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04. April 2011 15:36 Uhr

Analyse

Wölfe stehen als Absteiger fest – woran sind sie gescheitert?

Ihre wirtschaftliche Zukunft sieht nicht gerade rosig aus – und sportlich ist die Misere der Wölfe Freiburg perfekt: Die Eishockey-Cracks stehen als Absteiger fest. Martina Philipp analysiert die Gründe,

  1. Kapitän David Danner Foto: patrick seeger

FREIBURG. Die Wölfe Freiburg sind in die Eishockey-Oberliga abgestiegen. Ihr Konkurrent aus Crimmitschau hat am Sonntag erst nach Verlängerung gegen Weißwasser 2:3 verloren und dadurch einen Punkt gewonnen. Damit haben beide Ostklubs den Klassenerhalt in der zweiten Liga vorzeitig geschafft. Warum gelang das den als Favorit in die Abstiegsrunde gestarteten Wölfe nicht?

VORNE
Man kann es sich nicht so einfach machen und behaupten, die sportliche Leitung der Wölfe hätte in der eben vergangenen Saison alles falsch gemacht. Dustin Sylvester, einen bis vergangenen Herbst in Europa unbekannten jungen Mann, haben sie nach Freiburg geholt und der kanadische Stürmer (22) hat es insofern gedankt, als dass er mal eben Top-Torjäger der Liga wurde. Eine andere große Stütze in dieser Saison war Chris Billich, ein Freiburger Eigengewächs. Auf der anderen Seite sind auch Dinge schiefgegangen. So hat Mark Heatley, Bruder des kanadischen Olympiasiegers Dany Heatley, genauso enttäuscht wie letztendlich der US-amerikanische Rückkehrer Chris Capraro, der zu Beginn der Saison mit Sylvester und Billich noch eine schnelle, torgefährliche Sturmreihe bildete, im Lauf der Monate jedoch an Form verlor und zwischenzeitlich öfters als überzähliger Ausländer nicht mit aufs Eis durfte. Ebenfalls nach unten zeigte die Kurve beim anfangs so souveränen Überzahlspiel der Mannschaft.

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HINTEN
In der Hauptrunde haben die Wölfe Freiburg als Drittletzte so viele Gegentore kassiert wie keine andere Mannschaft. In der Abstiegsrunde gegen Crimmitschau und Weißwasser ging das gerade so weiter. Das Team hat im Verbund oft zu wenig nach hinten gearbeitet, aber auch einzelne Spieler wie Kapitän David Danner, der vor der Saison aus der DEL nach Freiburg zurückgekommen war, haben die Erwartungen an sie nicht erfüllt.

GANZ HINTEN
Die oft unsortierte Abwehr, die zu oft von Kontern überrascht wurde, hat den Job von Imrich Petrik im Tor nicht leichter gemacht. Insbesondere in Unterzahl hat der Slowake vor Hunderten von Menschen regelmäßig erfahren, was Einsamkeit bedeutet. Allerdings hat der 27-Jährige, der schon für die Nationalmannschaft im Kader seines Landes stand, nicht die herausragende Rolle gespielt, die manche von ihm erwartet hatten. Petrik hat seine Mannschaft des Öfteren im Spiel gehalten, entschieden hat er selten eines.

AUF DER BANK
Zwei Trainer und ein Interimscoach dazwischen – Kontinuität sieht anders aus. Nicht jeder Beobachter hat nach dem überraschend guten Saisonstart verstanden, warum Markus Berwanger, der in der Vorsaison nach Freiburg gekommen war, nach der ersten längeren Durststrecke im Winter gehen musste und vorübergehend der ehemalige Wölfe-Coach und jetzige sportliche Leiter Peter Salmik übernahm. Zumal der Ex-Nationalspieler Berwanger nicht nur in der Mannschaft einen guten Stand hatte. Er habe zu wenig trainiert, hieß es von internen Kritikern, aber auch atmosphärische Störungen soll es gegeben haben. Jedenfalls kam Anfang Januar Zdenek Travnicek vom Leipziger Oberligisten und übernahm wiederum von Salmik. Hält man ihm zugute, dass es Trainer als Feuerwehrmänner immer schwer haben, muss man trotzdem sagen: Auch wenn sich die Freiburger zum Ende der Hauptrunde in der Abwehr gefestigter präsentierten, ist Travniceks Bilanz letztlich schlecht: Pre-Playoffs verpasst, in die Oberliga abgestiegen. Dass es dem gebürtigen Tschechen vor der Abstiegsrunde nicht gelungen ist, den Spielern zu vermitteln, dass die Abstiegsrunde kein Kettenkarussell ist, geht auf sein Konto. Auch einige Personalentscheidungen in entscheidenden Spielphasen waren unverständlich.

AUF DEM KONTO
Bliebe noch das liebe Geld … Mit einem Etat von knapp einer Million Euro hat die Wölfe GmbH laut ihrem ehemaligen Gesellschafter Holger Döpke diese Saison geplant – und sich damit bekanntlich verkalkuliert. Seit Mitte voriger Woche steht fest: Knapp 400 000 Euro fehlen der GmbH, um die laufende Spielzeit abschließen und die neue in Angriff nehmen zu können. Trotz der angelaufenen Rettungsaktionen dürfte es schwierig werden, bis zum offiziellen Saisonende am 17. April – dem letzten Abstiegsrunden-Spieltag – diesen hohen Betrag zusammenzubekommen. Gelingt es nicht, wird die zuständige Eishockey-Spielbetriebsgesellschaft ESBG den Wölfen die Lizenz entziehen. Der soeben in die Oberliga abgestiegene Klub dürfte dann dort nicht spielen. Die höchstklassige Eishockeymannschaft wären somit die Amateure des Stammvereins EHC Freiburg – in der vierten Liga.

AM ENDE
Nachdem die Wölfe Freiburg eigentlich schon im Frühjahr 2010 in die Oberliga abgestiegen waren und nur als Nachrücker für den freiwillig ausgeschiedenen SC Riessersee in der zweiten Liga bleiben durften, waren sie im Herbst erstaunlich gut in die neue Spielzeit gestartet. Dem 4:3-Auftaktsieg gegen Schwenningen vor 4000 Zuschauern folgte eine bemerkenswerte Siegesserie. Mit dem ersten erwartbaren Einbruch gerieten die Dinge dann einfach zu schnell aus den Fugen. Der eilige Trainerwechsel und die finanziell instabile Lage taten ihr Übriges. Mit etwas mehr Ruhe und Sicherheit hätte die Mannschaft vielleicht die sportlichen Talfahrten im Herbst und im Frühjahr durchgestanden. Stattdessen sind die Wölfe nun wieder in die Oberliga abgestiegen und finanziell womöglich am Ende.

Autor: Martina Philipp