Frauen-Basketball

Neue Trainerin bei den Eisvögeln des USC Freiburg: Hanna Ballhaus kommt, Pierre Hohn geht

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Fr, 08. Juni 2018 um 12:49 Uhr

USC Eisvögel

Aufstiegstrainer Pierre Hohn verlässt die Freiburgerinnen – auf ihn folgt Hanna Ballhaus, die zuletzt in der zweiten Liga Spaniens tätig war. Mit der 35-Jährigen trainiert erst zum zweiten Mal eine Frau die Eisvögel.

Mit einem neuen Trainer beziehungsweise einer Trainerin werden die Erstliga-Basketballerinnen des USC Freiburg in die Saison 2018/19 gehen. Pierre Hohn, der die Eisvögel erst 2017 nach dem Abstieg aus Liga eins übernommen und mit dem Team vor wenigen Wochen den sofortigen Wiederaufstieg geschafft hatte, verlässt den USC aus beruflichen Gründen. Er wird von August an ersetzt durch Hanna Ballhaus. Die 35-Jährige ist aktuell Trainerin beim spanischen Frauen-Zweitligisten Club Baloncesto Aros und Bundestrainerin der weiblichen U-20-Nationalmannschaft des Deutschen Basketball-Bundes (DBB).

Erst zum zweiten Mal trainiert eine Frau die Eisvögel

Es ist erst das zweite Mal in der Bundesliga-Geschichte der Eisvögel, dass das Team von einer Frau als Hauptcoach betreut wird. In der allerersten Erstligasaison 2000/2001 war die Ungarin Zsuzsanna Boksay Trainerin. Nach Reibereien mit zahlreichen Spielerinnen hatte damals noch während der Saison ihr Co-Trainer Harald Janson, der jetzige Sportliche Leiter der Eisvögel, das Coachen am Spielfeldrand übernommen. In den weiteren 16-Erstligajahren traten hingegen ausschließlich Männer als Übungsleiter bei den USC-Frauen in Erscheinung.

Ballhaus sieht in ihren neuen Aufgabe eine Herausforderung

Nun wird es anders: Hanna Ballhaus, ehemals als Headcoach Weggefährtin und so etwas wie die Mentorin von ihrem Assistent Pierre Hohn in Wolfenbüttel und Braunschweig, sagt über ihre neue Trainerstation: "Ich freue mich nach zwei spannenden Jahren im Ausland sehr darauf, wieder in Deutschland zu arbeiten und gemeinsam mit den Eisvögeln nach dem direkten Wiederaufstieg das Projekt erste Liga anzugehen." Und sie ergänzt: "Die Eisvögel sind mit ihrer konsequenten Ausrichtung und der Kombination aus professionellen Bedingungen und einem familiären Umfeld für mich eine der Topadressen im Deutschen Frauenbasketball." In ihrer neuen Aufgabe sieht sie eine "Herausforderung". Ballhaus hatte 2016 als Trainerin der Girls Baskets Braunschweig-Wolfenbüttel die deutsche Meisterschaft in der Nachwuchs-Bundesliga (WNBL) gewonnen. Nach Auskunft der 35-Jährigen hat sie einen Einjahresvertrag beim USC unterzeichnet. Sie macht aber keinen Hehl daraus, "gerne längerfristig bei den Eisvögeln zu arbeiten".

Als Jugendliche spielte die in Göttingen geborene Hanna Ballhaus Basketball. Doch schnell wechselte sie auf die Trainerbank. 2008 nahm Ballhaus, die Kunstgeschichte und Neuere Geschichte studierte und später ein Sportmanagement-Studium draufsattelte, ihren ersten hauptamtlichen Job als Coach an – in Göttingen.

Pierre Hohn zieht’s ins Ausland und dann nach Berlin

Eine allzu große Überraschung ist der Wechsel von Pierre Hohn zu Hanna Ballhaus an der Trainerspitze des USC nicht, auch wenn es selten vorkommt, dass ein Coach geht, der einer Mannschaft zum Aufstieg verholfen und der von vielen Seiten Lob erfahren hat. Doch der erst 26-jährige Pierre Hohn gilt als sehr ehrgeizig. So schloss er bereits im vergangenen Jahr sein Jura-Studium ab, nun will er ins Jura-Referendariat einsteigen. Als angehender Jurist wäre es sehr unüblich gewesen, eine Pause von mehr als einem Jahr zu machen. Hohn hat noch das Sommer-Trainingsprogramm der USC-Spielerinnen zusammengestellt, bis Ende August ist er als Coach des weiblichen U-16-Teams des Deutschen Basketball-Bundes unterwegs. Im Laufe des Jahres 2019 tritt er dann in Berlin seine Jura-Referendariatsstelle an, "davor will ich schauen, dass ich im europäischen Ausland übergangsweise arbeiten kann", sagte er am Freitag der BZ.

Beim USC hat man die Entscheidung ihres bisherigen Trainers mit großem Bedauern aufgenommen, in der kommenden Saison in der Unihalle nicht mehr an der Seitenlinie zu stehen. "Ich habe mich entschlossen, in absehbarer Zeit ins Jura-Referendariat zu starten. Diese Herausforderung ist jedoch nicht mit den Ansprüchen des Vereins, der Spielerinnen und auch mit meinen Erwartungen an mich selbst zu vereinen", so Hohn in seiner Begründung. "Es hat mir große Freude bereitet, hauptamtlich für die Eisvögel arbeiten zu dürfen. Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, das Programm wieder in die erste Liga zu führen."

Weinendes und lachendes Auge bei Harald Janson

Harald Janson, sportlicher Leiter der Eisvögel, stellt aktuell zusammen mit Ballhaus das Team für die kommende Saison zusammen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge tut er das. Janson: "Wir haben in Hanna eine der talentiertesten und besten deutschen Basketballtrainerinnen verpflichten können. Das freut mich ungemein. Dass Pierre nach einem fantastischen Jahr in Freiburg geht, bedauern wir sehr. Gleichzeitig haben wir größtes Verständnis und Respekt für seine gesetzten Prioritäten. Ich bin mir sicher, dass wir in Kontakt bleiben und wünsche ihm alles Gute für sein nächstes Lebenskapitel."