Schuttertal

Im Windpark kehrt keine Ruhe ein

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Mi, 18. Januar 2017 um 19:00 Uhr

Schuttertal

Trotz Betriebsbeschränkungen gibt es im Bürgerwindpark Südliche Ortenau weiter Lärmbeschwerden und Sorgen um Eisabwurf – und schwere Vorwürfe seitens der Bürgerinitiative. Nun bekommen Anwohner Post vom Landratsamt.

OFFENBURG/SCHUTTERTAL. 26 große Windräder hat das Landratsamt bislang im Ortenaukreis genehmigt. Sieben davon stehen im Bürgerwindpark Südliche Ortenau. Kurz nachdem die Anlagen in Betrieb gegangen waren, hatten Anwohner aus Schuttertal über eine hohe Lärmbelastung vor allem nachts geklagt. Messungen haben ergeben, dass Grenzwerte teils deutlich überschritten werden. Das hatte eine Nachtabschaltung dreier Anlagen und einen schallreduzierten Betrieb der restlichen Windräder zur Folge. Dennoch haben bis zuletzt wieder viele Lärmbeschwerden das Landratsamt erreicht – und schwere Vorwürfe seitens der Bürgerinitiative Pro Schuttertal.

Sieben Din-A-4-Seiten sind es, auf denen Julia Morelle, Leiterin des Amts für Gewerbeaufsicht, Immissionsschutz und Abfallrecht, Stellung zu den Problemen nimmt, die vom Lärm betroffene Bürger an sie geschickt hatten. Am Mittwoch sind die Zeilen per E-Mail und per Post ins Schuttertal versendet worden, berichteten Julia Morelle und Nikolas Stoermer, Erster Landesbeamter, am Mittwoch bei einem Pressetermin im Landratsamt.

BI erhebt schwere Vorwürfe

In ihrem Schreiben thematisiert Morelle auch die schweren Vorwürfe, die seit einigen Monaten die Bürgerinitiative Pro Schuttertal gegen sie und ihr Amt erhebt: So moniert die BI in E-Mails, die der BZ vorliegen, dass etwa die in der Genehmigung der Anlagen geforderte Wegsperrung bei Gefahr von Eis an den Rotoren nicht erfüllt werde. Am Montag vergangener Woche, nachdem ein Wallburger Jagdpächter die BI und Morelles Amt über Eisstücke im Wald informiert hatte, hat Jürgen Jensen im Namen der BI das Landratsamt wiederholt aufgefordert, dem Betreiber Green City Energy die Betriebserlaubnis zu entziehen. Zu den Vorwürfen der BI und den Lärmbeschwerden der Anwohner haben sich Julia Morelle und Nikolas Stoermer am Mittwoch ausführlich geäußert:

Lärm: "Verwaltungsrechtlich können wir noch nicht tätig werden, da uns die Beweise fehlen", sagte Julia Morelle. Selbst eine weitere Teilstilllegung sei juristisch nur möglich, wenn sie auf nachweisbaren Erkenntnissen der Behörde über einen nicht genehmigungskonformen Betrieb beruhten, so die Amtsleiterin. Erste Messungen im November hatten ergeben, dass nächtliche Richtwerte teils deutlich übertroffen worden waren. Nun seien weitere Messungen nötig, um nachzuweisen, dass die Richtwerte eingehalten werden. Diese Messungen sind allerdings nur unter bestimmten Bedingungen möglich: Es darf nicht regnen, keinen Schnee und Frost haben.

Dass die Suche nach der Lärmursache ein langwieriger Prozess ist, räumt Julia Morelle ein. "Wir brauchen einfach bestimmte Bedingungen." Das hatte auch Thorsten Lutz, Strömungsmechaniker am Institut für Aerodynamik und Gasdynamik (IAG) der Universität Stuttgart, in einem BZ-Interview im vergangenen Sommer vorausgesagt: "Die Ursachenforschung im konkreten Fall wird nicht einfach sein, das kann gut sein, dass das eine Weile braucht."

In ihrem Schreiben bittet Julia Morelle betroffene Bürger darum, ihre Lärmbeschwerden mit Datum, Uhrzeit, der Lautstärke im Vergleich zum Vortag und dem Charakter des Geräuschs (zum Beispiel Rauschen, Schlagen, Wummern) zu konkretisieren. Diese Daten vergleicht das Amt mit den Betriebsbedingungen und den Windverhältnissen, die zur Zeit der Beschwerden geherrscht haben.

"Der Betreiber hat nachgewiesen, dass das Eiserkennungssystem funktioniert."
Amtsleiterin Julia Morelle
Zuletzt habe es auch Beschwerden über Lärm während des Tages gegeben. "Meine Mitarbeiter und ich nehmen Ihre Beschwerden ernst und setzen alle uns zur Verfügung stehenden verwaltungsrechtlichen Möglichkeiten ein, um Abhilfe zu schaffen", schreibt Morelle an die Anwohner. Sie wirbt aber um Verständnis, dass sie nicht alle Anfragen persönlich beantworten könne. Der Betreiber, der äußerst kooperativ sei, habe bereits die Abschaltung anderer Anlagen vorgeschlagen – "in der Hoffnung, dass das Entlastung bringt".

Eis: Ein Wallburger Jagdpächter hatte der BI und dem Landratsamt am 9. Januar Bilder von Eisstücken geschickt, die er im Bereich des Windparks gefunden hat. "Der Betreiber hat nachgewiesen, dass das Eiserkennungssystem funktioniert", sagte Julia Morelle. In der Genehmigung hatte das Baurechtsamt eine Wegesperrung bei der Gefahr von Eisfall oder Eiswurf vorgegeben.

In ihrem jüngsten Schreiben moniert die BI, dass im Windpark keine Wege gesperrt seien und er somit nicht genehmigungskonform – "und dieses Mal mit lebensgefährlichen Konsequenzen" – betrieben werde. Wie Julia Morelle informierte, hatte der Betreiber gegen diese Vorgabe Widerspruch eingelegt. Das Kompetenzzentrum Windenergie der Landesanstalt für Umwelt und Messtechnik (LUBW) habe daraufhin verdeutlicht, dass Warnschilder ausreichend seien – wegen des geringen Risikos, dass es durch Eis zu einem Personenschaden kommen könne. Ob die Risikobewertung nach dem Eisfund neu erfolgen müsse, werde derzeit von den zuständigen Baurechtsbehörden geprüft.

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