Basketball

USC Eisvögel sind weinend am Tiefpunkt

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Mo, 13. März 2017

USC Eisvögel

Freiburgs Erstliga-Basketballerinnen verlieren gegen Nördlingen und müssen wohl absteigen / Gibt’s eine Rettung am grünen Tisch?.

FREIBURG. Sie halten sich die Hände vors Gesicht, raufen sich die Haare oder beginnen bitterlich zu weinen: Freiburgs Basketballerinnen, seit 17 Jahren erstklassig, stehen vor dem Abstieg in Liga zwei. Sie verloren am vorletzten Spieltag am Samstag gegen Nördlingen 69:83 (20:28, 17:22, 9:12, 23:21). Nur eine Entscheidung am grünen Tisch kann den Abstieg noch verhindern.

Lediglich elf Punkte haben die Breisgauerinnen nach dem 21. von 22 Hauptrundenspielen auf ihrem Konto. Dadurch sind sie Tabellenvorletzter und liegen auf einem der beiden Abstiegsränge. Nördlingen hat nun 14 Punkte, ebenso Halle. Chemnitz (jetzt 16 Punkte) sicherte sich am Sonntag durch einen Sieg in letzter Sekunde gegen Saarlouis (72:71) den Ligaverbleib. Sollte das Schiedsgericht der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) den Punktabzug der Südbadenerinnen aus dem Marburg-Spiel von Ende Januar bestätigen, müssen die Eisvögel in die zweite Liga. Erhalten sie den einen Punkt, der ihnen durch einen angeblichen Formfehler im Spielerpass von Jovana Vukoje genommen wurde, indes wieder zurück, könnte es zum Klassenverbleib noch reichen: mit einem Sieg am letzten Spieltag am Samstag (19 Uhr) beim als Absteiger feststehenden Verein von Rotenburg-Scheeßel und einer gleichzeitigen Niederlage von Halle gegen den als Tabellendritten in die Playoffs einziehenden BC Marburg – sowie bei einem Erfolg von Nördlingen gegen Bad Aibling. Klingt kompliziert? Ist es auch, weil in die Rechnung Zweier- und Dreiervergleiche einbezogen werden müssen. Nördlingen kann der USC aufgrund des verlorenen direkten Vergleichs nicht mehr überholen.

Ob das DBBL-Schiedsgericht vor dem letzten Spieltag entscheidet, ist ungewiss. Theoretisch könnte das Urteil auch erst nach Abschluss der Hauptrunde erfolgen, was für die beteiligten Vereine eine äußerst unangenehme Vorstellung ist.

Wenn es eine goldene Regel für ein alles entscheidendes Spiel gibt, dann ist es diese: Die Spielerinnen müssen gesund sein. Insofern waren die Aussichten der Eisvögel nicht gut. Dass Spielmacherin Jovana Vukoje wegen einer Knieverletzung fehlen würde, war klar. Aber auch Hanne Mestdagh war nicht einsatzbereit, sie hatte sich im Training in dieser Woche eine Muskelverletzung zugezogen. Mariesa Greene musste nach ihrer Zahnverletzung nun am Donnerstag auch noch mit einem aufgeplatzten Finger ins Krankenhaus gefahren werden. Sie konnte aber auflaufen, wie auch die seit Wochen am Knie lädierte Kristen McCarthy und Ilka Hoffmann (Rückenprobleme). Personell hatte also Nördlingen Vorteile, das in Bestbesetzung antrat. Allerdings hatte der USC das Publikum im Rücken, das noch nie so zahlreich und stimmungsvoll in dieser Saison in die Unihalle geströmt war. Die 1200 Zuschauer wie die Cheerleader wurden mit Plakaten mit Aufschriften wie "Auf geht’s Ladies" und "Immer weiter" ausgestattet.

Kaum Struktur in den Angriffen und Löcher in der Defensive

Die Nerven! Auf dem Parkett war den Eisvögel-Spielerinnen der Druck des Gewinnenmüssens stark anzumerken. Im ersten Viertel bekamen sie kaum Zugriff auf die hoch motivierten und kämpferisch sehr engagierten Spielerinnen aus Bayern. Die fanden, klug dirigiert von Spielmacherin Jennifer Schlott, immer wieder Lücken in der USC-Defensive, die in der Startphase mehr Löcher als ein Schweizer Käse aufwies. 26:13 führte der Gast nach sieben Minuten. Als Schlott im zweiten Viertel per Dreier das Ergebnis auf 39:22 stellte, schienen die Gastgeber einem Debakel entgegen zu steuern. Neun McCarthy-Punkte sorgten für ein Lebenszeichen der Breisgauerinnen, nach Sasha Webers Dreier zum 36:41 keimte Hoffnung auf. Aber Nördlingen ließ sich nicht beirren. Und Schlott traf mit der Schlusssirene per Dreier zum 50:37-Pausenstand.

Völlig zerfahren und sehr punktearm ging die Partie in den ersten fünf Minuten des dritten Viertels weiter. Der USC erging sich in vielen Einzelaktionen. Er bekam keine Struktur in sein Aufbauspiel, der Ausfall von Ideengeberin Jovana Vukoje war nicht zu kompensieren. Durchdacht waren nur wenige Aktionen, hinzu kam eine schwache Trefferquote und fünf Freiwurfgelegenheiten, bei denen die Eisvögel jeweils beide Versuche verwarfen. Allein damit gingen zehn Punkte flöten. USC-Trainer Sascha Bozic gelang es auch nicht, von der Seitenlinie aus gegenzusteuern und die Fehlerquote zu senken.

So fügte sich eins zum anderen – die Niederlage war nicht mehr abzuwenden. Danach flossen viele Tränen auf Seiten der Eisvögel. Eine Epoche scheint zu Ende gegangen zu sein. Schon pikant: Ein Verein, der in 17 Jahren vielen deutschen Talenten die Möglichkeit gegeben hat, in Liga eins zu spielen und der die Nachwuchsförderung zum Programm erhoben hat, scheitert nun eventuell an einem angeblichen Formfehler beim Einsatz einer serbischen Spielerin.

So muss die Sportliche Leitung der Eisvögel um Harald Janson nun wohl für die zweite Liga planen. "Das tut sehr weh, wir sind alle so enttäuscht", sagte Kapitänin Juliane Hodapp nach dem denkwürdigen Spiel am 11. März 2017 – dem vielleicht letzten Heimspiel in der ersten Bundesliga.

Freiburg: Weber (5 Punkte/davon 1 Dreier), Greene (18/1), Ch. Zehender (nicht eingesetzt), Schipek, (n. e.), Hoffmann, Ouedraogo, Hodapp (2), Sabally (10), Rodefeld, Ilmberger (11), Mc Carthy (23/1). Nördlingen: Schlott (26/3), Pierre-Louis (16), Obanor, Chambers (5/1), Racic (23), Lu. Geiselsöder (5), Högg (2), La. Geiselsöder, Prötzig (6/1). Schiedsrichter: Groll, Aydogdu. Zuschauer: 1200.