Ein Fest für die Demokratie

Boris Burkhardt

Von Boris Burkhardt

Mo, 12. Juni 2017

Schwörstadt

Historische Feier "Endstation Dossenbach" mit Volksfest zum 200. Geburtstag der Revolutionäre Georg und Emma Herwegh.

DOSSENBACH. Genau da, wo heute der Bürgersaal steht, ist es passiert. Es ist nicht selbstverständlich, dass man historische Ereignisse so genau lokalisieren kann, vor allem, wenn es sich um eine chaotische Schießerei handelt. Die Organisatoren des Revolutionsjubiläums des Gefechts von Dossenbach können das; und sie freuen sich auf zahlreiche Gäste zur historischen Feier unter dem Motto "Endstation Dossenbach" am Sonntag, 18. Juni – möglichst zeitgemäß verkleidet.

Von Dossenbachern und patriotischen Südbadenern oft als "Schlacht bei Dossenbach" bezeichnet, handelte es sich bei dem blutigen Zusammenstoß der revolutionären "Deutschen Demokratischen Legion" mit württembergischen Bundestruppen als Teil der Badischen Revolution geschichtswissenschaftlich eher nur um ein "Gefecht". Immerhin 30 Tote und 60 Verwundete gab es jedoch auf Seiten der rund 600 Revolutionäre, die am 27. April 1848 eben bei Dossenbach auf der Flucht in die Schweiz auf 137 Mann württembergische Soldaten trafen. Die Revolutionäre waren ursprünglich aus Paris dem Revolutionshelden Friedrich Hecker zur Hilfe geeilt; dieser war allerdings sieben Tage zuvor auf der Scheidegg zwischen Kandern und Schlächtenhaus von badischen Soldaten geschlagen worden, weshalb sich die Deutsche Demokratische Legion über Schopfheim und Dossenbach in die Schweiz zurückziehen wollte.

Das Datum 27. April 1848 mag manchen ins Grübeln bringen, weil sich damit beim besten Willen kein Jubiläum am 18. Juni 2017 ableiten lässt. Des Rätsels Lösung ist der 200. Geburtstag sowohl von Georg als auch von Emma Herwegh, der dieses Jahr gefeiert wird. Der revolutionäre Dichter (am bekanntesten ist sein "Bundeslied", die Hymne der frühen SPD) und seine politisch sehr aktive Frau waren die ideellen Anführer der Deutschen Demokratischen Legion und konnten als eine der wenigen erfolgreich von Dossenbach in die Schweiz fliehen, wo beide viel später in Liestal begraben wurden.

Die Ereignisse vor 169 Jahren seien im Bewusstsein der heutigen Dossenbacher nur noch "oberflächlich" vorhanden, meint Jürgen Nass, Ortschaftsrat und Mitglied des Organisationskomitees. Immerhin verweist eine Herweghstraße im Dorf auf die prominenten "Besucher"; und am Ort des Geschehens steht ein Gedenkstein mit Namen.

Nachstellung des Gefechts nicht möglich

Die Initiative zum Historienspiel mit Volksfest kam von Altortsvorsteher Kurt Vollmer. Er gehört laut eigener Aussage zu der Generation, die noch von ihren Großvätern von den Ereignissen erzählt bekam. "Es ist faszinierend, dass damals schon darum gekämpft wurde, wie wir heute leben", sagt er mit Blick auf den einst erfolglosen Kampf für die Demokratie in Deutschland, die erst 100 Jahre später Wirklichkeit wurde.

Die Idee, das Gefecht bei Dossenbach zu "feiern", kam Vollmer bereits 2012, als in Schopfheim der Einzug Heckers auf ähnliche Art gefeiert wurde. Die damaligen Organisatoren um Jeannot Weißenberger und Wolfgang Bühler aus Schopfheim sind auch in Dossenbach maßgeblich dabei. Sinn des Festes sei es, dass möglichst viele Besucher als Revolutionäre oder Bürger im Stil der 1840er-Jahre erscheinen, so Weißenberger. Eine Nachstellung des Gefechts hätten sie in Erwägung gezogen, sagt Bühler: "Das wäre organisatorisch aber nicht zu stemmen gewesen."

Das Begleitprogramm bestreiten der Gesangverein Dossenbach, die Heckersänger Schopfheim, die Schopfheimer Band Knastbrüder, die Schauspieler Klaus Streicher und Monika Haller als Georg und Emma Herwegh sowie die Klettgau-Kanoniere mit echten Kanonen und die Heckergruppe aus Singen.

Vollmer selbst bietet eine historische Führung vor Ort an; die Festreden werden der "Regisseur" der Veranstaltung, der Historiker Heinz Siebold, sowie Rea Köppel vom Dichter- und Heimatmuseum Liestal halten. Die Bewirtung organisiert die Freiwillige Feuerwehr Dossenbach: Vorgesehen ist ein "Freischärler-Znüni", Details sind noch in Planung, sowie die üblichen Festspeisen und -getränke.

Info: Historienspiel mit Volksfest "Endstation Dossenbach", Sonntag, 18. Juni, Festplatz Dossenbach (bei schlechtem Wetter im Bürgersaal); Programm: 9 Uhr Freischärler-Znüni, 10 Uhr Kranzniederlegung auf dem Friedhof, 11 Uhr Matinée, anschließend Hock