ATP-WM in London

Heimspiel für den Nationalhelden

sid

Von sid

Mi, 16. November 2016

Tennis

Andy Murray startet mit einem Sieg gegen Marin Cilic in die ATP-WM in London / Auch Dominic Thiem gewinnt.

LONDON (dpa/sid). Mit 20 Siegen in Serie hat sich Andy Murray an die Spitze katapultiert. Auch als neue Nummer eins lässt der Schotte nicht nach. Im Fernduell mit Rivale Novak Djokovic sendet er ein erstes Zeichen: Rechenspiele sollen nicht über den Tennis-Thron entscheiden.

Als er einmarschierte, brandete Jubel auf. Als er seinen Matchball verwandelte, wurde das Geschrei noch lauter. Und als er zu seinem ersten Siegerinterview als neue Nummer eins der Tennis-Welt schritt, legten die Fans in der Londoner Arena noch einmal eine Schippe drauf: Andy Murray muss sich nach seinem Auftaktsieg bei der ATP-WM am Montagabend wie ein nationaler Held gefühlt haben. "Es war eine unglaubliche Stimmung. Nach den letzten Monaten ist es schön zu wissen, dass ich das Jahr in so einer Atmosphäre beenden kann", sagte der stolze Schotte.

Aus einem Jäger ist ein Gejagter geworden

Murray ist jetzt nicht mehr nur derjenige, der als erster Brite seit 77 Jahren wieder Wimbledon gewonnen hat, sondern auch der erste Weltranglistenprimus von der Insel. "Ich habe es wirklich genossen", erklärte der 29-Jährige, dessen Worte immer wieder vom lauten Publikum in der Londoner O2-Arena übertönt wurden.

Das deutliche 6:3, 6:2 gegen Marin Cilic war der ideale WM-Start für Murray, der mittlerweile 20 Spiele in Serie für sich entschieden hat und in dieser Woche seinen fünften Turniersieg nacheinander anpeilt. Dass er nun nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte ist, bereitet ihm keine Probleme. "Ich habe mich nicht nervöser gefühlt als sonst", bekundete Murray.
Der Einstieg verlief vielversprechend, gegen den Kroaten Cilic leistete er sich beinahe keine Fehler von der Grundlinie und nutzte vier seiner fünf Breakbälle für einen deutlichen Zweisatzsieg.

"Das war eines der besten Matches, das ich hier in den letzten Jahren gespielt habe. Ich versuche das bis zum Ende so beizubehalten", sagte Murray. Bisher hat der Wimbledon-Sieger von 2013 und 2016 noch nie das Finale bei dem Event in London erreicht. Um auf dem Tennis-Thron überwintern zu können, muss Murray bei den Tour-Finals Dauerrivale Novak Djokovic aber hinter sich halten. Zwar hat der Schotte einen Vorsprung auf den nur sieben Tage jüngeren Serben, doch haben es Beide nun selbst in der Hand: Mit einem Turniersieg könnte Djokovic wieder den Top-Platz erobern, den er vor der Ablösung 122 Wochen am Stück inne hatte.

Doch so weit denkt Murray noch nicht. Er will am Mittwoch zunächst gegen den punkt- und spielgleichen Kei Nishikori einen weiteren großen Schritt in Richtung Halbfinale machen. "Kei spielt momentan sein bestes Jahr auf der Tour. Er ist einer der besten Spieler auf der Welt", lobte Murray. "Ich bin bereit." Der Japaner hatte am Montag überraschend deutlich mit 6:2, 6:3 gegen Stan Wawrinka gewonnen.

Der österreichische Tennisprofi Dominic Thiem hat unterdessen seine Chance auf das Weiterkommen in London gewahrt. Die Nummer neun der Weltrangliste setzte sich in seinem zweiten Spiel in der Gruppe "Ivan Lendl" mit 6:3, 1:6, 6:4 gegen den Franzosen Gael Monfils durch und hat trotz seiner Auftakt-Niederlage gegen den serbischen Weltranglistenzweiten Novak Djokovic weiter alle Chancen auf den Halbfinaleinzug.

Thiem, der als achter und letzter Profi sein Ticket für den Saisonabschluss in der englischen Hauptstadt gelöst hatte, gelang gegen seinen französischen Kontrahenten mit seinem verwandelten ersten Matchball nach 1:31 Stunden Spielzeit das entscheidende Break.

"Es war ein sehr enges Match, aber glücklicherweise hat er mir im letzten Aufschlagspiel ein wenig geholfen", sagte Thiem: "Vielleicht war ich heute der Glücklichere". Damit holte Thiem seinen 22. Erfolg aus seinem 25. Drei-Satz-Match in dieser Saison.