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20. Juni 2012
Seine erste Urkunde ruht stets in der Sporttasche
Der Maulburger Friedrich Dreyer ist mit 88 Jahren Senior aller Senioren beim 87. Gautreffen in Schopfheim.
TURNEN/LEICHTATHLETIK. Es ist eine sportliche Lebensgeschichte, wie es sie nicht alle Tage gibt. Friedrich Dreyer vom TuS Maulburg ist 88 Jahre alt – und trat am Wochenende als ältester Teilnehmer beim 87. Treffen älterer Turnerinnen und Turner des Markgräfler-Hochrhein-Turngau (MHTG) in Schopfheim zum Wettbewerb an.
Diese Generation ist geprägt vom Zweiten Weltkrieg, doch für Friedrich Dreyer zählte schon in frühen Jahren immer nur eines: der Sport. "Schon als kleiner Junge war ich stets sportlich aktiv", erzählt der 88-Jährige begeistert am Rande des Gautreffens in Schopfheim. Und holt plötzlich einen kleinen Zettel aus seiner großen Sporttasche hervor: "Der Schüler Friedrich Dreher vom TV Maulburg erreichte im 7-Kampf, Unterstufe, 122 Punkte und wurde 24. Sieger, Wehr i. B.", steht da geschrieben. Das Datum: 28. Juni 1936. Mit zwölf Jahren erhielt Dreyer seine allererste Urkunde. Und bis zum heutigen Tag besitzt er diese noch in Originalform.
Zu Beginn seines Sportlerlebens galt seine ganze Leidenschaft dem Turnen. Als sich Dreyer den Arm brach, war es unmöglich für ihn, sich noch am Reck halten zu können, und er widmete sich der Leichtathletik und dem Fußball.
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Der Wiesentäler überstand eineinhalb Jahre Kriegseinsatz im Osten und dreieinhalb Jahre in englischer Gefangenschaft. An einem russischen See hielt er sich fit und legte sogar Sportprüfungen ab. Als er sich in England beim Fußballspiel das Bein brach, stellte der Arzt die Schwere der Verletzung erst fest, als das Bein bereits verheilt war. Auch das hat ihn nicht stoppen können. Nie hat er den Sport aufgegeben, und so wurde er in den 90er Jahre dafür belohnt. Auf den damaligen Landesturnfesten der Leichtathletik schaffte er es mehrfach aufs Treppchen.
Natürlich ist alle Verbissenheit längst einer gelassenen Haltung gewichen. Der Spaß steht im Vordergrund. Aber den sportlichen Ehrgeiz hat er nicht verloren. Mit 88 Jahren stößt Friedrich Dreyer die Kugel 7,41 Metern weit, springt 1,07 Meter aus dem Stand und freut sich über die Leistung im Vollballwurf, bei der er mit 15,77 Meter im letzten Versuch seine eigenen Erwartungen übertrifft.
Neben Dreyer haben weitere 121 Teilnehmer im Alter zwischen 42 und 88 Jahren viel Spaß beim Gautreffen. "Die persönliche Einstellung der Sportler ist bei allen unterschiedlich. Den einen geht es um die langjährige Kameradschaft, andere wiederum wollen wissen, welche Leistung sie in ihrem Alter noch zustande bringen", erklärt der zweite Vorsitzender des Ausrichters TSG Schopfheim, Hans-Peter Michel. Neben Leichtathletik und Turnen können die Sportler an einer gemeinschaftlichen Vier-Kilometer-Wanderung oder dem Nordic Walking über sechs Kilometer teilnehmen. Keiner ist engstirnig bei der Sache. Anstatt über Zentimeter zu streiten, gehen alle humorvoll miteinander um. Irgendwie sind sie verdammt lässig, diese Senioren.
Autor: Roman Daudrich



