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02. September 2011 19:00 Uhr

Cannabis-Plantagen in Maisfeldern

So findet die Polizei Hanfpflanzen in Maisfeldern

Immer wieder entdeckt die Polizei illegale Cannabis-Plantagen in Südbaden – und oft sind sie gut versteckt. 2011 hat allein die Emmendinger Polizei 181 Hanfpflanzen in 27 Maisfeldern ausfindig gemacht. Dafür geht sie in die Luft.

  1. Hanfpflänzchen im Maisfeld Foto: Polizei

In einem Maisfeld kann man sich gut verstecken. Die hohen Pflanzen versperren die Sicht nach rechts und links, und wer mitten im Feld zwischen den langen Reihen steht, der wird von Außen nicht gesehen. Genau das nutzen illegale Anbauer von Hanfpflanzen aus. Sie haben dabei aber die Rechnung ohne die Polizeihubschrauberstaffel des Landes Baden-Württemberg gemacht.
Aus der Luft sind die illegalen Anbauflächen nämlich gut zu erkennen: Kleine Löcher, in Kreis- und Quadratform, etwa vier bis fünf Quadratmeter groß, zerstören die Textur des Maisfeldes. In ihnen wächst nicht der vom Bauer gepflanzte Mais, sondern Hanf. Er kann zu dem Rauschmittel Cannabis verarbeitet werden, die laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes am häufigsten konsumierte und gehandelte illegale Droge in Deutschland.

Sucheflüge werden mit Umweltschutz-Einsätzen kombiniert

Etwa ein bis zwei Mal im Jahr fliegt ein Hubschrauber über die Felder im Landkreis Emmendingen und sucht gezielt nach diesen Hanf. "Wir können die Hubschrauberstaffel anfordern, um im Rahmen von Umweltflügen nach Hanfanpflanzungen zu suchen. Wenn es zeitlich machbar ist, haben wir dann ein bis zwei Stunden für unsere Flüge zur Verfügung", erklärt Christoph Dümmig, Pressesprecher der Polizeidirektion Emmendingen. Denn die Hubschrauber werden nicht nur für die Ortung von Hanfpflanzen, sondern auch beispielsweise für Suchaktionen oder aktuelle Fahndungen gebraucht.

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Um die Einsätze auf der Suche nach Hanf so effizient wie möglich zu gestalten, werden sie mit Umweltschutzflügen kombiniert, bei denen unter anderem auch nach Gewässerverunreinigungen oder illegal entsorgte Schrottautos Ausschau gehalten wird.

Dieses Jahr konnte bereits zweimal geflogen werden, auch im Breisgau und am Kaiserstuhl. Das Ergebnis: 181 konfiszierte Pflanzen in 27 verschiedenen Feldern. Diese Menge erklärt sich zum einen aus den grundsätzlich guten Anbaubedingungen für Hanf in Südbaden. Das hiesige Klima ist ideal für die ursprünglich aus Zentralasien stammende Pflanze. Zusätzlich profitieren die illegal ausgesäten Samen von der Düngung der Maisfelder durch die Landwirte. Zum anderen ist der Anbau im Maisfeld nicht so risikoreich. Kaum ein Anbauer kann identifiziert werden und somit entgehen die meisten ihrer Strafe.

Je mehr Sonne, desto mehr Wirkstoff in der Pflanze

Trotzdem lohnt sich der Anbau nicht. "Bei unseren Einsatzflügen entdecken wir den Großteil der Hanfpflanzen und können sie noch vor den Konsumenten abernten", sagt Dümmig. Dann sind sie nur noch Beweismaterial. Der Anbau von Hanf verstößt gegen das Betäubungsmittelgesetz. Ob nur eine Pflanze gefunden wird oder ein ganzes Beet ist dabei unerheblich.

Jeder Fund wird zur Anzeige gebracht und der Staatsanwalt ermittelt gegen Unbekannt. Das Strafmaß wiederum hängt davon ab, wie viel Wirkstoff in der Pflanze ist. "Das ist wie beim Wein", erklärt Dümmig, "je mehr Sonne, desto mehr Öchsle. Für Cannabis bedeutet das: Je mehr Sonne, desto mehr Wirkstoff."

Vorrangiges Ziel: Die Drogen aus dem Verkehr zu ziehen

Bei den Umweltschutzflügen der Polizei im Kreis Emmendingen wurde noch nie ein illegaler Anbauer auf frischer Tat ertappt. Dümmig: "Wenn gegen jemanden ermittelt wird, dann liegen meist konkrete Hinweise gegen die Person vor." Aber es kann auch passieren, dass ein Hubschrauber in ganz anderer Sache unterwegs ist und dann zufällig auf einem Balkon oder in einem Feld eine Plantage entdeckt. "Die Hubschrauber sind sozusagen die Streife in der Luft. Wenn ihnen etwas auffällt, melden sie uns das und wir schicken dann einen Streifenwagen hin", erläutert Dümmig.

Doch obwohl auf Grund der Umweltschutzflüge kaum gegen eine Person ermittelt wird, ihren Zweck erfüllen sie trotzdem. Vorrangiges Ziel sei es, die Hanfpflanzen zu konfiszieren und aus dem Verkehr zu ziehen, sagt Dümmig.

Für die Region Emmendingen vermutet er übrigens, dass die illegal ausgesäten Cannabispflanzen hauptsächlich dem Eigenverbrauch der Anbauer dient. Hinter dem Anbau lasse sich kaum ein Prinzip erkennen.

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Autor: Anna Schughart