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01. Juli 2016 00:00 Uhr

Ein ganz besonderes Haus

Im April war Zischup-Reporterin Stefanie Heizmann bei einer Führung in der Solarsiedlung in Freiburg-Vauban. Das wichtigste über das Heliotrop und die Plusenergiehäuser der Solarsiedlung hat sie hier zusammengefasst.

  1. Dreht sich mit der Sonne: das Heliotrop Foto: Stefanie Heizmann

Im April war Zischup-Reporterin Stefanie Heizmann bei einer Führung in der Solarsiedlung und im Heliotrop am Freiburger Schlierberg. Das Wichtigste über das Heliotrop und die Plusenergiehäuser der Solarsiedlung hat sie hier zusammengefasst.

Das Heliotrop wurde 1994 als erstes Plusenergiehaus der Welt erbaut. Das ganze Haus dreht sich mit der Sonne, sodass man im Winter weniger heizen und im Sommer weniger kühlen muss. Das Haus ist mit einer Mineralstoffdämmung gedämmt und hat dreifach verglaste Fenster, in deren Zwischenräumen ein Edelgas ist, das besser isoliert als normale Luft.

Auf eine Polystyroldämmung wurde bewusst verzichtet, da das Haus in ökologischem Sinne erbaut wurde. Deswegen ist das Haus eine Holzkonstruktion mit Holz aus dem Schwarzwald. Gelüftet wird mit einer Lüftungsanlage. Dadurch bleiben 80 Prozent der Wärme im Haus.

Es gibt im Heliotrop zwei Toiletten. Eine ,,normale" und eine ohne Spülung. Ein Ventilator sorgt für Überdruck, sodass die Gerüche des Klogangs nicht nach oben steigen. Jedes halbe Jahr wird die Grube geleert. Dabei kommt nur ein Eimer mit Abfällen hervor, mit denen der Garten gedüngt wird.

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Abwässer, die zum Beispiel vom Duschen, Wäschewaschen oder Kochen kommen, werden im Garten biologisch geklärt und können dann wieder als Brauchwasser genutzt werden. Trinken darf man es aber nicht.

Durch die effiziente Energiehaltung erzeugen die Sonnenkollektoren auf dem Dach des Heliotrops dreimal so viel Strom, wie benötigt wird.

Das Heliotrop ähnelt einem Trichter. Gründe dafür sind vor allem die Statik, aber auch Raumgewinnung spielt eine Rolle. Die Grube der Toilette ist beispielsweise in dem Trichter drin. Die Wohnfläche des Heliotrops beträgt 200 Quadratmeter, auf denen Architekt Rolf Disch und seine Frau leben. Der Bau kostete rund 1,5 Millionen Euro.

Die Plusenergiereihenhäuser stehen ganz in der Nähe des Heliotrops. Sie sind Holzbauten und auf der Südseite verglast.
Eines der wichtigsten Elemente der Häuser ist das Dach. Es ist so konstruiert, dass die Sonne im Sommer gegen Mittag nicht in die Wohnung hineinscheint. Früher, später, und zu anderen Jahreszeiten kann sie aber auch die Wohnräume erreichen. Das spart, wie beim Heliotrop, das Kühlen im Sommer und Heizen im Winter. Das ganze Dach ist zudem mit Solarpaneelen bestückt.

Im Haus gibt es keine Teppichböden, es wurden keine gesundheitsschädlichen Stoffe und fast nur deutsche Solarmodule verwendet.

Die Straße, an der die Häuser liegen, ist eine Spielstraße, in der nicht geparkt werden darf. Um die Ecke gibt es ein Carsharingangebot, und im Garten ist eine Fahrradgarage. So hat man es geschafft, die Zahl der Autos in der Solarsiedlung (Plusenergiereihenhäuser und Heliotrop) um 60 Prozent im Vergleich zu Freiburgs westlichen Stadtteilen zu verringern. Die Wohnfläche in den Plusenergiehäusern beträgt etwa 130 Quadratmeter. Der derzeitige Verkaufspreis liegt bei etwa 500 000 Euro. Die Häuser wurden um das Jahr 2000 fertiggestellt.

Weitere Projekte von Rolf Disch sind bereits in Planung. So soll in den nächsten Jahren eine ganze Arbeiterstadt in Mexiko gebaut werden. Die Häuser sollen zwar kleiner werden als die in Vauban, aber sie werden auch für die Arbeiter bezahlbar sein. Dieser Plan zeigt, dass man solche Häuser überall auf der Welt und für jeden bezahlbar bauen kann. Selbst für dicht besiedelte Gegenden kann man sicher eine Lösung finden.

Denn: Würde jeder so energiesparend leben können, bräuchte man wohl den Großteil der Atom- und Kohlekraftwerke nicht mehr.

Autor: bex