Sturm sorgt für Bitternis

Heinz Wittmann

Von Heinz Wittmann

Di, 17. April 2018

Schwenningen Wild Wings

Eishockey-Bundestrainer bootet SERC-Schlussmann Dustin Strahlmeier aus dem WM-Kader aus.

EISHOCKEY. Trotz toller Leistungen wird Dustin Strahlmeier nicht zur Eishockey-Weltmeisterschaft fahren. Bundestrainer Marco Sturm sortierte den Keeper der Schwenninger Wild Wings ebenso wie Verteidiger Bender aus dem WM-Kader aus. Die Schwenninger Stürmer Simon Danner und Mirko Brückner sowie Verteidiger Benedikt Höfflin dürfen sich dagegen weiterhin Hoffnungen auf einen WM-Einsatz machen.

Ein Wechselbad der Gefühle erlebte Goalie Strahlmeier am Wochenende bei der Nationalmannschaft. Am Samstag war der 25-Jährige bei der 1:2-Niederlage nach Penaltyschießen gegen die Slowakei nach einer starken Leistung als bester deutscher Spieler ausgezeichnet worden. Das Publikum in Weißwasser – bei den Lausitzer Füchsen machte Strahlmeier 2011 sein erstes Zweitligaspiel – feierte den Torwart minutenlang mit "Dustin, Dustin"-Sprechchören.

"Ich hoffe, dass ich bei der WM dabei bin", sagte Strahlmeier nach der Schlusssirene noch voller Zuversicht in die Mikrofone. Am Sonntag stand Strahlmeier dann absprachegemäß in Dresden nicht im Kader, denn da hütete Timo Pielmeier das Tor der deutschen Nationalmannschaft. Das Spiel ging mit 1:4 gegen die Slowakei verloren. Strahlmeier analysierte die Partie als Co-Kommentar beim Fernsehsender Sport 1. Am Abend dann aber überbrachte Bundestrainer Marco Sturm die bittere Nachricht: Strahlmeier wird nicht zur WM fahren und ist nicht einmal mehr in dieser Woche bei den Länderspielen dabei. Stattdessen bleibt der Düsseldorfer Tormann Mathias Niederberger, der am Samstag die erste Hälfte der Partie bestritt im wahrscheinlichen WM-Kader, obwohl er im Gegensatz zu Strahlmeier gleich drei Unsicherheiten zeigte. Der Nürnberger Torwart Niklas Treutle kommt jetzt auch noch für die Länderspiele gegen Frankreich am Donnerstag, 19.15 Uhr in Wolfsburg und am Samstag, 17.45 Uhr, in Berlin (jeweils live bei Sport1), dazu. Dustin Strahlmeier zeigte sich über die Entscheidung des Bundestrainers enttäuscht, wollte diese aber nicht kommentieren. "Dustin geht momentan einen Weg, der sehr schnell geht", so Sturm. "Dieses Jahr ist er das erste Mal bei uns in der Nationalmannschaft dabei. Er ist noch sehr jung und man muss ihn langsam vorbereiten. Dustin ist einer für die Zukunft." Momentan setzte er als Bundestrainer noch auf einige erfahrene Torhüter, "aber wenn Dustin so weitermacht, wird er uns viel Freude machen."

NHL-Torwart Philipp Grubauer könnte der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft von Beginn an zur Verfügung stehen, da er mit seinen Washington Capitals in den Playoffs gegen die Columbus Blue Jackets bereits mit 0:2 im Hintertreffen ist. Goalie Thomas Greiss hat es mit den New York Islanders erst gar nicht in die Playoffs geschafft. Greiss sagte aber wegen einer angeblichen Verletzung für die WM ab. Hingegen wird sein Teamkamerad, Verteidiger Dennis Seidenberg, nun definitiv an der WM in Dänemark (4. bis 20. Mai) teilnehmen. Der in Villingen-Schwenningen geborene Seidenberg wird erst in der kommenden Woche zur Nationalmannschaft hinzustoßen.

Auf der Torhüter-Position gibt es auch noch Danny aus den Birken, der derzeit mit Red Bull München das DEL-Finale gegen die Eisbären Berlin bestreitet. Aus den Birken stand bei Olympia bis auf das 0:1 im Gruppenspiel gegen Schweden in allen Partien zwischen den Pfosten und hatte großen Anteil am sensationellen Gewinn der Silbermedaille. Und da ist auch noch der Mannheimer Torwart Dennis Endras, der sich bei Olympia als Nummer drei brav auf die Tribüne setzte und kein einziges Spiel machte.

Die Auswahl an guten deutschen Torhütern ist so groß wie nie und spielen kann eben letztlich immer nur einer. SERC-Stürmer Simon Danner, der den "Recall" schaffte: "Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet, dass Dustin die WM spielt, bin aber schon etwas überrascht, dass er jetzt raus ist. Es ist aber das erste Jahr von Strahli. Er hat einen super Job gemacht. Er hat Klasseleistungen gezeigt und muss sich nichts ankreiden lassen. Es fehlt ihm aber noch an Erfahrung, ich denke, das hat den Ausschlag geben. Ich hoffe aber, er wird dann wieder zum Deutschland-Cup eingeladen."

Danner selbst ist natürlich froh, weiter im WM-Kader zu sein. "Ich werde alles dafür geben, um bei der WM dabei zu sein", verspricht der 31-jährige Stürmer, Vollgas zu geben. Ganz besonders freut er sich jetzt auf die Länderspiele gegen Frankreich. "Da treffen wir auf unsere Schwenninger Mannschaftskameraden Damien Fleury und Anthony Rech. Natürlich wollen wir da nach den beiden Niederlagen gegen die Slowaki, bei denen wir unser System nicht so recht umsetzen konnten, gewinnen." Auch der Schwenninger Stürmer Mirko Höfflin und der Verteidiger Benedikt Brückner, wollen weiter ihr Können beweisen. "Ich freue mich auf die Woche. Wir wollen gegen Frankreich besser als gegen die Slowakei spielen", so Höfflin. Nicht mehr dabei ist hingegen Tim Bender. Der Verteidiger, der von den Schwenninger Wild Wings zu den Nürnberg Ice Tigers wechselt, wurde ebenfalls aus dem Kader gestrichen. Danner und Brückner fliegen am Dienstagmorgen von Stuttgart, Höfflin aus Frankfurt nach Berlin zur Nationalmannschaft.