Eine Gedankenreise durch die Kunst

Georg Voß

Von Georg Voß

Mi, 08. November 2017

Sexau

Zum 34. Mal zeigt der Sexauer Malkreis in der Bürgerbegegnung am Rathausplatz in Sexau sein Jahresausstellung.

SEXAU. Jedes Jahr stellt die Gemeinde Sexau ihre Bürgerbegegnung am Rathausplatz dem Sexauer Malkreis für seine Jahresausstellung zur Verfügung. Auch in diesem Jahr. Bei der 34. Auflage dieser erfolgreichen Veranstaltung präsentieren Volker Gerst, Hanne Günther, Sybille Odenthal, Ehrhard Sachs, Manfred Trommer, Christa Wagner und als diesjährige Gast-Ausstellerin Ursula Zimmermann noch bis 19. November ihre Kunstwerke. Kommen lohnt sich.

Zur Vernissage stellt Hanne Günther jeden Künstler und jede Künstlerin in alphabetischer Reihenfolge einzeln mit einem ausgesuchten Kunstwerk den Besuchern vor. Hanne Günther zitierte zunächst den englischen Bildhauer Tony Cragg: "Jede neue Arbeit ist ein neues Abenteuer." Offen bleibt, wohin die Reise geht. Es ist zwar nicht eine an den Amazonas, sondern eher eine innere Reise. Deswegen fragte Hanne Günther jeden Künstler des Sexauer Malkreis: "Wie fangen Sie an mit ihrem Bild?" Haben die Künstler Angst vor einer leeren Leinwand und fangen einfach an oder gehen sie mit konkreten Vorstellungen an ihr Werk?

Viele Wege führen nach Rom. "Wenn es dann aber Bestand hat und nach wie vor stimmig ist, dann sind wir am Ziel unserer Abenteuerreise angekommen!" Die Antworten der Künstler und ihre Zugänge zur Kunst sind vielfältig. Die Ideen für ein Kunstwerk kämen bei Christa Wagner spontan. Sie sieht etwas, fotografiert es und setzt es um. "Meine Bilder wachsen aus dem Kopf", sagt Manfred Trommer. "Die Bilder machen was mit einem", so Ehrhard Sachs. Dies trifft eben auch auf den Betrachter zu.

Gedanken wandeln sich zu Materie

Nach etwas längerer Pause ist Volker Gerst bei der Jahresausstellung vertreten. In Emmendingen erinnert die Schnecke im Westend an sein Schaffen. Hier präsentiert er Bildhauerarbeiten aus Stein, einen Frauentorso oder ein reliefartiges Gesicht. Gekommen ist er aus der Malerei über das Relief bis hin zu Skulpturen. Ergänzt werden seine Skulpturen durch ein Gemälde mit einem Farbkreis, auf dem in der Mitte etwas Gazeartige zu schweben scheint. "Um etwas zu schaffen muss zuerst die Idee dafür geboren sein! So entsteht aus Gedanken Materie", steht als Erklärung neben dem Bild.

Die Idee für "Licht und Schatten", einem Ölbild von Sybille Odenthal, die seit 1997 Mitglied im Sexauer Malkreis ist, kam aus dem Garten. Pate für dieses Bild war ein Kiwibaum, der an einem heißen Tag mit Sonnenlicht durchflutet wurde. Dieses Spiel mit Licht und Schatten übertrug sie auf die Leinwand in gelblich, bläulichen Tönen. Auch wenn das Bild auf den ersten Blick flächig erscheint, hat es eine ungeheure Tiefe, was es sehr lebendig macht.

Christa Wagner, die den Weg in die Malerei schon 1972 gefunden hat und zum vierten Mal bei der Jahresausstellung dabei ist, findet die Inspiration für ihre Werke auf Reisen. Gleich eine Reihe von fünf Bildern geben das Vulkangebirge Timanfaya auf Lanzarote mit seinen bizarren und karstigen Lavafeldern verfremdet wieder.

Auch Hanne Günther ist gerne auf Reisen und bringt etwas davon mit und setzt es in Kunstwerke um. So entstand eine Serie von Bildern aus Uganda, die unter anderem eine Marktfrau in königlicher Haltung zeigt, die in majestätischer Ruhe einen Berg Mangos bewacht. Die Bilder sind in rotbraunen Farbtönen gehalten und fangen die in Uganda dominierende Farbe des Erdbodens auf.

Eine Koralle aus der Meerestiefe

Eine rote Koralle aus dem Mittelmeer bei Sardinien diente bei Manfred Trommer, langjähriges Mitglied des Sexauer Malkreises als Motiv für zwei seiner Bilder. Als Freund der Rakeltechnik und der konstruktiven konkreten Kunst holt er eine Koralle aus der Tiefe des sardischen Meeres. Das Werk "Rote Koralle in der Tiefe des Meeres" ist in Rakel- und Spachteltechnik entstanden und hebt dabei diese flächig gemalte Koralle auf einem blau-weißen Meereshintergrund hervor.

Ursula Zimmermann fing mit 55 Jahren mit der Malerei an und belegte bei Sybille Odenthal Malkurse, die sie begeisterten. Auf der Jahresausstellung gibt es ungegenständliche Bilder von ihr zu sehen, die an Landschaften erinnern. Für sie ist Kunst "eine abenteuerliche Reise in eine unbekannte Welt."

Wenn Ehrhard Sachs seine neuen Werke bei der Jahresausstellung präsentiert, fehlt nie das Moment der Überraschung. Ein übergroßes Gemälde mit dem Titel "Verschwörung" zeigt drei Portraits von ihm in unterschiedlichen Lebensphasen, die sich zusammen verschworen haben. Gegen was, erfährt der Betrachter nicht. Was bei ihm nie ausbleibt, sind Installationen. Eine Holzfigur religiöser Herkunft ist auf eine Zwinge montiert und zwängt ein "Männchen" aus Holz auf eine Waage fest, die unglaubliche 113 Kilogramm anzeigt. Titel der Installation: "Von der Kraft des Glaubens". Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von einem Klarinetten-Quintett.

Info: Die Jahresausstellung des Sexauer Malkreises ist in der Bürgerbegegnung am Rathausplatz noch bis zum 19. November zu sehen. Öffnungszeiten: 16 bis 18.30 Uhr, am Sonntag von 11 bis 18.30 Uhr.