Auf dem Zahnfleisch in die Pause

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Mo, 18. Dezember 2017

Landesliga Nord

Im Derby zweier Aufsteiger mit unterschiedlichen Möglichkeiten setzen sich die Schutterner in Ettenheim durch.

HANDBALL Landesliga Nord: TG Altdorf – TuS Schuttern 32:37 (18:19). Im Duell der Aufsteiger aus zwei unterschiedlichen Bezirken fielen zu viele Tore, was nicht an überragenden Offensivleistungen, sondern an löchrigen Abwehrreihen auf beiden Seiten lag. Am Ende jubelten die Gäste, weil sie, obwohl personell arg gebeutelt, individuelle Vorteile ins Spiel der ungleichen Neulinge brachten.

Der Rahmen
Die Herbert-König-Halle in Ettenheim hat ihren ganz eigenen Charme: Eine Stuhlreihe entlang einer Seitenlinie, dahinter etwas Platz zum Stehen. Keine fest installierten Sitzreihen, schon gar keine Tribüne. Eher Schulturnhalle als Sportarena, "Wir sind daran gewöhnt, dass sich manche Leute darüber lustig machen", sagte der TGA-Routinier Philipp Nägele achselzuckend. Einer im roten Altdorfer Trainingsanzug, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen wollte, sagte: "So etwas gibt es im ganzen Bezirk nicht." Es sollte nicht als Kompliment verstanden werden. In der mit 150 Zuschauern gut gefüllten Halle gaben am Samstagabend die Schutterner den Ton – sportlich und stimmlich. Dabei waren die Ultras des TuS nur sparsam vertreten. "Das ist höchstens ein Viertel", schätzte ein Handballfreund aus Schuttern. Das lag daran, dass die Freiburger Bundesligafußballer an diesem Tag im heimischen Stadion gegen den Ball traten.

Das Neulingsduell
"Ein schwaches Spiel" hatte Axel Schmidt, Schutterner Coach mit Bundesligaerfahrung gesehen. Seltenheitswert hatten saubere, über mehrere Stationen aufgebaute Spielzüge. Weil sich in der Defensive auf beiden Seiten Lücken auftaten, rappelte es schneller als im Minutentakt: 69 Tore in 60 Spielminuten. "Es war aber auch viel Tempo im Spiel", gab Simon Heim zu Bedenken, der fünfmal für die TGA getroffen hatte. Aber er gab zu: "Da waren viele leichte Tore dabei." Auffällig behäbig zeigten sich die Altdorfer im Rückzugsverhalten, was die Schutterner nach Schmidts Ansicht nicht genug ausnutzten. Lange war die Begegnung ausgeglichen. Die TGA machte ein 5:10 mit viel Engagement wett. Die Maßnahme, Florian Kopf durch David Voßler eng zu decken, machte sich vorübergehend für die Altdorfer bezahlt. Im weiteren Spielverlauf aber übernahm Kopfs Teamkollege Samet Gündogdu zunehmend mehr Verantwortung. Ihn entscheidend einzugrenzen, gelang der TGA am Ende nicht. Beim Stand von 23:21 (36.) schien trotz allem eine Überraschung und der zweite Altdorfer Saisonsieg möglich. Dann folgte ein bekanntes Muster: "Wieder gab es ab der 45. Minuten Unkonzentriertheiten", analysierte Heim. Hier fiel die Entscheidung, als der TuS aus dem 29:29 (47.) das 29:33 (53.) machte. Diese Lücke war nicht mehr zu schließen.

Die Schutterner
Dass der TuS, Aufsteiger aus der Bezirksklasse Offenburg-Schwarzwald, 13 Punkte in zehn Partien eingesammelt hat, ist angesichts einer selten langen Verletztenliste bemerkenswert: Mit Benjamin Michel, Christian Lederer, Steffen Gambert, Benjamin Priebe und Arne Nienstedt fehlt fast ein komplettes Team. Zudem zog sich Nico Eble, der Sohn des Abteilungsleiters, am Samstag eine Mittelfußverletzung zu, was ihm nur noch ein humpelndes Mitwirken erlaubte. "Wir gehen auf dem Zahnfleisch", stellte Bernhard Eble fest. "Die drei Wochen Pause, die hinter uns liegen, haben schon gut getan, aber die vier Wochen, die vor uns liegen, sind noch besser." Coach Schmidt setzt eigene Maßstäbe: "Angesichts der personellen Situation ist es mir egal, ob wir am Ende Platz drei oder Platz zehn belegen. Wir wollen die Klasse halten. Und nächste Saison schauen wir dann mal."

Die Altdorfer
Bei der TGA, Aufsteiger aus der Bezirksklasse Freiburg-Oberrhein, blicken sie mit einer Spur Fatalismus auf die Runde, die kaum Erfolgserlebnisse ermöglicht. "Wir haben gewusst, es wird nicht leicht. Eigentlich war der Klassenerhalt von Anfang an gar kein Thema", erklärte Heim. "Dafür fehlt uns die Breite im Kader." So gaben sie sich ein bescheidenes Ziel: "Nur keine Nullrunde, wie beim letzten Mal in der Landesliga." Das ist schon einmal gelungen – mit dem Heimsieg am 11.11. gegen die TS Ottersweier. Obwohl sie mit 2:20 Zählern das Tabellenende zieren, ziehen Heim und Kollegen durchaus Vergnügen aus den Auftritten in der Landesliga Nord. "Eigentlich macht es Spaß, die Hallen sind voller und wir spielen gegen mehr erste Mannschaften." Für die TGA geht es vor allem darum, die Saison mit Anstand zu Ende zu spielen, sicherzustellen, dass sich im Team keine negativen Tendenzen verfestigen. Und in der kommenden Runde dürfen die Altdorfer in der Bezirksklasse wieder mit häufigeren Erfolgserlebnissen rechnen.

Der Ausklang
Hitzige Szenen unmittelbar nach dem Schlusspfiff mündeten schnell in sportive Gelassenheit. Stühle wurden zusammengeschoben, der vertraute Klang von Bierflaschen, die zusammenstießen, setzte den Ton. Während dessen machte sich ein junger Mann mit Hingabe ans Werk. Er reinigte im Auftrag der TGA den an vielen Stellen ramponierten Hallenboden. Dessen Erneuerung wurde den Sportvereinen in Aussicht gestellt. Mit der Halle und ihren grundsätzlichen Beschränkungen müssen die Handballer aber leben.

TG Altdorf: Klein, Brand; Nägele 1, M. Jörns, M. Enderlin, Bauer 5/2, Ph. Jörns 3/1, Voßler 1, Heim 5/3, Dautel 3, Zeiser 8, Schick, F. Enderlin 1, Reiner 4, Brand 1.

TuS Schuttern:
Silberer, Wendlinger; Krug 1, Kopf 12/6, Leberl 2, Greiner, Krajnc, Lischke 2, Dittrich 5, Eble 4, Gündogdu 7, de Weijer 4.

Spiel-Film:
4:3 (6.), 4:6 (8.), 5:10 (14.), 7:11 (16.), 12:11 (20.), 15:15 (24.), 18:19 – 23:21 (36.), 29:29 (47.), 29:33 (53.), 30:37 (58.), 32:37.