Begrenzt, begehrt und kaum zu bezahlen

Kathrin Blum

Von Kathrin Blum

Do, 17. August 2017

Umkirch

Bauland ist in den Kommunen westlich von Freiburg Mangelware und wird immer teurer / Familien werden bei der Grundstücksvergabe meist bevorzugt.

BREISGAU. Der Druck ist immens: In und rund um Freiburg gibt es nicht genügend Wohnraum, die Preise steigen seit Jahren rasant und ein Ende ist nicht in Sicht. Wie geht es den Kommunen im Freiburger Umland damit? Gibt es dort noch Bauland? Und wer bekommt den Zuschlag, wenn es auf einen Bauplatz etliche Bewerber gibt? Ein Blick auf die Gemeinden westlich von Freiburg.

BÖTZINGEN

Gibt’s Bauland? Für 29 Bauplätze beginnt die Erschließung in wenigen Monaten. Darauf sollen Bürgermeister Dieter Schneckenburger zufolge Einfamilien- und Doppelhäuser entstehen. Weitere zehn Hektar Fläche könnten zu Bauland entwickelt werden – so ist es im Flächennutzungsplan festgeschrieben. Moderates Wachstum, "dem unsere Infrastruktur standhält", begrüßt Schneckenburger.

Der Preis: Wie viel genau die gerade entstehenden Bauplätze kosten werden, kann der Bürgermeister noch nicht beziffern, weil unklar ist, wie teuer die Erschließung wird. Er vermutet aber, dass der Preis über 230 Euro pro Quadratmeter liegen wird. Etwas weniger verlangte die Gemeinde zuletzt für ihr Bauland. Zum Vergleich: 2003 kostete ein Quadratmeter 150 Euro (plus Hausanschlusskosten). Wie viel private Eigentümer verlangen, weiß Schneckenburger nicht, denn: "Die meisten Eigentümer bebauen ihre Grundstücke selbst."

Vergabekriterien: Bei der jüngsten Grundstücksvergabe wurden Schneckenburger zufolge Familien bevorzugt. "Beworben haben sich überwiegend Bötzinger, der Druck von außen war damals nicht groß." Um Wohnraum erschwinglich zu machen, bekamen Eltern pro Kind 2000 Euro Rabatt auf einen Bauplatz. Inzwischen sei der Druck gestiegen, das Interesse von Auswärtigen an Bauland gewachsen. Wie groß deren Chancen sind, vermag der Rathauschef nicht zu sagen, weil er nicht weiß, wie viele (einheimische) Bewerber es geben wird.

Eichstetten

Gibt’s Bauland? Etwa drei Dutzend Bauplätze gibt derzeit es in Eichstetten – allerdings befinden sich Bürgermeister Michael Bruder zufolge alle in Privateigentum. Ob ein neues Baugebiet ausgewiesen werden soll, dazu gibt es Bruder zufolge unterschiedliche Meinungen – und auch er selbst ist zwiegespalten. Auf der einen Seite gebe es "das bewusste Dorf-sein-Wollen", auf der anderen Seite die große Nachfrage nach Bauland, nicht nur von Einheimischen.

In den vergangenen Jahren ist Eichstetten "kontinuierlich moderat" gewachsen. Doch die Nachfrage übersteige das Angebot schon lange. Beim letzten Baugebiet musste sich die Gemeinde nicht um die Vermarktung der Bauplätze kümmern – "sie verkauften sich ohne jegliche Werbung", sagt Bruder.

Preis: 230 Euro kostete der Quadratmeter in Eichstetten zuletzt. Im Jahr 2000 lag der Preis Bruder zufolge bei 180 Euro. Für Eichstetten gilt, was auch in etlichen anderen Umlandgemeinden der Fall ist: Privatbesitzer verlangten deutlich mehr.

Vergabekriterien: Familien wurden in der Vergangenheit bei der Bauplatzvergabe bevorzugt, einen preislichen Familienrabatt gab es hingegen nicht. "Stattdessen schauen wir, dass unsere Infrastruktur familienfreundlich ist", erklärt der Rathauschef. Einen Einheimischen-Bonus habe es nicht gegeben. Das heißt konkret: Auswärtige Familien wurden kinderlosen Einheimischen bei der Platzvergabe vorgezogen.

GOTTENHEIM

Gibt’s Bauland? In der Gemeinde gibt es derzeit lediglich privates Bauland und keine Pläne, ein Baugebiet für Einfamilien- oder Reihenhäuser auszuweisen, wie Bürgermeister Christian Riesterer erklärt. Allerdings soll es Raum für Mehrfamilienhäuser geben. Zwei Grundstücke mit jeweils 3000 Quadratmetern Fläche stünden dafür von 2019 an zur Verfügung. Zum einen hänge der genaue Zeitpunkt von der Elektrifizierung der Breisgau-S-Bahn ab, zum anderen von der Fertigstellung eines neuen Kindergartens, informiert Riesterer.

Preis: Zwischen 195 und 350 Euro kostet ein Quadratmeter Bauland laut Bodenrichtwerte der Gemeinde. Je nach Lage bekämen private Eigentümer bis zu 20 Prozent mehr, sagt Max Dersch von der Gemeindeverwaltung.

Vergabekriterien: Aktuell kann die Gemeinde keine Kriterien nennen. Die letzte Grundstücksveräußerung Gottenheims liegt Dersch zufolge fast zehn Jahre zurück.

March

Gibt’s Bauland? Vereinzelt gibt es baureife oder entwicklungsfähige Grundstücke in den Marcher Ortsteilen, allerdings befinden sich diese ausschließlich in Privateigentum, informiert Bürgermeister Helmut Mursa. Gemeindeeigene Wohnbauflächen seien nicht vorhanden. Das könnte sich aber bald ändern. Aufgrund der großen Nachfrage sowohl von Einheimischen als auch Auswärtigen geht Mursa davon aus, dass die Gemeinde "zeitnah ein neues Baugebiet ausweist". Wie groß ein solches werden könnte, vermag der Rathauschef zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu sagen. Potenzial, Wochenflächen auszuweisen, sei ausreichend vorhanden.

Mursa findet: "Ein maßvolles Wachstum, das für die dörfliche Struktur verträglich ist, kann die Gemeinde verkraften." Sämtliche potenzielle Flächen zu erschließen, würde es seiner Meinung nach aber schwer machen, die neue Bevölkerung gut zu integrieren.

Preis: Im 2015 ausgewiesenen Neubaugebiet in Neuershausen kostete ein Quadratmeter Bauland 330 Euro. In Hugstetten lag der Preis 2010 bei 380 Euro. Zum Vergleich: In Buchheim hat die Gemeinde vor knapp 20 Jahren 500 Mark, also etwa 250 Euro verlangt.

Vergabekriterien: Für die Vergabe von Bauplätzen im Marcher Ortsteil Neuershausen vor zwei Jahren hat die Gemeinde ein Punktesystem entwickelt. "Demnach gab es Punkte für die Anzahl der Personen, die Ausübung von Ehrenämtern und die Wohndauer in der Gemeinde", erklärt Mursa. Das hätte auch Auswärtigen gute Chancen auf ein Baugrundstück eröffnet.

MERDINGEN

Gibt’s Bauland? 48 unbebaute Grundstücke gibt es in Merdingen. Alle befinden sich in Privatbesitz "und leider ist kein einziger Eigentümer zum Verkauf bereit", bedauert Bürgermeister Martin Rupp. Selbst für ihn als Bürgermeister sei es derzeit unmöglich, in Merdingen ein Grundstück zu kaufen und in seiner Gemeinde zu bauen, sagte er kürzlich.

Um bei künftigen Baulandentwicklungen eine Baupflicht durchzusetzen, "hat der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss gefasst, sämtliche Grundstücke im Vorfeld aufzukaufen, sollte Baugrund ausgewiesen werden", erklärt Rupp. Allerdings bedeute das auch eine "starke Verlangsamung des Realisierungszeitraumes". Im Flächennutzungsplan sind noch rund vier Hektar potenzielle Baufläche vorgesehen, ein großer Teil dieser Fläche befindet sich in Privateigentum.

Der Preis: Die vom Gutachterausschuss festgestellten Bodenrichtwerte (siehe Hintergrund) beliefen sich 2015 für Merdingen auf 210 bis 230 Euro pro Quadratmeter. Dieser Wert habe sich in den vergangenen Jahren aufgrund geringer Verkäufe nicht verändert. Bauplätze im zuletzt erschlossenen Merdinger Baugebiet kosteten 220 Euro pro Quadratmeter.

Vergabekriterien: Bei der jüngsten Vergabe wurde Rupp zufolge berücksichtigt, ob bereits eine Immobilie vorhanden ist, wie lange der Interessent schon in Merdingen lebt und wie viele Kinder zur Familie gehören.

Umkirch

Gibt’s Bauland? "In der Gemeinde gibt es zwar noch Flächen, die zu Bauland entwickelt werden können, aber der Gemeinderat spricht sich für ein moderates Wachstum aus", sagt Bürgermeister Walter Laub. In den vergangenen zwei Jahren ist die Gemeinde sehr schnell gewachsen. Laub zufolge stieg die Einwohnerzahl von 5300 auf 5800 Einwohner. Aus diesem Grund, erklärt Laub, sei auch die Infrastruktur ausgebaut worden, vor allem in Bezug auf Kitaplätze. Der Erweiterungsbedarf liege nicht nur an den Kindern von Zuzüglern, die in Umkirch Wohnungen gebaut oder gekauft haben, sondern auch an den Flüchtlingen. Von den 150 Asylbewerbern in der Gemeinde seien 21 im Kindergarten- und Schulalter.

"Die Anpassung der Infrastruktur wird uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Vor diesem Hintergrund möchte der Gemeinderat deshalb ein langsameres Wachstum gestalten." Dazu komme, dass sich neue Bürger "im Ort auch akklimatisieren sollen". Der Bedarf an Wohnraum sei hoch, der Druck aus Freiburg enorm. In den kommenden drei Jahren gebe es Nachverdichtung, aber keine größeren Projekte.

Der Preis: Die Bodenrichtwerte für Umkirch liegen zwischen 270 und 320 Euro. "Ich weiß aber, dass in der Praxis auch schon mehr als 500 Euro für einen Quadratmeter Bauland bezahlt wurden." Laub findet: "Was da verlangt wird, können junge Familien nicht bezahlen, das ist völlig verrückt – und für die Betroffenen wirklich bitter." Für Gemeinden gebe es kein Instrument, die Preisentwicklung zu steuern, bedauert der Rathauschef.

Vergabekriterien: Alter, Kinderzahl oder Engagement in Vereinen können Laub zufolge als Kriterien gelten. Generell müsse die europäische Rechtsprechung berücksichtigt werden, die eine Bevorzugung Einheimischer einschränkt. Auswärtige haben und hatten immer auch Chancen, in Umkirch Bauland zu bekommen, sagt Laub.

Von der Preisentwicklung abgesehen, freut sich der Bürgermeister, dass sich das Image seiner Gemeinde in den vergangenen Jahren sukzessive verbessert hat und Umkirch als Wohnort inzwischen sehr beliebt ist. "Wir sind heute eine moderne Gemeinde mit guter Infrastruktur, die sich im Schatten einer Großstadt gut entwickelt, das ist schon eine Besonderheit."