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12. Februar 2010 10:58 Uhr
Bundesliga
Eisvögel-Chef stoppt freizügigen Basketball-Kalender
Diesen Trend gibt es im Sport schon lange: Frauenteams veröffentlichen Kalender, auf denen viel Haut zu sehen ist. Das wollten auch Freiburgs Basketballerinnen tun – wurden aber gestoppt.
FREIBURG. Die Erstliga-Basketballerinnen des USC Freiburg sind auch nur Frauen. Sie gefallen sich in ihrer Haut und dachten deshalb, dass sie davon auch viel zeigen könnten. Einen recht freizügigen Jahreskalender wollten sie herausgeben. Doch die Eisvögel rechneten nicht mit den Bedenken ihres Vereinschefs Mohsen Mohadjer, der das ursprüngliche Projekt stoppte.
Der Reihe nach: In den vergangenen Jahren hatten die Eisvögel des öfteren in der Adventszeit einen Jahreskalender in Auftrag gegeben, den sie brav über den Verein an Mann und Frau und Kind und Kegel verkauften. Es waren schöne, schlichte Werke: Zwölf Monate hat ein Jahr, zwölf Spielerinnen ein Basketball-Team. Es wurden nur Aufnahmen von den Spielerinnen während der Partien oder bei der offiziellen Teamvorstellung gezeigt. Das Titelfoto war das offizielle Mannschaftsbild, in aller Regel an einem besonders markanten Ort in Freiburg aufgenommen – zum Beispiel vor der Universität.
Dana Penno, die Rückkehrerin aus England, gebar dann – zusammen mit zwei Fotografen – schon beim Season-Open-Turnier im September die Idee, einmal "einen besonderen Eisvögel-Kalender" machen zu lassen. Schnell war klar, dass unter "besonders" künstlerisch wertvoll und freizügig gemeint war. Penno sprach mit den Teamkolleginnen, die sich alle für diese Art des Kalenders erwärmen konnten. Selbst die beiden US-Spielerinnen Sarah Hayes und Jahzinga Tracey, die religiös verwurzelter sind als die meisten Mitspielerinnen, wollten nicht außen vor sein. Zumal die Mannschaft es jeder Spielerin überließ, wie viel Haut sie zeigen wollte. Das Team war über das manchmal schnöde Basketballtraining in ein Projekt vertieft, das irgendwie den Zusammenhalt widerspiegeln sollte, das ungewöhnlich war und das man mit Feuereifer verfolgte.
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Also wurden in Absprache mit den beiden Fotografen Termine gebucht in einer Freiburger Disco, die an diesen Tagen eigentlich geschlossen hatte. Die Spielerinnen brachten Gedanken ein, die Fotografen auch – und so entstand ein Kalender, der durchaus als ein kleines Kunstwerk angesehen werden kann. Jedenfalls waren die Eisvögel von sich, der Idee und deren Umsetzung begeistert. Und irgendwann in dieser Zeit informierte das Team auch Trainer Harald Janson offiziell. Der war nicht ganz so euphorisch wie die Spielerinnen, wollte das Projekt aber immerhin "begleiten". Die einzige Forderung Jansons: Die Basketballerinnen sollten auf alle Fälle den Eisvögel-Vorsitzenden Mohsen Mohadjer über das Ansinnen informieren.
Gesagt, getan: Aufbauspielerin Franziska Höre wurde also vorstellig beim Klub-Chef. Es muss ein gutes Gespräch gewesen sein. Denn mit einem Mal wurde den Spielerinnen sonnenklar, dass es auch eine andere Sichtweise zu dem Kalender gibt. Die Erstliga-Basketballerinnen des USC Freiburg, in den vergangenen zehn Jahren ein Ausbund an Seriosität und Verlässlichkeit, würden ganz schnell den Ruf weghaben, die "Nackedeis der Liga" zu sein. Und die ewige Diskussion würde auch in Freiburg aufflammen, ob Frauen ihren Körper dazu benutzen sollten, ihren Sport zu pushen und zu erhöhen, sich selbst aber eventuell zu erniedrigen.
Der Eisvögel-Vorsitzende Mohsen Mohadjer wollte auf "gar keinen Fall", dass sich Spielerinnen auf einem offiziellen Eisvögel-Produkt teilweise entblößen. Erstens widerspricht das den ethischen Vorstellungen des Arztes. Zweitens wollte er nicht in den Verdacht geraten, der Klub versuche, sein Loch im Etat über einen erotischen Kalender zu stopfen.
Also hatten die Eisvögel drei Alternativen. Erster Vorschlag: Der Kalender wird gedruckt, die Spielerinnen übernehmen die Kosten der Herstellung und können den Kalender dann privat verschenken. Zweiter Vorschlag: Der Kalender wird gedruckt und verkauft, aber die Einnahmen werden komplett einem karitativen Zweck zugeführt. Dritter Vorschlag: Der Kalender wird gar nicht gedruckt und verkauft.
Die Aufnahmen waren bereits gemacht, Kapitänin Birte Wehrenbrecht und ihren Mitspielerinnen gefiel das Ergebnis, aber die Einwände des Vereins-Oberen waren deutlich und auch sehr überzeugend. Also entschied sich das Team für Vorschlag eins: Der Kalender wird gedruckt (allerdings anstatt der angedachten 120 Exemplare nur 60) – und die Spielerinnen beschenkten mit ihm ihre Liebsten zu Weihnachten. Ohne großes Brimborium – und ganz im Sinne des Vereins-Chefs und des gesamten Eisvögel-Vorstands.
Autor: Georg Gulde
