Fußball

Magdeburg gelingt zum ersten Mal Aufstieg in die zweite Liga

dpa

Von dpa

So, 22. April 2018 um 16:40 Uhr

2. Bundesliga

Erstmals spielt der einzige DDR-Europapokalsieger in der 2. Fußball-Bundesliga. Wie Ex-Bundesligist Paderborn steigt der 1. FC Magdeburg auf - und muss sich trotzdem ein bisschen ärgern.

Nach fast drei Jahrzehnten in der sportlichen Bedeutungslosigkeit ist dem 1. FC Magdeburg der erstmalige Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga gelungen. Der einzige Europapokalsieger der ehemaligen DDR machte am Samstag mit einem 2:0 gegen Fortuna Köln den Sprung in Liga zwei perfekt. Zeitgleich korrigierte der punktgleiche Drittliga-Spitzenreiter SC Paderborn mit einem 3:0 gegen die SpVgg Unterhaching den eigenen Betriebsunfall.

Die Freude in Magdeburg war indes getrübt. Überschattet wurden die Feierlichkeiten von schweren Ausschreitungen in der Innenstadt. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben einen Wasserwerfer ein, um die Randalierer zurückzudrängen. Rund 150 Vermummte warfen Steine und Flaschen auf Einsatzkräfte.
Sachsen-Anhalts Sport- und Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) verurteilte die Ausschreitungen auf das Schärfste. "Solche Gewalttäter gehören öffentlich geächtet", erklärte er auf Facebook. Er forderte alle friedlichen Fans auf, sich zu positionieren. "Wenn Freudenstimmung in blinder Zerstörungswut und Gewalt endet, dann läuft gehörig etwas schief. Das hat nichts mit Fankultur zu tun", so Stahlknecht.
Bevor die Stimmung umschlug, hatten mehr als 22 000 Fans im Stadion und rund 2500 Menschen in der Innenstadt friedlich den Erfolg der Magdeburger gefeiert. Trainer Jens Härtel gelang nach dem Drittliga-Aufstieg 2015 der nächste Coup. Prompt wurde er kurz vor der Pressekonferenz von seinen Spielern mit Bier geduscht.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) twitterte spontan: "Alles, alles Gute! Wir freuen uns, nicht nur Magdeburg, sondern ganz Sachsen-Anhalt, weil wir alle fußballbegeistert sind." Noch immer wirken die Erfolge der Vergangenheit nach. 1974 holte das FCM-Team um Jürgen Sparwasser den Europapokal der Pokalsieger. Nach der Wende aber ging es bergab, bis zur Insolvenz 2002.

Nun schreiben die Magdeburger wieder Erfolgsgeschichten. Der wie immer zurückhaltende Trainer Härtel blickte schon voraus: "Wir sind in der 2. Liga nur ein kleines Licht, weil wir der Neuling sind." Es gelte, dort mit akribischer Arbeit und Leidenschaft am Klassenerhalt zu arbeiten. Auch für Geschäftsführer Mario Kallnik beginnen nun die Zweitliga-Planungen: "Die Herausforderungen werden nicht kleiner. Wir wollen in der 2. Liga bestehen."

Die Paderborner, die 2014/2015 sogar in der 1. Liga spielten und wieder abstiegen, kennen die Zweitliga-Herausforderungen bestens. In der 3. Liga dominierte Paderborn. Nach 35 Spieltagen hat der Club 76 Punkte. Auch im Pokal überraschte das Team, scheiterte erst im Viertelfinale am FC Bayern.
Die bitteren Erfahrungen der Vorsaison, als der Club am Saisonende sportlich abgestiegen war, sind noch in den Köpfen. Nur der Zwangsabstieg des TSV 1860 München bewahrte Paderborn vor dem Gang in die Regionalliga. "Und jetzt, knapp zehn Monate später, stehen wir wieder in der 2. Liga. Wahnsinn", sagte SC-Geschäftsführer Markus Krösche.

Die Party stieg noch im Stadion: Auf dem Rasen wurde in Windeseile eine Bühne aufgebaut, die rund 14 500 Fans stürmten auf das Spielfeld. Und die Spieler tanzten ausgelassen in ihren Aufstiegs-T-Shirts ("2. Bundesliga! Wir sind wieder da!") und stimmten an: "Oooh, wie ist das schön...".

Paderborns Trainer Steffen Baumgart, der einst beim 1. FC Magdeburg spielte (2008) und trainierte (2009/2010), ertrug wie sein Pendant Härtel die Bierduschen seiner Spieler. "Ich weiß nicht, wer der erste war - mal schauen, ob das ohne Konsequenzen bleibt", sagte Baumgart schmunzelnd. Er sah ein, "um auf dem Teppich zu bleiben, dafür ist es jetzt wohl zu spät".