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18. Februar 2011

Sie kann nicht mehr

Kathrin Hölzl beendet wegen Rückenschmerzen die Saison / "Ich muss schauen, dass ich wieder gesund werde, richtig gesund".

  1. Verzweifelt: Kathrin Hölzl Foto: dapd

GARMISCH-PARTENKIRCHEN. Sie sagt, die Rückenschmerzen seien zwischenzeitlich mal weniger gewesen. Nämlich dann, als sie sich von dem Gedanken verabschiedet hatte, bei der Heim-WM als Titelverteidigerin im Riesenslalom antreten zu können. Zuvor hatte ständig das Telefon geklingelt, ständig wollte irgendwer wissen, wie es ihr ginge und ob sie denn starten könne. Das habe sie total unter Druck gesetzt.

Jetzt, kurz nach dem ersten Lauf des Riesenslaloms an diesem nebligen Donnerstag, steht Kathrin Hölzl im Skianzug im Zielraum der Kandaharabfahrt, schreibt Autogramme und es scheint, als ob alles doch noch gut ausgegangen sei für sie. Als ob die Wochen endlich hinter ihr liegen, in denen sie vor Schmerzen kaum laufen konnte und in denen sie von Arzt zu Arzt rannte und ihr keiner sagen konnte, was sie hat. Hat sich das Hoffen, das Bangen, das Ausharren doch gelohnt? Als sie die WM abgehakt hatte, ließ plötzlich der Druck nach, Kopf und Körper entspannten sich, die Schmerzen ließen nach. Am Mittwoch hat sie gesagt: "Ja, es geht. Ich starte." Drei Tage Skitraining nach drei Wochen Pause, das ist keine ideale Vorbereitung, aber warum sollte sie es nicht versuchen? Seit der WM 2009, als sie überraschend Gold im Riesenslalom gewann, ist sie ohnehin gelassener. "Ich denke mir immer, dass es ja nur ein Skirennen ist. Eigentlich ist die Gesundheit das Wichtigste", sagte sie dem Magazin Skiinfo.

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Diese Erfahrung machen in diesen Tagen etliche Skirennfahrer. Maria Riesch bremste eine Grippe aus, der Österreicher Benny Raich erlitt einen Kreuzbandriss. Am Mittwoch brach sich Didier Cuche die Hand, will aber heute beim Riesenslalom genauso fahren wie sein Schweizer Teamkollege Carlo Janka, der bekanntgab, dass er sich nach der WM wegen Herzrhythmusstörungen operieren lässt.

Auch Hölzl ist trotz ihrer Leidensgeschichte an den Start gegangen. Und jetzt, nach dem ersten Lauf, den sie als 20. beendete, steht sie da und schreibt Autogramme, als ob nichts wäre. Dabei ist wieder was. "Ich hab so extreme Rückenschmerzen, dass ich mein Bein nicht mehr gescheit heben kann. Wie soll man dann schnell Skifahren?"

Die Weltcup-Gewinnerin im Riesenslalom von 2010 tritt nicht mehr an zum zweiten Durchgang. Mehr noch: Sie beendet ihre Saison. Kathrin Hölzl kann nicht mehr. "Ich will momentan gar keinen Doktor mehr sehen – mir steht es hier", sagt die verzweifelte 26-Jährige und zeigt an ihren Hals: "Jetzt habe ich wieder so starke Schmerzen wie vor vier Wochen. Was soll ich noch sagen?" Dass es in dieser Saison trotzdem noch zu drei Podestplätzen im Weltcup gereicht hatte, ist im Nachhinein ebenso unglaublich wie "nur" 2,36 Sekunden Rückstand am Donnerstag auf die Spitze. Kathrin Hölzl hatte sich schließlich nicht nur die Wochen vor der WM, sondern schon durch die Saison-Vorbereitung gequält. "Ich muss schauen, dass ich wieder gesund werde, richtig gesund."

Autor: Martina Philipp