Schwimmen lernen und mehr

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Sa, 11. August 2018

Bad Bellingen

An der Sonnenrainschule in Rheinweiler gibt es Schwimmunterricht – mit weit reichendem Erfolg.

BAD BELLINGEN. Schwimmen ist in diesem Supersommer allenthalben angesagt. Doch das birgt Gefahren – für Kinder, die nicht oder nur schlecht schwimmen können. "Schwimmen lernen sollte in der Grundschule ein Muss sein." Aber das scheitere oft angesichts fehlender oder geschlossener Bäder, stellt Marius Grether, Leiter der Sonnenrainschule in Rheinweiler, fest. Dort wird seit vier Jahren Schwimmen unterrichtet. 98 Prozent der Schüler können nach der 4. Klasse schwimmen.

Freitagsvormittags geht es mit dem Gemeindebus von der Grundschule aus in die Balinea Therme. Zwischen 8 und 9 Uhr steht den Kindern und deren Lehrer das große Innenbecken für den Sportunterricht zur Verfügung. "Wir haben ein Riesenglück, dass uns die Gemeinde und die Bade- und Kurverwaltung diese Möglichkeit eröffnet haben", bedankt sich der Schulleiter. Von 17 Lehrern der Schule haben neun eine Rettungsschwimmer-Qualifikation der DLRG, so auch Grether. Das ist die Voraussetzung, dass Schwimmunterricht, der in der vierten Klasse auf dem Stundenplan steht, erteilt werden kann. Die Kinder sollen am Schluss des Kurses das "Seepferdchen" machen. Dazu gehört der Sprung vom Beckenrand, 25 Meter Schwimmen sowie das Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser. "Für die Kinder, die schon schwimmen können, haben wir die Urkunde ,Sonnenrain-Hai’ erfunden", erklärt Grether. Wer ein "Hai" werden will, muss 25 Meter kraulen können, mit einem Hechtsprung ins Wasser springen und beim Tauchen mehrere Gegenstände aus dem Wasser holen.

Mit Schwimmgürtel, Schwimmbrett und Schwimmnudeln erlernen die Kinder das Schwimmen. "Es ist uns wichtig, dass wir die Schüler, die quasi im Wasser zu Hause sind oder bereits bei der DLRG Kurse gemacht haben, ihren Mitschülern, die noch nicht oder nicht gut schwimmen können, Tricks erklären und sie unterstützen – und jubeln, wenn diese ihre ersten paar Meter ohne Schwimmhilfen schaffen", so Grether. Dieses Verhalten fördere das Verantwortungsgefühl der Schüler. Und: Den Könnern werde nicht langweilig, sie hätten eine Aufgabe.

Es sei schon so, dass weniger Kinder schwimmen könnten als früher, beobachtet auch Grether, der das für "richtig gefährlich" hält. Auch manche Eltern könnten nicht schwimmen. Das Schwimmbadsterben sei sicher ein Hauptgrund. Aber auch, wenn ein Schwimmbad in der Nähe sei, scheuten Eltern manchmal den Fahrweg und den Aufwand.

"Wir haben eine unterschiedliche Schülerschaft und Eltern mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Dazu Flüchtlingskinder und deren Familien, die wir in Sachen Schwimmunterricht zuvor aufklären", fährt Grether fort. Und es gebe Kinder, die hätten eine Schwimm- oder Wasserphobie. Ihnen die Angst zu nehmen, sei nicht einfach, so der Schulleiter. Zudem müsse geklärt werden, ob es Kinder mit gesundheitlichen Problemen gibt, etwa mit Asthma oder einem Herzfehler, und ob diese dennoch am Schwimmunterricht teilnehmen können.

Die Lehrer erklärten den Kindern die Gefahr von Strömungen und Strudeln in offenen Gewässern, gäben Tipps, was zu tun ist, wenn sie Menschen im Wasser in Not beobachten und wie sie Hilfe holen können. Die Kinder verfolgten die Hinweise aufmerksam, wobei sie auch lernten, auf sich und die Freunde zu achten, wenn sie im Wasser sind. "Für die Kinder jedenfalls ist der Schwimmunterricht der Höhepunkt der Woche. Das freut uns sehr, wenn wir die vielen begeisterten Gesichter sehen", so Grether.