Schnelle Beine und flinke Zunge

dpa

Von dpa

Di, 07. August 2018

Leichtathletik

Sprinterin Gina Lückenkemper gilt als Gesicht der Leichtathletik-EM in Berlin / An diesem Dienstag muss sie erstmals ran.

BERLIN/FREIBURG (dpa/gg). Schnelle Beine, flotte Autos, flinke Zunge: Gina Lückenkemper hat das gewisse Extra, das aus einer Spitzensportlerin einen Star macht. Und sie hat Lust dazu, mehr als die schnellste Frau Deutschlands zu sein. Deshalb ist die erst 21 Jahre alte Sprinterin auch das "Gesicht der Leichtathletik-EM" in Berlin und dem Nachrichtenmagazin Spiegel eine lange Story wert. "Ich bin extrovertiert, aber auch ein nachdenklicher Mensch", sagte die Mitfavoritin auf eine EM-Medaille vor ihrem 100-Meter-Auftritt am Dienstag (19.05 Uhr) im Olympiastadion.

Für den Ex-Verbandspräsidenten Clemens Prokop ist sie "ein Geschenk des Himmels für die deutsche Leichtathletik" - mit einer fast sechsstelligen Fangemeinde in den sozialen Medien und starken Nerven. Während andere sich verkriechen, um sich auf ihren Wettkampf zu fokussieren, gibt sie kurz vor dem ersten Start noch Interviews oder posiert in den Armen des EM-Maskottchens Berlino.

Dabei will sie in Berlin nichts anderes als den großen Erfolg. "Ich möchte von der EM mit zwei Medaillen nach Hause fahren", kündigte Gina Lückenkemper selbstbewusst an. Vor zwei Jahren in Amsterdam war ihr dies mit zweimal Bronze über 200 und 4x100 Meter gelungen. "Ich vertraue auf den Rückenwind in Berlin. Wenn ich 50 000 Zuschauer hinter mir weiß, weiß ich, dass ich zu einigem fähig bin", sagte die Studentin für Wirtschaftspsychologie in Dortmund.

Versagensängste kennt sie nicht. "Wenn es scheiße läuft, läuft es so, das kann immer mal passieren. Dafür ist es Sport. That’s life", sagte die Liebhaberin von schnellen Autos und kecken Sprüchen. "Ich bin zuversichtlich, dass ich schnell rennen kann, sonst wäre ich nicht hier." Auch wieder unter elf Sekunden wie bei der WM 2017 in London, wo sie ihre Bestzeit von 10,95 Sekunden aufstellte. Vor ihr war die später des Dopings überführte Katrin Krabbe als letzte Deutsche bei der WM 1991 in Tokio unter elf Sekunden gerannt. "Wenn die Bedingungen so bleiben, wird es darauf hinauslaufen, dass man unter elf Sekunden für eine Medaille laufen muss", sagte Lückenkemper angesichts der Hitze in Berlin. In dieser Saison reichte es bisher zu 11,07 Sekunden, der aktuell sechstschnellsten Zeit in Europa. Die Britin Dina Asher-Smith (10,92) und Mujinga Kambundji (Schweiz/10,95) sind vorgeprescht.

Trotz der demonstrativen Lockerheit arbeitet sie hart für den Erfolg. Mit ihrem Neuro-Athletiktrainer Lars Lienhard ist die deutsche Meisterin dabei neue Wege gegangen, um ihren Start zu verbessern. "Ich arbeite an meinen Schwächen, weil ich keine Schwächen mag", sagte Lückenkemper. "Zuletzt war nur noch die schlechte Reaktionszeit das große Übel." Lienhard habe geholfen, den Kopf mit neuronalen Firlefanz, aber es hat eine so krasse Wirkung", sagte Lückenkemper, die sich auch die Zunge mit Batterie-Strom schockt, um aufmerksamer zu sein.

Leichtathletik-EM heute, Finals: 50 Kilometer Gehen der Männer (mit Carl Dohmann und Nathaniel Seiler/beide Freiburg) und der Frauen (Start: jeweils 8.35 Uhr); Zehnkampf Männer (1. Tag/9.25 Uhr); Hammerwerfen Männer (18.45 Uhr); 10 000 Meter Männer (20.20 Uhr); Kugelstoßen Männer (20.33 Uhr); 100 Meter Frauen (21.30 Uhr); 100 Meter Männer (21.50 Uhr).

Zum EM-Start am Montag überstanden die meisten deutschen Sportler die Qualifikation, unter anderem Kugelstoß-Mitfavorit David Storl (20,63 Meter).