der Initiative erfahren und wollte selbst etwas tun. Mit einer Instrumentensammlung begann die Hilfe, mit der Übernahme von Schulgebühren durch den Verein ging es weiter. Derzeit werden 71 Schüler unterstützt. Nach und nach kamen weitere Projekte hinzu. So gibt es im Regenbogenhaus inzwischen eine Tanz- und Theatergruppe, Fußballmannschaften, eine Schneiderei, eine Tischlerei sowie Workshops für junge Frauen; dazu einen Umweltclub und zwei Musikgruppen. Zu dem bereits vorhandenen Gebäude, das von der RHU gemietet ist, wurde in der Nachbarschaft ein zweites Gebäude gekauft. Außerdem wurde ein Fahrzeug angeschafft.

Bereits nach fünf Jahren konnte der Verein aufgrund von langfristig gesicherten Spenden Personalkosten für die Sozialarbeit übernehmen. Durch Patenschaften konnte einzelnen Jugendlichen nach der Schule eine Ausbildung ermöglicht werden. Doch dies blieb bis jetzt einigen wenigen vorbehalten, da dies nicht über den Verein finanziert wird. Ein neues Projekt, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) unterstützt wird, soll hier Abhilfe schaffen (wir berichteten). Derzeit werden auf dem Gelände des RHU mit zwei mobilen Containern Ausbildungsmöglichkeiten für Schreiner, Schneider und Frisöre geschaffen. Die 2012 gesammelten Nähmaschinen werden dabei gute Dienste leisten. Die Kosten in Höhe von 28 000 Euro werden zu 25 Prozent über den Verein finanziert, 7200 Euro wurden dieser Tage überwiesen, 75 Prozent übernimmt das BMZ. In jedem Bereich können 15 Personen ausgebildet werden. Vier Lehrer seien bereits da. Gesucht werde noch ein Projektleiter, der auch die erforderlichen Rechenschaftsberichte abliefert. Wenn alles nach Plan läuft, können die Ausbildungen Mitte September beginnen, hieß es bei der Mitgliederversammlung. Unterrichtet werden die Teilnehmer in theoretischen und praktischen Modulen, die jeweils drei bis vier Wochen dauern und deren Inhalte staatlich vorgegeben sind. Nach etwa vier Monaten erhalten die Teilnehmer den "Workers Pass", ein Zertifikat, mit dem der Weg in die Selbstständigkeit offensteht. Das Projekt soll sich etwa ab März 2017 selbst tragen, durch den Verkauf der hergestellten Gegenstände und die angebotene Dienstleistung. Die Teilnehmer verpflichten sich, nach der Ausbildung aus ihrem eigenen Verdienst dem Verein nach und nach etwas zurückzugeben. Dass die Ausbildung in Containern geschieht, hat einen Grund. Die Hauptstadt Kampala wächst sehr schnell, da die Menschen vom Land in die Stadt drängen. Auch der Vorort, in dem das Rainbow House steht, bekommt diese Entwicklung zu spüren. Investoren sind im Begriff, das Land aufzukaufen, weshalb schon viele Familien die Gegend verlassen haben. In Sport- und Musikgruppen im RHU sind bereits deutlich weniger Jugendliche. Die Armenviertel werden immer weiter nach außen gedrängt. Mit den mobilen Containern könne man aber mit wenig Aufwand umziehen. Sorge bereitet den Mitgliedern die Situation des Mietgebäudes. In unmittelbarer Nachbarschaft würden schon mehrere Häuser leerstehen. Noch hat das Projekt einen gewissen Schutzstatus. Die Umweltgruppe sorgt für eine saubere Umgebung und sammelt erste Erfahrungen beim Anbau von Gemüse. Später könne auch Obst dazu kommen oder Hühner, wie es heißt, denn die Kinder sammeln gern die Eier.

Besuch aus Uganda
Timothy Nabulwa kam als Kind zum RHU. Mittlerweile ist er Leiter der Brass-Band und gibt auch Musikunterricht. Er informierte die Mitglieder über die momentane Situation in Uganda. Irene Twikirize nimmt derzeit an einem einjährigen Austauschprogramm teil. Der Verein hat 71 Mitglieder und etwa 300 Unterstützer. Schulen in Regensburg, Bochum, Augsburg und Villingen-Schwenningen steuern regelmäßig größere Spendenbeträge bei. Im hiesigen Raum sind es die Grundschule Weitenau-Wieslet, die bereits einige Sponsorenläufe veranstaltet hat, und die Waldorfschule in Schopfheim, die auch zuletzt wieder einen Teil der Einnahmen vom Martinibasar spendete. Zusätzlich hat die zehnte Klasse der Waldorfschule eine Patenschaft für ein Kind aus dem RHU übernommen. Der Kontakt zum Theodor-Heuss-Gymnasium ist leider abgebrochen.

Große Feier zum Jubiläum
Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Vereins soll es eine mehrtägige Feier Ende April/Anfang Mai 2017 im Freizeithaus in Gersbach geben. In dieser Zeit wird auch der Leiter und Gründer des Rainbow House, Micheal Mwase, erwartet. Der persönliche Kontakt ist auch für die Vereinsmitglieder der Hauptgrund, sich längerfristig zu engagieren. Entweder waren sie persönlich schon in Uganda oder haben Freunde, die schon dort waren, hieß es. Im Laufe der Jahre haben sich viele Freundschaften gebildet und sogar eine deutsch-ugandische Ehe ist aus dem Austausch hervorgegangen.

Im Rahmen der Marktmusiken gibt es am 10. September eine Lesung von Susan N. Kiguli. Von einem privaten Spender wurden 20 Fußbälle übergeben, die nach und nach den Weg nach Kampala finden sollen. Die ersten fünf davon nimmt Timothy Nabulwa mit.

Spenden können unter IBAN DE21683515570003178852 (Sparkasse Schopfheim) überwiesen werden. Infos unter http://www.rainbowhouse.info

Autor: Monika Weber