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03. Mai 2010 16:22 Uhr

Schüler besuchen Ecuador

Solidarisches Handeln lernen

Gymnasiasten aus Müllheim und Breisach waren für vier Wochen in Ecuador, wo sie in Gastfamilien lebten, in sozialen Einrichtungen mithalfen – und auf große Armut trafen. Für einige von ihnen war dies ein Anstoß, nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen.

  1. Diese Schüler lernten das Leben und die Menschen in Ecuador bei einem Austausch kennen. Foto: Privat

MÜLLHEIM. Offen und freundlich, so beschreiben die zehn Schüler und Schülerinnen des Wirtschaftsgymnasiums Müllheim und des Martin-Schongauer-Gymnasiums Breisach die Menschen in Ecuador, denen sie während eines vierwöchigen Schüleraustauschs begegnet sind. In ihren Gastfamilien seien sie sehr herzlich aufgenommen worden und hätten sofort ein Gefühl der Zugehörigkeit bekommen.

Am 12. März diesen Jahres begann ihre 9640 Kilometer lange Reise in die Hauptstadt Quito, auf der sie von den Lehrern Jörg Beckert und Esther Mergard-Chaer begleitet wurden. In Quito besuchten sie ihre ecuadorianischen Kollegen der Deutschen Schule, die sie bereits im Sommer 2009 in Deutschland kennen gelernt hatten. ISS heißt das Projekt, das von Jörg Beckert ins Leben gerufen wurde: Durch einen Schüleraustausch sollen Interkulturelle Kompetenzen vermittelt, Internationale Beziehungen aufgebaut und gepflegt sowie solidarisches Handeln ermöglicht werden. Die Schüler und Schülerinnen schnupperten während ihres Aufenthalts nicht nur in den Schulalltag an der Deutschen Schule in Quito hinein, sie erhielten durch ein zweiwöchiges, von beiden Lehrern begleitetes Praktikum vor allem auch einen Einblick in die Lebens-und Arbeitswelt in Ecuador. Die verbleibenden zwei Wochen wurden genutzt, um das Land und seine Einwohner näher kennen zu lernen. Dabei besuchte die gesamte Gruppe einen Markt, besichtigte einen Vulkan-Kratersee und verbrachte schließlich noch einige Tage im Regenwald und an der Pazifikküste.

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Vor allem in den sozialen Einrichtungen seien die Gymnasiasten Zeugen der in Ecuador herrschenden Armut geworden. "Es ist sehr traurig, dass die Jugendlichen dort schon so viel Schlechtes in ihrem Leben erfahren mussten", erzählt Stefanie Schmeißer aus Sehringen. Dorina Ley aus Norsingen hatte der Mangel an Hygiene-Artikel so schockiert, dass sie mit ihrem eigenen Geld Babylotion gekauft und am nächsten Tag an die Kinder verteilt hat. Lisa Kiefer aus Zienken war vor allem von der "Herzlichkeit und Neugier der Kinder" beeindruckt, während es für Georg Hörner und Raphael Pfefferle aus Münstertal, die behinderte Kinder betreuten, schwer gewesen war, sich an diese Arbeit zu gewöhnen.

Ein weiterer Baustein des Projekts unter der Leitung von Esther Mergar-Chaer vom Wirtschaftsgymnasium ist das Centro Infantil La Bota, ein Schülerhort für Kinder und Jugendliche. Die Schüler in Müllheim sammeln bei verschiedenen Anlässen wie Kuchenverkäufen Geld, um Essen, Schreibmaterial und Spielwaren kaufen zu können. Diese Dinge konnten bei dem Besuch in Quito persönlich abgegeben werden. "Die Kinder und Jugendlichen sind mir sehr ans Herz gewachsen", sagt Dennis Ruh aus Seefelden, der in dieser Einrichtung sein Praktikum gemacht hatte. Mit dabei waren noch Mareen Roggenbuck und Madlen Ortlieb aus Münstertal, Silke Schmidt aus Bad Krozingen, sowie Jonathan Plesch aus Hausen an der Möhlin. Negative Erfahrungen, etwa der Unterschied zwischen den ärmlichen Vierteln und den Villen der Reichen, haben sie zwar erschreckt, aber dennoch nichts daran geändert, dass einige Schüler nach Abschluss der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Dritte-Welt-Land leisten wollen. Der Besuch in Ecuador hat also seinen Zweck erfüllt, nämlich solidarisches Handeln zu ermöglichen.

Autor: Jennifer Ruh