Erleichtert zum Sieg

Anja Bertsch

Von Anja Bertsch

Mo, 18. September 2017

Reitsport

S-Springen bei Schopfheimer Reitturnier an Pia Reich / Lob für "technisch anspruchsvollen" Parcours.

REITEN. Das Schopfheimer Gestüt Sengelen zeigte sich wieder als Mekka der regionalen Reiterszene: Die Ringmeisterschaften des Reiterrings Oberrhein und Springen bis zur S-Kategorie standen auf dem Programm.

Den hochkarätigen Auftakt machten die für alle Reiter offenen Spring- und Dressurprüfungen. Erstmals reichte das Niveau der Springen in diesem Jahr bis in die Klasse S*, das Dressurprogramm wurde auf eine M**- und S*-Dressur erweitert. Mit der Öffnung der Schwierigkeitsskala nach oben lag das veranschlagte Level aber noch immer unter dem tatsächlichen Niveau der startenden Pferde und Reiter, so die durchaus selbstbewusste Einschätzung von Gestütsleiter Volker Trefzger.

"Mit einem normalen Ein-Sterne-Turnier hat das hier nichts zu tun", sagte er mit Blick auf ein Teilnehmerfeld, das den ehemaligen Olympiateilnehmer Walter Gabathuler aus der Schweiz ebenso als Wiederholungstäter in seinen Reihen sah, wie die Nationenpreisreiterinnen Rebecca Hotz (RV Schopfheim) oder Pia Reich (RV Dreiländereck). Im S*-Springen war dann auch tatsächlich eine gewisse Unterforderung erkennbar: Erst beim siebten Reiter fiel das erste Hindernis.

Pia Reich wurde auf Croesus souveräne Siegerin, sie blieb wie zwölf andere auch fehlerfrei, war aber in 61,26 Sekunden am schnellsten durch den Parcours gekommen. Die Bereiterin des RVD wiederholte damit ihren Turniererfolg vom vergangenen Jahr an selber Stelle, in der damals höchsten Kategorie M. Für den Laien stand kurz im Raum, ob bei ihr ein Auge zugedrückt wurde, denn kurz bevor sie das erste Hindernis in Angriff nehmen wollte, stoppte sie und die Uhr, die fast abgelaufen war, wurde angehalten. Croesus behinderte offenbar etwas, die Reiter spüren es, wenn ihr Partner etwas unrund läuft. In diesem Fall musste sich der Holsteiner Hengst sichtbar erleichtern, danach ging es weiter. Dass die Uhr zuvor gestoppt worden war, sei regelkonform und keine Kulanz, so Trefzger. Und Reich berichtete: "Das macht er immer vorm Start. Ist eine Marotte von ihm."

Um in dem hochklassigen Feld überhaupt die feinen Unterschiede herauszukitzeln, hatte sich Parcoursmeister Volker Trefzger technische Raffinessen in der Parcoursgestaltung einfallen lassen. "Allein über die Ein-Sterne-Höhe bekommt man die Unterschiede nicht zu fassen", sagte er. Von den Teilnehmern wurde das gewürdigt. "Technisch anspruchsvoll", bilanzierte etwa Marian Müller (Hofgut Albführen) anerkennend mit Blick auf die "Fehler provozierenden Wege" und die engen Wendungen. "Man muss nicht immer alles über Höhe regeln", sagte er. Müllers Bilanz war astrein: Er absolvierte den Parcours mit Coupe de Alb fehlerfrei und landete mit 62,88 Sekunden zwei Zehntel hinter dem zweitplatzierten Michael Herhalt (RZ Immenhöfe/Bouzha). Mit deutlicherem Abstand wiederum mussten diese beiden Pia Reich ziehen lassen – und hielten sich damit quasi an interne Traditionen: "Dass Pia hier gewinnt, gehört sich einfach so", konstatierte Müller mit einem freundlichen Seitenblick auf die Dauerkonkurrentin.

Reich wiederum zeigte sich zufrieden mit ihrem Erfolg, der Tradition zum Trotz war sie sich aber offenbar nicht so sicher wie Sportskollege Müller: "Es gab einige, bei denen ich dachte, sie könnten vielleicht schneller sein", so Reich mit Blick auf die 23 Mit(st)reiter im S*-Springen. Gabathuler ritt mit drei Pferden und belegte die Plätze fünf, acht und 15. Hotz blieb mit Cowboy ebenfalls fehlerfrei, 66,47 s reichten für Rang sieben (Ergebnisse Ringmeisterschaft folgen Dienstag).

"Turniere von aktiven Reitern für aktive Reiter"

In der S*-Dressur reüssierte Stephan Köberle (TSG Breisgau) mit 887 Punkten vor Tanja Gerber  (RV Wiesental-Steinen) auf Sacre Fleur (861). Für das Siegerpaar war das Ergebnis der gelungene Abschluss einer erfolgreichen S-Saison-Premiere, die Köberles Pferd "I am 2" in diesem Jahr absolviert und dabei fast durchweg Erst- und Zweiplatzierungen errungen hat: "Eine Traumsaison", bilanzierte Köberle und schob wohlgelaunt ein dickes Lob an die Turnierorganisation hinterher: "Ich bin immer gerne hier", sagte er und verwies auf die Platzverhältnisse, die routiniert-professionelle Organisation und den unkomplizierten Ablauf. Schopfheim steche heraus. "Man merkt: Die Turniere hier werden von aktiven Reitern für aktive Reiter gemacht", so Köberle.

Hochdekoriert verabschiedete sich Tanja Gerber nach einer erfolgreichen Saison vom Sengelen aus direkt in den Namibia-Urlaub: Mit dem tierischen Geschwisterpaar Sacre Fleur und Sir Boss platzierte sie sich in der S*-Dressur auf Platz zwei und drei; in der M**-Dressur hatte sie mit ihren Pferden zuvor die Plätze eins, zwei und vier erritten.