Niederlande

Handballerin kurz nach Geburt ihrer Tochter bei WM dabei

sid/dpa

Von sid & dpa

Fr, 08. Dezember 2017 um 00:00 Uhr

Nationalmannschaft

Die Niederländerin Estavana Polman ist die schillerndste Spielerin bei der WM. Das liegt an der schnellen Rückkehr nach ihrer Babypause – und ihrem Partner. Heute trifft sie auf Deutschland.

Bei Rafael van der Vaart kribbelt es gewaltig. Den niederländischen Fußballstar hat vor dem WM-Showdown gegen Deutschland das Handballfieber gepackt. Zusammen mit Töchterchen Jesslynn verfolgt van der Vaart die WM-Auftritte seiner Lebensgefährtin Estavana Polman mit Oranje – und ist hin und weg.

"Ich bin stolz. Fünf Monate nach der Geburt so fit zu sein und schon wieder zu spielen und so wichtig zu sein für die Mannschaft", sagte van der Vaart. Von einem Erfolg der Niederländerinnen gegen das deutsche Team im Duell um den Gruppensieg am Freitag (18 Uhr/Sport 1) ist er überzeugt. "Ich meine, wir gewinnen", sagte der langjährige Nationalspieler und Spielmacher des Hamburger SV, der heute beim dänischen Erstligisten FC Midtjylland unter Vertrag steht: "Es ist egal, ob das Fußball oder Handball ist. Es ist immer besonders."

Auch Polman kann das Gruppenendspiel kaum erwarten, ihre Liebsten geben ihr Kraft. "Das bedeutet so viel, wenn die Familie in der Nähe ist und beim Spiel zuschaut", sagte die 25 Jahre alte Rückraumspielerin. Während die kleine Jesslynn am Freitag wieder mit ihren dicken Kopfhörern und den Großeltern auf der Tribüne sitzen wird, musste van der Vaart am Donnerstag allerdings abreisen und guckt am Fernsehgerät zu. Bei einem möglichen Halbfinale in Hamburg wäre er wieder live dabei. Dass Polman, keine sechs Monate nach dem Familienzuwachs, überhaupt an der WM teilnimmt, ist erstaunlich. "Ich habe nach der Geburt davon geträumt. Ich habe mir selbst gesagt, dass es vielleicht klappen könnte mit der WM. Und jetzt stehe ich hier", sagt die Torjägerin und strahlt. Nach Jesslynns Geburt im Juni legte Polman unzählige Sonderschichten ein und trainierte bei ihrem Klub in Dänemark dreimal pro Woche zusätzlich mit einem persönlichen Trainer. Mit Erfolg: Polman gehört beim Mitfavoriten längst wieder zum Stammpersonal und steigerte sich in der Vorrunde mit jedem Spiel. "Ich komme immer besser ins Turnier. Ich hoffe, dass wir lange dabei bleiben, damit ich am Ende glänzen kann", sagte Polman. Und das Spiel gegen Deutschland? "Man sieht, dass sie viel zusammen trainiert haben. Aber wir werden natürlich All-in gehen und versuchen, sie zu schlagen."

Polman ist in Holland ein echter Star. Nach dem zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft 2015, bei der die Rückraumspielerin zur fünftbesten Torschützin avancierte, wurde sogar eine Tulpe nach ihr benannt. Und spätestens seit Beginn der Liaison mit van der Vaart im Frühjahr 2016 ziert sie regelmäßig auch die Cover der Boulevard-Blätter.

Mit dem Namen Polman geht aber vor allem die rasante Entwicklung des Frauenhandballs im Nachbarland einher. Seitdem sie im Herbst 2010 als damals 18-Jährige für Oranje debütierte, ging es für die Niederlande sukzessive bergauf. Sowohl bei der Weltmeisterschaft 2015 als auch bei der Europameisterschaft 2016 schaffte das niederländische Team den Sprung ins Endspiel. Damals war Polman bereits schwanger, verheimlichte es aber. "Nur meine Eltern, Schwiegereltern und Rafael wussten, dass ich schwanger war", so Polman. Erst nach dem Turnier, bei dem es Silber für die Oranje-Frauen gab, weihte sie Nationaltrainerin Helle Thomsen ein. Die beiden Silbermedaillen waren die einzigen Podiumsplätze in der Geschichte des Verbandes. Bei den Spielen in Rio de Janeiro landeten die Niederlande auf dem vierten Platz.