Sahnehäubchen in Schottland

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Von dpa

Sa, 04. August 2018

Sonstige Sportarten

Bei den European Championships verzeichnen die deutschen Sportler erste Erfolge / Weinstein Vierter in Mannschaftsverfolgung.

GLASGOW (dpa). Mehrere Sportarten wollen aus dem Schatten des Fußballs treten – deshalb veranstalten Leichtathleten, Schwimmer, Turner, Golfer, Triathleten, Radfahrer und Ruderer ihre EM als "European Championships" in Glasgow und Berlin. In Schottland sind die ersten Entscheidungen gefallen – mit Medaillen für Deutschland.

Henning Mühlleitner hat einen starken EM-Auftakt der Schwimmer veredelt und die erste deutsche Medaille bei den European Championships geholt. Der 21-Jährige schlug über 400 Meter Freistil nach 3:47,18 Minuten an und sicherte sich Bronze. "Die Medaille ist das Sahnehäubchen", sagte der Neckarsulmer lächelnd kurz nach dem Rennen.

Auf der Weltrekordstrecke von Paul Biedermann, der 2012 im ungarischen Debrecen mit Gold die zuvor letzte deutsche EM-Medaille über diese Distanz geholt hatte, waren nur der siegreiche Ukrainer Michailo Romantschuk in 3:45,18 Minuten und Henrik Christiansen aus Norwegen schneller (3:47,07) als Mühlleitner. Poul Zellmann, der in seiner persönlichen Bestzeit von 3:47,14 Minuten den Einzug ins Finale geschafft hatte, wurde Siebter. Auch Rückenschwimmer Christian Diener schwamm am Freitag im Vorlauf über 50 Meter in 24,89 Sekunden so schnell wie nie zuvor. Für den Endlauf reichte es nach einer langsameren Zeit im Halbfinale dann aber nicht. Auch Brustschwimmer Fabian Schwingenschlögl schied im Semifinale aus. Für die 100 Meter brauchte er 1:00,88 Minuten.

Die 4 x 100 Meter Kraul-Staffeln des Deutschen Schwimm-Verbandes erreichten ihre Ziele mit dem Finaleinzug. Im Finale reichte es dann bei den Männern in 3:15,12 Minuten zu Rang sieben, die Frauen wurden Achte (3:39,37).

Aliena Schmidtke kam als Achte weiter und darf sich auf das Finale über 100 Meter Schmetterling am Samstag freuen. Dort zählt sie allerdings nicht zu den Favoritinnen. Im Gegensatz zu Sarah Köhler, die über 800 Meter Freistil mit einem kontrollierten Rennen das Finale erreichte. "Ich hoffe, dass sie heute nochmal ein paar Körner sammelt und dann am Samstag hoffentlich schon um die erste Medaille mitkämpfen kann", sagte Lambertz. "Ich glaube, das wird sie schaffen." Köhler zählt auf mehreren Strecken zu den europäischen Top-Schwimmerinnen und startet auch im Freiwasser. Am zweiten Tag der Schwimm-Wettbewerbe stehen zudem das WM-Debüt von Schmetterlingsschwimmer Ramon Klenz und der 1500-Meter-Freistil-Vorlauf von Florian Wellbrock, der als Weltjahresbester gute Medaillenchancen hat, im Mittelpunkt.

Der deutsche Frauen-Vierer hat mit Bronze in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung die erste Medaille für die deutschen Bahn-Radsportler bei der EM erkämpft. Die Frauen bezwangen im Rennen um Platz drei in deutscher Rekordzeit von 4:23,105 Minuten das Quartett Polens. Im Viertelfinale waren Charlotte Becker, Lisa Brennauer, Mieke Kröger und Gudrun Strock in 4:23,754 Minuten auch schon Rekord gefahren. Auch die deutschen Männer hatten sich in der Besetzung mit Theo Reinhardt, Leon Rohde, Nils Schober und Domenic Weinstein aus Bad Dürrheim bis ins Rennen um Bronze vorgekämpft, verloren aber in 4:00,007 Minuten gegen die favorisierten Briten (3:57,463) das Duell und wurden wie im Vorjahr in Berlin Vierte. Europameister wurde die Schweiz.

Bei den Ruder-Wettbewerben haben am zweiten Wettkampftag alle vier deutschen Boote in den olympischen Klassen den Sprung ins Finale verpasst. Der Vierer ohne Steuermann mit Schlagmann Felix Drahotta (Leverkusen), der Frauen-Doppelvierer mit Olympiasiegerin Julia Lier (Halle/Saale) und der leichte Frauendoppelzweier scheiterten in den Hoffnungsläufen. Der Zweier ohne Steuermann belegte am Freitag im Halbfinale auf dem Rudersee im Strathclyde Country Park nur den sechsten Platz. "Das ist sehr enttäuschend für uns. Wir müssen alles in Ruhe analysieren, aber auch grundsätzliche Überlegungen anstellen", sagte Ralf Holtmeyer, leitender Bundestrainer des Deutschen Ruderverbandes (DRV).

Damit haben erst zwei Boote in den sieben vom DRV besetzten olympischen Klassen das Finale am Wochenende erreicht. Darunter ist auch der Deutschland-Achter, der nach seinem souveränen Vorlaufsieg vom Vortag als großer Gold-Favorit im Finale am Sonntag gilt.