Alte Obstsorten bevorzugt

skk

Von skk

Sa, 28. Oktober 2017

Schwarzwald-Baar-Kreis

Ansgar Barth brennt edle Destillate / Das nahe Aus fürs Branntweinmonopol lässt ihn kalt.

SCHWARZWALD-BAAR (hon). Als der Bundestag im März 2013 auf Drängen der Europäischen Union das Branntweinmonopol für die Klein- und Obstbrennereien mit Wirkung zum 31. Dezember 2017 abschaffte, da war der Aufschrei groß. Befürchtet wurde das Aus für viele Brennereien und das Ende der für die süddeutsche Landschaft so typischen Streuobstwiesen. Die Befürchtungen waren umsonst.

Auf der Baar und im Schwarzwald zeigt sich: Nichts wird so heiß getrunken, wie es gebrannt wird. Denn die meisten Brennereien in der Region setzen eher auf Qualität als auf Quantität und haben ihre Erzeugnisse schon immer selbst vermarktet. Sie liefern keinen Alkohol bei der Monopolbehörde zu garantierten Fixpreisen ab. Zum Beispiel der Brenner Ansgar Barth aus Unterbränd.

Vor seinem Holzhaus, gebaut in traditioneller Ständer-Blockbohlen-Bauweise mit dem Holz von Weißtannen aus den umliegenden Wäldern, stehen rund 25 blaue 50-Liter-Fässer mit Maische. Es riecht intensiv nach Äpfeln. Was hier vor sich hin blubbert, ist kein zuckersüßes, genormtes Tafelobst wie es die Obstbauern am Bodensee oder in der Rheinebene produzieren, sondern es sind alte Sorten mit urigen Namen wie Blumberger Langstil, Schwarzwald-Rinette oder Leipferdinger Dickstil. Dem vierfachen Familienvater sind diese für die Region einstmals typischen Apfelsorten viel zu geschmackvoll, um daraus nur Most herzustellen. Sie sind für feinste Destillate bestimmt.

Dass der Lack- und Kunststofftechniker weiß, was er tut, dokumentieren die Gold- und Silbermedaillen und die Ehrenpreise, die ihm der Kleinbrennerverband Baden für seine Schnäpse verliehen hat. Sprüche von Brenner-Kollegen, wonach man im Schwarzwald doch nur Tannenzapfen brennen könne, muss er sich schon längst nicht mehr anhören.
Ansgar Barth und seine Frau Carolin stammen aus dem Murgtal und zogen berufsbedingt nach Unterbränd. Zunächst brachten sie ihr Obst zum Brennen, ab 2009 versuchten sie sich selbst als Brenner. Barth belegte einen Brennkurs an der Uni in Hohenheim und beantragte dann das Brennrecht beim Hauptzollamt Singen. Das war kein Problem; es gab im Kontigent genügend freie Rechte.

Heute bewirtschaftet er zweieinhalb Hektar Streuobstwiesen, teils gepachtet, teils gehören die Flächen ihm. Es gibt auch Wiesen, auf denen er im Auftrag der Stadt Bräunlingen Obstbäume gepflanzt hat. Das sichert ihm Brennstoffe und das Rathaus bessert so sein Ökopunktekonto auf.
Ansgar Barth ist sogenannter Abfindungsbrenner und betreibt eine modifizierte Wasserbad-Brennerei, deren Brennblase eher bescheidene 150 Liter Maische fasst. Er braucht keine größere Anlage, weil er keine großen Margen produziert und lieber mit kleinen Mengen und neuen Brennstoffen tüftelt.

Der Wegfall des Brandweinmonopols hat für Barth, der auch Bienenvölker hält, nur eine einzige unangenehme Auswirkung: Als Nebenprodukt der Abschaffung hat der Gesetzgeber untersagt, ab dem kommenden Jahr Honig brennen zu dürfen. Das wurmt Ansgar Barth ganz besonders, denn Schnaps aus Honig ist eine Spezialität von ihm.