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23. November 2016

"Mundart ist lebendig, kräftig und spontan"

BZ-Redakteurin und Mundartautorin Ulrike Derndinger hat ein Buch herausgebracht / Auftritt am Freitag im "Koffer" in Hugsweier.

  1. Ulrike Derndinger mit ihrem ersten Buch „Weckli, Deckli, Schleckli“ Foto: Christoph Breithaupt

LAHR. Was bisher nur auf Bühnen zu hören war, liegt jetzt in Buchform vor. Die Mundartautorin und BZ-Redakteurin Ulrike Derndinger hat ihre alemannischen Geschichten, die sie teilweise auch in ihren BZ-Kolumnen "Schnoogeloch" und "Lueginsland" veröffentlicht, als Buch mit dem Titel "Weckli, Deckli, Schleckli" herausgegeben. Am Freitag, 25. November, stellt sie es im Kulturkeller "Koffer" in Hugsweier vor. Ulrike Derndinger schildert, was ihr das Schreiben und der Dialekt bedeutet.

In meinem Buch …
... steckt in vielen Geschichten ein kräftiger "Sprutz" Eigenes. Mich interessiert beim Erzählen das Traurige im Lustigen und das Lustige im Traurigen. So zeigt sich mir das Leben. Und weil Mundart lebendig, kräftig und spontan ist, halte ich sie für eine tolle literarische Sprache. Die in "Weckli, Deckli, Schleckli" veröffentlichten Texte sind zum Teil meine BZ-Glossen, die in der samstäglichen Mundartrubrik "Lueginsland" erschienen sind. Vier Mundartkollegen und ich füllen diesen Platz Woche für Woche. In meinem Buch sind darüber hinaus weitere Mundartgeschichten zu finden, die zum Teil preisgekrönt sind.

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Schreiben im Dialekt...
… ist eine Frage der Technik. Ich bin Anhängerin der Technik "So nah wie möglich am Hochdeutschen". Wenn sich die Mundart am hochdeutschen Schriftbild orientiert, ist sie einfacher zu lesen. Ich schreibe "Zit" für Zeit. Man könnte auch "Zitt" "Zid", Zytt" oder "Zidd" schreiben und sogar auf das "i" noch einen Akzent setzen. Aber je weiter weg vom Hochdeutschen, desto mehr stolpere ich beim Lesen. Ansonsten ist das Dialektschreiben eine Kunst wie das Schreiben im Hochdeutschen. Ein schlechter Text wird durch Dialekt nicht besser oder lustiger – und ein guter Text wird im Dialekt nicht schlechter oder lächerlicher.

Meine Mutter …
… ist eine Inspiration für Geschichten und mittlerweile auch ein Vorbild. Vor allem weil sie, nicht verwöhnt vom Leben, die Lust daran und ihren Humor nicht verloren hat. Geerbt habe ich von ihr den Wunderfitz, die Beobachtungs- und Kombinationsgabe, die sie beim Zusammenpuzzeln komplizierter Verwandtschaftsverhältnisse einsetzt. Leider habe ich auch den selben Appetit wie sie und hege die gleichen Ängste, wenn Gäste zu Besuch kommen. Immer tischen wir viel zu viel auf, weil wir denken: S langt nit!

Das Ried …
… ist für mich: Fachwerk, die Nuancen des alemannischen Dialekts in den verschiedenen Dörfern. Ried ist für mich auch Welschkorn, Baggerseen, Schnooge, in Tabakfeldern und Ställen verplemperte Kindheit. Hässlicher als manche Gegend, die ich schon gesehen habe. Schöner als manche Gegend, die ich schon gesehen habe.

Heimat...
… ist mir ein schöner Begriff. Heimatlich fühle ich mich in meiner Muttersprache und wenn ich als Bauerntochter aus Kürzell einen Kuhstall rieche. Und natürlich ist mir die Mutter eine Heimat – auch wenn sie mal wieder nicht so tut wie ich mir das vorstelle. Besonders heimatlich fühle ich mich, wenn ich im Zug sitze, wir uns der Ortenau nähern, und Leute einsteigen, die so reden wie ich.
Auftritte ...
… sind wunderbar. Mundart muss ins Ohr und nur wer die Geschichten einmal gehört hat, kennt den speziellen Klang, der von Autor zu Autor so verschieden und besonders ist. Ich mag auch die unmittelbaren Reaktionen, die auf den Kleinkunstbühnen bei mir ankommen. Jemand meinte mal, ich könnte die Geschichten doch auswendig vortragen. Aber ich würde mich verheddern, falsch einsteigen und noch "falscher" wieder aussteigen. Wer schon mal gehört hat, wie ich versuche, einen Witz zu erzählen, weiß ein Lied davon zu singen. Also bleibt es dabei: Ich bin Autorin und trage meine Geschichten lesend an (hoffentlich) vergnüglichen Mundart-Vorlese-Abenden vor – meistens zusammen mit Musikern und Liedersängern, damit die Zuhörer zwischen den Texten Abwechslung und eine Verschnaufpause bekommen.

Ulrike Derndinger: "Weckli, Deckli, Schleckli", Drey-Verlag 2016, 79 Seiten mit Illustrationen von Jeannot Weißenberger, ISBN: 978-3-933765-86-4, erhältlich im Buchhandel und in den Lahrer und Ettenheimer Geschäftsstellen der BZ, zum Preis von 15 Euro. Auftritt "Mundart vun do un dört" von Ulrike Derndinger und Heinz Siebold, am Freitag, 25. November, 20 Uhr, Kulturkeller "Koffer", Hugsweier, Hugsweierer Hauptstraße 56, Tel. 07821/ 52593, E-Mail: braun-emf@t-online.de

Autor: ude