Griff- und Rechenkünstler

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Fr, 07. September 2018

Ringen

In der Ringer-Bundesliga schielt die RKG Freiburg – laut Trainer – auf die Playoffs.

RINGEN. Mit einer neuen Klassifizierung, bei der die Zahl 28 im Mittelpunkt steht, einer neuen Staffeleinteilung und in inniger Feindschaft zu einer Konkurrenz-Liga startet an diesem Wochenende die erste Ringer-Bundesliga in die Saison 2018/19. Wie im Vorjahr in der Südwest-Staffel wieder dabei: die RKG Freiburg, für die zwischen Playoff-Teilnahme und Abstieg alles möglich erscheint.

» Etwas für gute Rechner
Die Zahl 28 steht nicht im Verdacht, eine besondere Stellung zu genießen. Weder im richtigen Leben noch im Sport. In der Ringer-Bundesliga dreht sich indes in dieser Saison vieles um die 28. Jeder der zehn in Mannschaftskämpfen eingesetzten Ringer pro Team bekommt einen nominellen Faktor. Dieser ist unter anderem abhängig von Nationalität, internationaler und nationaler Medaille und der Frage, ob Eigengewächs ja oder nein. So wird bei der RKG Freiburg zum Beispiel Maximilian Remensperger mit – 2 Punkten geführt, weil er schon als Jugendlicher bei der RKG ausgebildet wurde. Auch der aktuelle deutsche Männermeister Lars Schäfle (86 Kilo Freistil) wird mit – 2 gewertet, da für die Ermittlung der Punkte nicht das aktuelle Jahr herangezogen wird, sondern die vier Jahre davor. Dagegen stehen immerhin sieben (ausländische) Athleten im Kader der Breisgauer, denen der Wert + 5 Punkte zugewiesen wurde. International hoch dekorierte Ausländer können sogar bis zu + 8 Zähler in die Wertung bringen. Alle zehn Ringer zusammen, von denen sechs einen deutschen Pass haben müssen, dürfen die Grenze von eben jenen 28 Punkten nicht überschreiten. Ansonsten wird das Team bestraft – mit dem Verlust eines Einzelkampfes (vier Punkte Abzug). Ganz klar: Wer gut rechnen kann, ist bei diesem neuen System im Vorteil. Eingeführt wurde es, um die Chancen der Klubs zu verbessern, die finanzschwächer sind und/oder viele Sportler selbst ausgebildet haben.

Echte Liebe sieht anders aus

Die Ringer sind gespalten. Wie im Vorjahr macht die aus fünf Klubs bestehende Deutsche Ringer-Liga (DLR), in der unter anderem die ehemaligen deutschen Mannschaftsmeister Nendingen, Schifferstadt und Weingarten starten, ihr eigenes Ding. Die DRL und der Deutsche Ringer-Bund (DRB) liegen nach wie vor im Clinch, eine Rückkehr der Separatistenvereine unter das Dach des nationalen Verbandes ist derzeit unrealistisch. Während sich in der DRL vor allem ältere ausländische Ringer tummeln, die in aller Regel auch nicht (mehr) in ihren Nationalkadern ihrer Länder sind, kämpfen in der dreigeteilten Bundesliga (Südwest, Südost und Nordwest) mit ihren insgesamt 23 Teams unter anderem die deutschen Kaderathleten.
» Die neue Einteilung
Südbaden ist nach dem finanzbedingten Rückzug des SV Triberg weiter mit vier Teams in der ersten Liga vertreten. Neben der RKG Freiburg sind dies noch Vorsaison-Halbfinalist TuS Adelhausen, der mächtig aufgerüstet hat und unbedingt erstmals ins Finale und auch Deutscher Meister werden will, Aufsteiger RG Hausen-Zell und das unverwüstliche Ringer-Dorf in Urloffen. Der Liga-Einteiler hat es dieses Mal gut mit den Südbadenern gemeint, denn sie kämpfen in der Bundesliga Südwest mit den vier saarländischen Klubs AC Heusweiler, KV Riegelsberg, ASV Hüttigweiler und KSV Köllerbach in einer Staffel. Bis auf den deutschen Vizemeister Köllerbach gelten die Saarland-Vereine nicht als superstark besetzt.

Die Zielsetzung der Breisgauer

Nur die Teams, die nach 14 Kämpfen auf Rang eins und zwei liegen, schaffen es sicher in die Playoffs. Im Südwesten dürften das Köllerbach und Adelhausen sein. Die besten zwei der drei Gruppendritten kommen ebenfalls ins Viertelfinale. Auf diesen Platz im Südwesten spekuliert die RKG, die wie im Vorjahr vom Dreigestirn Luigi Tascillo, Viktor Reh und Igor Maier trainiert wird. "Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben, können wir mit den anderen Teams mithalten – Ausnahme Adelhausen und Köllerbach", sagt Maier, der auf Rang drei hofft. Das ist mutig. Denn im Gegensatz zur Vorsaison gibt’s dieses Mal kein Playoff-Achtelfinale (das Freiburg damals übrigens verpasste). Auf der anderen Seite ist es in diesem Jahr nicht unmöglich, abzusteigen. "Der Letzte jeder Gruppe muss runter", bestätigte DRB-Ehrenmitglied Karl Rothmer der BZ. Das war nicht immer so. Oftmals hatte der Letzte ein Abstiegsrecht (!), musste aber nicht eine Klasse nach unten, wenn andere Teams nicht aufsteigen wollten.

» Der Kader der RKG Freiburg
Die Prognose darf gewagt werden: Das Team der RKG ist nicht stärker als in der Vorsaison. Dafür haben zu viele Leistungsträger den Verein verlassen (siehe Infobox). Nicht zu den Abgängen zählt der Ungar Balazs Kiss. Da die WM in diesem Jahr aber in Budapest stattfindet (20. bis 28. Oktober), erhielt er keine Freigabe für die Vorrunde, und für die Rückrunde will er kein Gewicht für die 98-Kilo-Klasse machen. Viel hängt davon ab, ob die Neuzugänge einschlagen. Herausragender Akteur dürfte Armands Zvirbulis sein. Der Lette blieb bereits in der Vorsaison in der Freistil-Klasse bis 98 Kilo ohne Niederlage. Dieses Jahr soll er auch in der Rückrunde im 130-Kilo-Limit punkten.

Der Auftaktgegner

Die Freiburger, die mit einem 80 000-Euro-Etat in die Saison gehen (das Budget beinhaltet auch die Kosten für das zweite Team in der Verbandsliga sowie die Verbandsabgaben), treten am Samstag um 19.30 Uhr zum Saisonstart beim deutschen Vizemeister KSV Köllerbach an. Alles andere als eine Niederlage der RKG wäre eine Sensation. Der erste Heimkampf findet am Freitag, 14. September, statt: das Derby gegen Hausen-Zell.