Ein Bogen um Deutschland

sid

Von sid

Do, 01. Dezember 2016

Motorsport

FIA-Weltrat bestätigt Absage für Grand Prix in Hockenheim.

KÖLN (sid). Ausnahmsweise brachte es Bernie Ecclestone mal auf den Punkt. Monatelang hatte der Chef der Formel 1 zuletzt mit zweideutigen Aussagen verwirrt, wenn es um die Zukunft des Großen Preises von Deutschland ging – doch als er die Absage für 2017 dann bestätigte, stellte der Brite eine ziemlich klare und berechtigte Frage. "Ich bin nicht enttäuscht, ich bin überrascht. Was braucht denn ein Land noch, um Interesse an der Formel 1 zu haben?", sagte Ecclestone: "An Fahrern oder Herstellern fehlt es den Deutschen ja nicht gerade." In der Tat ist es gar nicht so einfach zu erklären, warum die Formel 1 in Zukunft wohl einen Bogen um eines ihrer Kernländer fährt.

Am Mittwoch tagte der Weltrat des Automobil-Dachverbandes FIA in Wien, dort wurde final über den offiziellen Rennkalender für das kommende Jahr beraten. Bald dürfte dann auch schwarz auf weiß zu lesen sein, dass es 2017 kein Deutschland-Rennen gibt. Für das Folgejahr hat Hockenheim einen Vertrag, doch danach war es das wohl erst mal mit der Königsklasse im Schumacher-Land. Natürlich sind die hohen Antrittsgagen, die Ecclestone von den Rennstrecken fordert, ein Kern des Problems. Angeblich 12 bis 15 Millionen Euro müsste Hockenheim zahlen, um die Weltmeister Rosberg und Vettel nach Hause zu holen. Für Ecclestone-Verhältnisse ist das ein Schnäppchen, Strecken in Asien oder im arabischen Raum zahlen viel mehr. Und doch ist es zu viel für die deutschen Betreiber, um verlässlich ohne Verluste zu bleiben.

In diesem Jahr nahm Hockenheim das in Kauf, das gilt wohl auch für 2018. Für 2017, wenn turnusmäßig der Nürburgring dran gewesen wäre, sind die Verhandlungen aber zum Erliegen gekommen. Es habe kein Angebot gegeben, sagt Geschäftsführer Georg Seiler, "in welchem die wirtschaftlichen Risiken ausgeschlossen gewesen wären, was stets unsere Bedingung war." Es wäre allerdings zu einfach, Ecclestones Geschäftsmodell als einzigen Grund für die Sackgasse zu sehen. Hätten Hockenheim oder Nürburgring immer volle Tribünen, dann wäre eine Veranstaltung ohne rote Zahlen realistisch. Doch der Ticketverkauf ist schwierig. Das liegt zum einen an relativ hohen Preisen, aber auch am schwindenden Interesse vor allem der jungen Deutschen.