Spiegel-Bericht

Vorwürfe gegen junge deutsche Springreiter

dpa

Von dpa

So, 02. September 2018 um 20:29 Uhr

Reitsport

Die Vorwürfe und Verdächtigungen des "Spiegel" sind massiv. Das Magazin berichtet über Alkoholexzesse und sexuelle Übergriffe von und durch junge Springreiter.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) suchte die Flucht nach vorn. Nach dem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel über Alkoholexzesse und sexuelle Übergriffe von und durch junge Springreiter räumte der Verband Probleme im Nachwuchsbereich ein. Von einem generellen Phänomen in der jüngeren Generation der Reiter wollte er aber nichts wissen.

"Wir haben eine Gruppe von jungen Aktiven, die definitiv hier ein Problem hat", sagte Generalsekretär Soenke Lauterbach. "Wir wollen und werden es nicht zu einem massiven Problem werden lassen." Nach der Veröffentlichung des Berichts bemühte sich der Verband um Transparenz und wirkte doch etwas hilflos. Denn das Sittengemälde, das der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe malt, ist erschreckend. Stark alkoholisierte junge Reiter, die auf Turnieren marodieren und junge Mädchen sexuell bedrängen. "Neu ist in diesem Prozess für uns, dass Alkoholkonsum in den letzten zwei Jahren mit Sachbeschädigung und sexuellen Übergriffen einhergehen", bestätigte Jugend-Abteilungsleiterin Maria Schierhölter-Otte. "Das ist eine neue Dimension."

Die im Spiegel aufgeführten Fälle kursieren schon länger in der Reiterszene. "Dass wir uns mit dem Thema sexualisierter Gewalt beschäftigen müssen, geht mir persönlich als Vater und auch all meinen Kolleginnen und Kollegen an die Nieren", sagte Lauterbach. Umso wichtiger sei es, Fälle aufzudecken. Doch das ist schwierig, wie FN-Justiziarin Constanze Engel eingestand: "Ein Gespräch an der Bar reicht uns nicht", sagte sie. "Ohne Aussagen können wir rechtlich kein Verfahren führen. Es braucht Täter und Opfer."

In einem vom Spiegel geschilderten Fall von Alkoholmissbrauch und sexuellem Übergriff konnte der Verband einschreiten. Ein junger Reiter wurde zu einer 18-monatigen Wettkampfsperre durch das FN-Sportgericht verurteilt, wie die Reiterliche Vereinigung bestätigte. Der betroffene Reiter bestreitet die Vorwürfe aber und legte Widerspruch beim Großen Schiedsgericht des Verbandes ein. Die Entscheidung steht noch aus.