20-köpfiges Team

So kämpft die Task-Force gegen die Freiburger Tigermücken-Plage

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Sa, 16. September 2017 um 16:18 Uhr

Freiburg

100 000 Euro hat die Stadt Freiburg für die Bekämpfung der Tigermücken locker gemacht. Eine Task-Force durchkämmte nun Hunderte von Kleingärten in der gesamten Stadt.

Der Sommer ist zu Ende. Die Asiatische Tigermücke aber lebt weiter. Ein Team von rund 20 Helfern hat die ganze Woche über auf der Kleingartenanlage Hettlinger und in den Stadtteilen Brühl-Beurbarung, Herdern, Zähringen und Mooswald Hunderte von Gärten kontrolliert. Dabei wurden vereinzelt auch Larven gefunden. Die Stadtverwaltung hatte nach Kritik von Experten im Juli knapp 100 000 Euro bereitgestellt und die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung von Schnakenplage (KABS) damit beauftragt, die Verbreitung der Stechmücke im Stadtgebiet einzudämmen (die BZ berichtete).

Kontrolle der einzelnen Parzellen

Dutzende Schlüssel baumeln um das Handgelenk von Ina Ferstl. Die Biologin greift nach dem passenden Schlüssel zur Parzelle 704 der Kleingartenanlage Hettlinger im Freiburger Norden. Ihre Aufgabe, wie in den anderen Kleingärten auch: die Kontrolle von Regentonnen, Eimern, Gießkannen und Blumentöpfen. Sie gehören zu den bevorzugten Brutstätten der Tigermücke. Und auch Sonnenschirmständer. Dort entdeckt die 25-Jährige direkt eine Larve. "Die ist aber schon tot", sagt sie. Wäre sie noch lebendig, würde sie diese mit ihrer Pipette absammeln. Nach der Kontrolle kommt die Bakterienart BTI in Form von Tabletten oder Spray zum Einsatz: im Schirmständer ebenso wie in der Regentonne, die von den meisten Kleingärtnern mit einem Moskitonetz abgedeckt wird. Das Mittel tötet die nicht ungefährlichen Mücken.

Expertin Ferstl zieht alle zwei Wochen von Parzelle zu Parzelle. Auf ihrer Tabelle notiert sie, in welchen Gärtchen sie fündig wurde und wie die Besitzer die vorhandenen Brutstätten seit der letzten Kontrolle beseitigt und neue verhindert haben. Den Kleingärtnern hinterlässt sie auf einem Zettel einen Daumen nach oben oder unten. Auf den Wegen der Anlage sind zudem 75 Fallen aufgestellt – gefüllt mit Wasser und Heu: "Das lockt die Weibchen an, die ihre Eier ablegen möchten. Wenn sie einmal in den schwarzen Eimer eintauchen, werden sie von einem Insektizidnetz angezogen", erklärt Ferstl. Die toten Tigermücken sammelt sie in einem kleinen Behälter.

100 000 Euro gegen die Tigermücke

Besonders in den Fallen in der Nähe des angrenzenden Entsorgungsbetriebs Remondis habe man viele ausgewachsene Stechmücken gefangen, sagt die Biologin. Das liege vor allem an dem Plastikmüll direkt hinter einem Grünstreifen und dem Zaun. "Da bin ich bei Kontrollen selbst schon gestochen worden", sagt Ferstl.

Das Unternehmen habe bereits reagiert, sagt der stellvertretende Niederlassungsleiter Tob Haubrich. Die Hecke sei zurückgeschnitten und der Abfall sei eingesammelt worden. Außerdem habe Remondis die Mitarbeiter für das Problem sensibilisiert. "Wir nehmen die Tigermücke sehr ernst." Mittelfristig werde das brachliegende Grundstück im Zuge einer Neuordnung des Betriebsgeländes überbaut.

Ferstl ist seit Sommer über die KABS angestellt. Das Team um Projektleiter Artur Jöst hat im Juli knapp 100 000 Euro von der Stadt bekommen, um die Tigermücke zu bekämpfen. Neben dem regelmäßigen Monitoring durch Ferstl und fünf Studenten im Hettlinger und im Rieselfeld, wo 2016 auch eine Population aufgetreten war, war diese Woche eine 14-köpfige Task Force im Freiburger Norden und Westen unterwegs. In einem Umkreis von einem Kilometer rund um die Kleingartenanlage, die seit einigen Jahren wegen der nahen Rollenden Landstraße und der vielen Brutstätten als Hochburg der Tigermücken gilt, wurden Anwohner aufgeklärt und ihre Gärten teilweise kontrolliert.

Niemand weiß, wie viele Tigermücken es noch gibt

"Viele Leute, bei denen wir klingeln, sind erst mal skeptisch", berichtet Laura Popp. Die 27-jährige Biologin, die gerade ihr Studium beendet hat, ist eine der Helferinnen, die mit offiziellem Schreiben der Stadt unterwegs sind. Gerade war sie in Zähringen. Hier, wie auch in Herdern, Brühl oder in Mooswald ließen letztlich mehr als 70 Prozent der Bürger die Helfer in ihre Gärten. Dort konnten sie die Woche über auch einige, auch lebende Larven finden.

Das freut Ferstl und Jöst nur bedingt. Wie groß die Populationsdichte außerhalb der Kleingartenanlage sei, könne man noch nicht sagen. "Aber dort wurde fünf Monate nichts gemacht, um die Ausbreitung einzudämmen", kritisiert Jöst. Es sei zwar erfreulich, dass die Stadt nach dem Auslaufen des vom Umweltbundesamt geförderten Pilotprojekts das Problem erkannt und Geld lockergemacht habe sowie mit dem Ordnungsamt eine zuständige Kontaktstelle eingerichtet wurde. Aber hätten im Frühjahr nahtlos Kontrollen stattgefunden, glaubt Ferstl, würden in den Stadtteilen jetzt kaum oder gar keine Funde gemacht. Auch wenn es in Freiburg bisher noch keinen bekannten Fall gebe, bei dem das aus Südeuropa kommende Insekt gefährliche Krankheitserreger wie das Dengue- oder Zikavirus übertragen habe, sei die Bekämpfung wichtig.



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