Präzisionskunst aus dem Stuhl heraus

Hrvoje Miloslavic

Von Hrvoje Miloslavic

Mo, 25. Juni 2012

Fechten

Paralympics-Fechterin Simone Briese-Baetke siegt bei südbadischer Meisterschaft in Rheinfelden.

FECHTEN. Viele Jahre herrschte im Lande Stolz über herausragende Leistungen deutscher Fechterinnen und Fechter bei Olympischen Spielen, Europa- oder Weltmeisterschaften. Inzwischen aber sind die Erfolge dünn gesät. Ob das ein Grund war für die enttäuschende Zuschauerresonanz bei der offenen südbadischen Meisterschaft in der Rheinfelder Fécamphalle? Den hervorragenden Leistungen eines hochkarätigen Teilnehmerfeldes tat dies jedoch keinen Abbruch.

Turnierorganisator Swen Strittmatter von der Fechtabteilung des TV Rheinfelden hat sich mit dem Nischendasein des Fechtsports offenbar arrangiert. Höchst zufrieden zeigte er sich dafür mit dem Niveau der Fechter, die nach Rheinfelden gekommen waren, um ihre Klingen zu kreuzen. Nicht weniger als zwölf ehemalige oder aktuelle Teilnehmer an Weltmeisterschaften seien am Wochenende am Start, erklärte Strittmatter stolz. Die vielleicht prominentesten Starter am Wochenende waren die Rollstuhlfechterin und Paralympics-Teilnehmerin Simone Briese-Baetke vom FC Tauberbischofsheim sowie der Deutsche Meister im Rollstuhl-Degenfechten, Steffen Nordmann (Makkabi Rostock). Als Bundestrainer der Rollstuhlfechter lotste Strittmatter sie nach Rheinfelden.

Der südbadische Verband kann sich rühmen, der einzige Verband in Deutschland zu sein, der die Inklusion gehbehinderter Sportler wirklich vollzogen hat. Tritt ein Rollstuhlfechter zum Gefecht an, hat auch die Fußgänger-Konkurrenz im Stuhl Platz zu nehmen. Dass dies keineswegs eine rücksichtsvolle Geste ist, belegt die volle Wertung dieser Wettkämpfe einschließlich des Finales.

Höhepunkt der Fechtduelle war das Galafinale, bei dem die Frauen und Männer am Samstag die Halbfinals und das Finale im Degen ausfochten. Dabei konnte Strittmatter nicht nur seine Fähigkeiten als Turnierausrichter unter Beweis stellen. Souverän siegte der Rheinfelder im Halbfinale gegen den Dänen Simon Norrelykke mit 15:5-Treffern. Erst im Finale musste er sich mit 5:15-Treffern dem Junioren Alexander Riedel vom SV Waldkirch geschlagen geben.

Bei den Frauen gewann erwartungsgemäß die haushohe Favoritin Briese-Baetke. Ihre Finalgegnerin, Lokalmatadorin Swantje Hauschild (TV Rheinfelden), die sich in einem spannenden Halbfinale mit nur einem Treffer Unterschied gegen Judith Stihl (SV Waldkirch) durchgesetzt hatte, musste sich im Rollstuhlgefecht gegen Briese-Baetke deutlich mit 6:15 geschlagen geben.

Grund zur Freude hatte der TV Rheinfelden am folgenden Tag, als deren Junioren mächtig aufzutrumpfen wussten. Allen voran Julian Brantl, der sich im Degenfinale mit 15:10 gegen Vortagessieger Riedel durchsetzen konnte. Souverän gestaltete sich der Auftritt des heimischen Ausnahmetalentes Felix Hopfner. Trotz deutlichen Trainingsrückstandes ließ der 19-Jährige seiner Konkurrenz keine Chance. Als Letzter stellte sich ihm im Finale Teamkollege Joshua Trotta in den Weg. Hopfner setzte seine Galavorstellung mit 15:7 fort.

Ausgefochten wurde ferner der Florettwettbewerb der Juniorinnen, den Amelie Fischer (FC Waldshut FA) gegen Bianca Penkwitz von der TG Würzburg mit 15:13 für sich entscheiden konnte. Die letzten Entscheidungen fielen dann im Florettfechten der Aktiven. Davon, dass Briese-Baetke nach eigenem Bekunden dem Florettfechten nicht so zugeneigt ist, war für Finalgegnerin Marion Degenkolb (FT Geisingen) wenig zu spüren. Die Paralympics-Teilnehmerin aus Tauberbischofsheimerin gewann auch das Florettfinale der Frauen mit 15:9.