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13. April 2012 07:55 Uhr

BZ-INTERVIEW

USC-Trainer über das frühe Ausscheiden in den Playoffs

Die Saison begann für den USC Freiburg verheißungsvoll – doch dann das frühe Aus in den Playoffs. Wie konnte das passieren? Trainer Harald Janson über die Gründe im Interview.

  1. Harald Janson lässt noch offen, ob er nächste Saison als Trainer weitermacht. Foto: PATRICK SEEGER

BZ: Herr Janson, Fans haben sich gefragt, warum die Eisvögel ausgerechnet zum Auftakt der Playoffs erstmals in der Trikotfarbe Rosa aufliefen. War das psychologisch glücklich? Ist Rosa eine Farbe, mit der erwachsene Frauen sich auf dem Spielfeld Respekt verschaffen können?
Janson: Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen zu Trikotfarben, die allesamt nicht so arg viel ergeben haben. Eine Behauptung war, dass schwarze Trikots die Schiedsrichter provozieren könnten, mehr Fouls zu pfeifen. Im US-amerikanischen Collegebasketball der Frauen wird Rosa jetzt sehr häufig eingesetzt. Ganze Spieltage finden in Rosa statt. Mit solchen Aktionen soll der Kampf gegen Brustkrebs unterstützt werden. In unserem konkreten Fall kamen wir dem Wunsch unseres Ausstatters nach. Er wollte eine neue Frauenkollektion präsentieren.
"Wir haben unseren Teil zu den Niederlagen beigetragen."

BZ: Das Team wirkte gegen Wasserburg phasenweise verunsichert und gehemmt, schien den Ball nicht mit dem Selbstbewusstsein zu spielen, das in der Hauptrunde häufig zu beobachten war. Warum?

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Janson: Wir sind gegen ein in dieser Phase der Saison exzellent aufspielendes Team aus Wasserburg angetreten. Auch der TSV 1880 selbst sprach von den bislang besten Saisonspielen. Das ändert aber nichts daran, dass unsere Leistung nicht auf dem Optimum war. Wir haben unseren Teil zu den Niederlagen beigetragen.

BZ: Warum waren die Eisvögel ausgerechnet zum Auftakt der Playoffs nicht in Bestform?
Janson: Wir hatten zuletzt einige Nackenschläge zu verarbeiten. Vor allem der langfristige Ausfall von Spielmacherin Julia Schindler traf uns. In diese Zeit fallen auch all die Auswärtsniederlagen und eine größere Unsicherheit in den Heimspielen. Außerdem verletzte sich eine Woche vor den Playoffs Judie Lomax. Es waren kleinere Nackenschläge, die uns aber aus dem Rhythmus gebracht haben.

BZ: Die Frauen aus Wasserburg dagegen spielten pünktlich zum Playoff-Start auf jeder Position Spitzenbasketball. Was haben sie besser gemacht?
Janson: Die Frage muss ich eher umdrehen, dieses Selbstbewusstsein habe ich. Wasserburg hat die Hauptrunde über sehr enttäuschend gespielt. Da kann man eher sagen: Was haben wir da besser gemacht? Unser Programm ist so aufgestellt, dass wir vom ersten Spieltag an in Top-Form sein müssen. Wir müssen schon früh damit anfangen, die nötigen Punkte zu holen. Wasserburg hat den Luxus, mit einer sehr kurzen Vorbereitung in die Saison starten und sich dann Schritt für Schritt in Form bringen zu können. Es hat zwar nie so lange gedauert wie in dieser Saison – aber insgesamt war bisherige Verlauf sehr typisch für Wasserburg.

"Wir wurden von der ganzen Liga gejagt."

BZ: Ist der amtierende deutsche Meister nun erneut Favorit auf den Titel?
Janson: Absolut.

BZ: Teilen Sie die Beobachtung, dass es beim USC seit Januar einen schleichenden Leistungsabfall gab? Julia Schindlers Sehnenriss, Erkältungskrankheiten einiger Spielerinnen im Februar – das sind zwei Gründe. Gibt es weitere?
Janson: Man darf nicht vergessen, dass wir die Saison lange Zeit auf einem sehr hohen Niveau gespielt haben. 16 Spieltage lang führten wir die Tabelle an. Wir wurden von der ganzen Liga gejagt. Alle Teams spielten gegen uns einen Tick besser als gegen andere Gegner. Das kostet sehr viel Kraft. Wenn der Kader dann noch leicht dezimiert ist, dann ist es vielleicht nicht verwunderlich, wenn die Fülle der Energie, die wir noch in der ersten Saisonhälfte hatten, beim Playoff-Start in dem Umfang nicht mehr vorhanden war. Auch ich als Trainer habe es nicht geschafft, die Mannschaft in Top-Form zu bringen, um die besten Leistungen abrufen zu können.

BZ: Vom sechsten bis zum 21. Spieltag führte der USC die Tabelle an. Zum Schluss fiel er dann aber noch auf den dritten Rang zurück. Aus heutiger Sicht: War die 79:84-Niederlage in Langen schon ein Vorbote des Misserfolgs in den Playoffs?
Janson: Das sehe ich nicht so. Rhein-Main hat in der ganzen Saison kein einziges Heimspiel verloren. Wir haben da sehr gut gespielt. Wenn man über Niederlagen spricht, die nicht hätten sein dürfen, die uns einen hohen Preis gekostet haben, dann muss man zuallererst das 63:67 in Saarlouis nennen. Auch dort fehlte allerdings Jule Schindler, und in der Schlussphase verloren wir Judie Lomax.

"Natürlich sind die Emotionen jetzt von Enttäuschung geprägt."


BZ: Playoffs haben ihre eigenen Gesetze, die Saison beginnt sozusagen von vorn. Trotzdem: Können Sie nachvollziehen, dass Fans enttäuscht sind, wenn eine so souverän gespielte Saison sang- und klanglos ausläuft?
Janson: Nicht nur Fans – die ganze Mannschaft ist enttäuscht. Es zeichnet uns Menschen ja aber aus, dass wir nicht nur nach Instinkten handeln, sondern auch unser Hirn einschalten. Das haben unsere Fans hervorragend vorgemacht. Schon unmittelbar nach dem Ausscheiden in Wasserburg erklärten sie uns gegenüber, was für eine geile Saison das gewesen sei. Natürlich sind die Emotionen jetzt von Enttäuschung geprägt. Man muss allerdings auch wissen, dass wir auf die ganze Saison hin gesehen einen weiteren Schritt gemacht haben in der Entwicklung der Eisvögel. 16 Spieltage an Position eins – das gab es noch nie. So viele Siege feierten wir noch nie. So viele Zuschauer hatten wir noch nie. Wir wollen versuchen, das auch in der nächsten Spielzeit wieder hinzubekommen.

BZ: Wissen Sie schon, wie das Gesicht des Teams in der neuen Saison aussieht?
Janson: Nein. Wir haben ja gerade erst die alte beendet.

BZ: Werden Sie selber weitermachen? Sie sind vor anderthalb Wochen Vater geworden.
Janson: Genauso wie wir mit jeder Spielerin sprechen, werden wir natürlich auch über die Trainersituation sprechen. Das ist ein vielschichtiges Thema. Es beginnt bei der Förderung des Nachwuchses. Und: Bekommen wir genügend Geld für einen hauptamtlichen Trainer zusammen? Erst wenn das alles geklärt ist, wird es eine Entscheidung geben.

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Autor: Andreas Strepenick