Mit Radar und Magnetometer

Annette Mahro

Von Annette Mahro

So, 19. August 2018

Südwest

Der Sonntag Die Erde unter Augusta Raurica wird derzeit vermessen.

Hacke, Schaufel und Hämmerchen bleiben im Schrank, Magnetometer und Georadar sind in Augusta Raurica das Gebot der Stunde. Vertiefte Erkenntnisse über die römische Siedlung versprechen sich Archäologen und Geophysiker, die das Areal zurzeit untersuchen.

"Uns geht es darum, gerade nicht zu graben", erklärt Projektleiter Urs Rosemann und lässt den Blick über die etwa einen Hektar große Wiese unweit von Römermuseum und antikem Theater schweifen. Grundsätzlich wisse man zwar schon relativ genau Bescheid über die römischen Bauten, über die hier seit langem wortwörtlich Gras gewachsen ist. Von Grabungen aus den 1930er Jahren weiß man, dass es sich hier vermutlich um ein als Kultbezirk und Heilbad genutztes Areal handelte.

Mauerstrukturen sind auch auf Luftaufnahmen erstaunlich gut erkennbar, die zuletzt ein Drohnenflug ergeben hatte. Der Grund sei der Stress, den es bei Pflanzen hervorrufe, über Bauresten und entsprechend weniger nahrungsreichem Humus zu wachsen, erklärt Peter Milo. Der auf archäologische Untersuchungen spezialisierte Geophysiker von der tschechischen Universität Brno (Brünn) ist am Projekt mit einem kleinen Team beteiligt, das das Areal mittels eines Magnetometers untersucht. Mauern aus Stein haben ein anderes magnetisches Feld als etwa solche aus Holz oder Ziegeln und wieder andere als unbebautes Land, erklärt er die Grundlagen seines bildgebenden Verfahrens, das im Boden Verborgenes zweidimensional darstellt.

Noch einen Schritt weiter geht der ebenfalls beteiligte Geoarchäologe Till Sonnemann von der Universität Bamberg, dessen Team zeitgleich mit den Kollegen aus Tschechien den Boden mittels Georadar untersucht. Bei dieser Technik werden Signale in den Boden gesendet und zurückgestrahlt. "Die Zeit, die die Übermittlung braucht, gibt uns Informationen über die Tiefe", so beschreibt Sonnemann sein Verfahren. Viele nebeneinander gelegte Schichtenprofile ergeben am Ende ein dreidimensionales Bild. Weshalb dann aber beide Verfahren? Sie ergänzten sich, erklärt der Wissenschaftler aus Bamberg. Erkenne das Radar hauptsächlich Mauerreste, finde der Magnetometer auch beispielsweise Gräben, die zugeschüttet wurden.

Projektleiter Rosemann erhofft sich nach Abschluss der beiden vergleichsweise kostengünstigen Verfahren – das Team von Peter Milo benötigt etwa zwei Stunden für das Scannen eines gut einen Hektar großen Geländes, Till Sonnemanns Crew etwas länger – neue Erkenntnisse etwa über die Ausdehnung der Stadt, ihre Mauerzüge und Straßen. Untersucht wird insgesamt ein etwa fünf Hektar großes Gebiet der vermutlich 44 vor Christus gegründeten römischen Kolonie mit einst bis zu 15 000 Einwohnern.

Auch in früheren Jahrhunderten wurde hier schon gegraben, wenngleich noch mit anderen Ansprüchen. So suchte im frühen 19. Jahrhundert etwa der französische Architekt Aubert Joseph Parent im Auftrag eines Basler Aristokraten nach Fundstücken, um sie dann – auf Nimmerwiedersehen – in dessen romantischer Gartengrotte zu verbauen. Solche Schatzsuchermentalität ist längst verpönt. Rund 100 Jahre später standen bei dem Basler Juristen, Historiker und Archäologen Karl Stehlin eher wissenschaftliche Interessen im Vordergrund.

Um sie allein geht es auch Urs Rosemann, der übrigens Geograf und kein Archäologe ist. Sensationelle neue Funde erwartet er nicht, schränkt aber ein: "Wenn wir beispielsweise noch einen kleinen Tempel fänden, wäre das natürlich etwas speziell Schönes." Ausgegraben würde aber auch der Tempel nicht, was nicht zuletzt mit den Kosten zu tun hat. "Wir haben in den letzten Jahren die Strategie, dass wir nur im allergrößten Notfall graben", so Rosemann. Eine sogenannte Rettungsgrabung könnte beispielsweise dann erfolgen, wenn an einem Fundort eine Gasleitung bräche und am Graben kein Weg vorbeiführte. Einige Fachleute vertreten auch die Theorie, dass genau genommen jede Grabung ein unzulässiger Eingriff sei und Zusammenhänge unwiederbringlich zerstöre.