Talente fördern und formen – Eisvögel wollen weiter darauf bauen

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Sa, 25. März 2017

USC Eisvögel

Wie es konkret beim Absteiger aus der ersten Basketball-Bundesliga der Frauen weitergeht, soll in Gesprächen Anfang April festgelegt werden.

FREIBURG. Wie geht’s weiter mit den Basketballerinnen des USC Freiburg? Seit zehn Tagen wissen sie, dass sie nach 17-jähriger Zugehörigkeit sportlich aus der ersten Liga abgestiegen sind und in der nächsten Saison (höchstwahrscheinlich) nur noch zweitklassig spielen werden. Anfang April will der Vorstand der Eisvögel darüber beraten, welchen Weg der Klub künftig einschlagen will. Einige der drängendsten Fragen können aber schon beantwortet werden. Oder es lassen sich zumindest Tendenzen ablesen.

Gibt es eine Möglichkeit, doch
noch in der ersten Liga zu bleiben?

Ja. Wenn sich ein anderer Erstligist freiwillig zurückzieht oder – was es auch schon gegeben hat – Insolvenz anmeldet. Auch wenn einer der beiden Zweitliga-Meister (Gruppe Süd und Nord) auf den Aufstieg verzichtet, könnte es sein, dass der Tabellenvorletzte der ersten Liga, also die Eisvögel, gefragt werden, ob sie den Erstliga-Platz besetzen wollen. Intensiv beschäftigt sich der USC mit diesen Optionen aber nicht. Aus der ersten Liga gibt es kein Signal, dass sich ein Klub zurückzieht. Und in Liga zwei sind die Meister noch gar nicht ermittelt. Dort stehen erst noch zwei Playoff-Runden an.

Mit welchem Konzept geht
der Verein in die zweite Liga?

Einen Plan will der Vorstand bei einer Klausurtagung Anfang April erarbeiten. Es darf allerdings bereits jetzt davon ausgegangen werden, dass sich die Führung der Eisvögel weiter die Förderung von jungen Spielerinnen auf die Fahnen schreibt – mit dem Ziel, wieder in die erste Basketball-Bundesliga zu kommen. Zumal Freiburg seit Jahren ein ausgewiesener Stützpunkt im Mädchen- und Frauenbasketball ist und über vergleichsweise gute Bedingungen personeller und organisatorischer Art verfügt – zum Beispiel die Anbildung an den Olympiastützpunkt. Auch die Schuldenfreiheit und das strikte Einhalten von Abmachungen gelten als unverrückbare Bausteine der Eisvögel-Philosophie.

Werden die bisherigen Sponsoren dem Klub die Treue halten? Inwieweit wird der bisher durch den Europacup-Start auf 340 000 Euro angewachsene Etat abgespeckt?
Die Gespräche mit den Geldgebern und Gönnern sind angelaufen. Harald Janson, der Sportliche Leiter, ist zuversichtlich, dass sich ein Großteil der 60 Partner weiter bei den Eisvögeln engagieren wird. "Erste Gespräche sind positiv verlaufen. Wir können eine große emotionale und finanzielle Loyalität feststellen", so Janson. Dennoch dürfte der Etat um mindestens einen fünfstelligen Betrag zurückgehen.

Ist der sofortige
Wiederaufstieg ein Muss?

"Nein", so der Sportliche Leiter. Wer kontinuierlich den Nachwuchs fördern wolle, müsse auch mal mit einem Abstieg oder dem nicht sofortigen Wiederaufstieg klarkommen. Janson ist sich aber ebenso im Klaren darüber, dass Sponsoren ihr Engagement stark einschränken dürften, wenn der sofortige Wiederaufstieg nicht realisiert werden könnte.

Welche Spielerinnen werden
den Verein verlassen?

Nachwuchs-Nationalspielerin Satou Sabally, eines der hoffnungsvollsten Talente des deutschen Frauen-Basketballs, wechselt zu den Oregon Ducks, also an ein US-College. Sabally steht in Freiburg kurz vor den Abiturprüfungen, danach wird die Berlinerin wieder in die Hauptstadt zurückkehren, ehe es im Spätsommer in die USA gehen wird. Außer der fast 19-Jährigen gibt es bislang noch keinen feststehenden Abgang. Dennoch ist mit einem großen Umbruch zu rechnen.

Macht Trainer Sascha Bozic weiter?
Die neuen Bestimmungen der ersten Liga fordern eine hauptamtliche Stelle, in der Regel der Trainer, im Verein. In der zweiten Liga gelten diese Regelungen aber nicht. Insofern könnte Sascha Bozic, der bisherige Eisvögel-Chefcoach, weitermachen. Der 31-Jährige ist angehender Lehrer, absolviert zurzeit sein Referendariat. Die Doppelbelastung Cheftrainer und Studium/Examensprüfungen/Referendariat hat Bozic jetzt drei Jahre mitgemacht. Das hat an ihm gezehrt. Deshalb wäre es keine Überraschung, wenn er das Traineramt abgeben würde. "Ich brauche etwas Zeit, um nachzudenken", sagte das USC-Trainer-Eigengewächs kürzlich.