Ein Tag, um das Tenniskonzept zu feiern

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 06. August 2018

Tennis

NACHGEFRAGT bei Paul Wörner und Adrian Obert.

TENNIS. Der 3. August könnte so etwas wie ein Tennisfeiertag in Oberweier werden. In Rüsselsheim erlebte der Verein am Freitag die sportliche Bestätigung eines Konzeptes, um die eigenen Leute eine Zweitligamannschaft zu bauen. Genau diese Spieler waren, wie berichtet, ganz entscheidend an dem 5:4 Erfolg beteiligt.

Paul Wörner besiegte den Chilenen Ricardo Urzua Rivera mit 6:3, 6:1. Adrian Obert servierte Kai Lemke mit 6:1, 6:2 ab. Im Doppel buchten die beiden Oberweierer Urgesteine beim 6:4, 6:4 mit dem dritten Mannschaftspunkt mehr als die halbe Miete für den Erfolg. Der quasi eingebürgerte Andrej Kracman sorgte in Zusammenarbeit mit Romain Barbosa, der bereits einen Einzelpunkt gewonnen hatte, für ein dramatisches und glückliches Finale. Nach verlorenem ersten Satz wurde der zweite Satz nach dem 2:5 und 30:30 noch im Tiebreak zum 7:6 gedreht. 250 Zuschauer erlebten das tolle Ende mit, das von einer ungemeinen mentalen Stärke des Oberweierer Duos geprägt wurde. Die Gastgeber führten im Match-Tiebreak 7:6. Mit vier Punkten in Serie wendeten die beiden für Oberweier spielenden Akteure das Blatt zum zweiten 5:4-Erfolg der Ortenauer in dieser Spielzeit.

Das Gemeinschaftserlebnis lässt Paul Wörner nicht los. "Darum spiele ich gerne Mannschaft", sagt der junge Mann aus Nussloch, "bei uns passt es mit den Spielern und mit dem Verein." Natürlich spielt auch der Erfolg eine Rolle. Der Mannschaftserfolg und der individuelle. "Dass wir im zweiten Jahr, das ja gemeinhin als schwieriger gilt als das erste Jahr in einer neuen Liga, so früh die Liga halten, ist echt stark." Erst danach schwenkt der Fokus auf die eigene Bilanz.

Paul Wörner, 21 Jahre alt, ist ein fleißiger Tennisspieler. Diese Qualität braucht es, um sich in der alles bestimmenden Weltrangliste so einzuordnen, dass manches leichter fällt. Schafft er es unter die Top 500 der Welt, bleibt ihm die oftmals kraftraubende Qualifikationstorturen erspart.

Kramsach in Österreich, Saarlouis, im belgischen Havre, im italienischen Bergamo, in Most in Tschechien, im türkischen Antalya (4), im italienischen Santa Margherita Di Pula (2), in Heraklion in Griechenland, Jerba in Tunesien, Loughborough und Glasgow in Großbritannien sowie Nussloch waren seine Turnierstationen in diesem Jahr.

Touristisch sicher nicht unangenehm, für einen Tennisspieler aber richtige Arbeit. In den 32 Spielen stand der 21-Jährige zweimal im Halbfinale. Nach getaner Arbeit beim TC BW Oberweier geht es wieder auf Tour: Trier, Karlsruhe, Überlingen. Da will er das gewonnene Selbstvertrauen aus der Liga einbringen.

"Wir sind ein geiles Team."

Adrian Obert
Die gute Bilanz in der zweithöchsten deutschen Spielklasse ist ihm Bestätigung für seine Entwicklung. Konstanz ist dabei das Schlüsselwort. Früher seien die Erfolge Ausreißer nach oben gewesen, heute sei alles etwas kalkulierbarer. "Das ist gut so", sagt Paul Wörner, dessen Ziel weiter die große Bühne des Tennis ist: "Gran-Slam-Turniere im Hauptfeld zu spielen." Da die Top-100-Spieler dieser Welt im Durchschnitt 27 Jahre alt seien, sieht er sich mit seinen 21 Jahren auf gutem Weg. "Ich sehe viel Potenzial in der Physis", gibt sich der 1,83 Meter große und 74 Kilo schwerer Athlet selbst das Ziel der nahen Zukunft vor.

Adrian Obert spricht noch immer von einem erfüllten Traum, wenn er auf die Mannschaftsrunde zu sprechen kommt. "Wir sind ein geiles Team, bei dem jeder für den anderen da ist." Aus diesem Teamspirit nähren sich nach seiner Meinung die Erfolge. Für den Lahrer selbst kam die Runde ausgesprochen ungeschickt. Verletzungen haben ihn seit März aus der Spur gebracht. Er spielte kaum Turniere. "So habe ich nicht die Pause, die mein Körper benötigen würde." Er sagt es und fügt schnell hinzu. "Ich bin heiß auf die Liga." Der 23-Jährige hilft sich aktuell mit Schmerztabletten. In einer Woche ist diese Phase auch beendet. Das Turnier in Karlsruhe hat er abgesagt. Sein Alternativprogramm: Den Fuß kurieren; vier Tage totale Pause und dann vier Wochen konzentrierte Aufbauarbeit, ehe wieder Turniere auf dem Plan stehen könnten. "Für mich ist es das wichtigste Thema, mein Körper muss den Anforderungen standhalten."