Beim letzten Schießen "war der Ofen einfach aus"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 23. Januar 2017

Biathlon

Biathlet Benedikt Doll fühlt sich auf den Strecken in Antholz nicht wohl, gleichwohl absolviert er ein Mammutprogramm mit Bravour.

BIATHLON. Was für ein Wettkampfprogramm: drei Rennen in drei Tagen, 42,5 Wettkampfkilometer in höchstem Tempo. Und das in 1600 bis 1700 Metern Höhe in Antholzer Tal (Italien), wo die Luft bei starker Belastung spürbar dünner ist. Kein Wunder, dass Benedikt Doll nach seinem Staffeleinsatz nach Luft schnappte und geschafft aussah: "Die Beine wollten heute nicht so schnell, da steckte noch was drin vom Einzelrennen gestern", sagt der 26-Jährige. Da wusste er noch nicht, dass es der erste Staffelsieg der deutschen Männer in dieser Saison werden sollte: Schlussläufer Simon Schempp (SZ Uhingen) rang im Schlusssprint den listigen Norweger Emil Hegle Svendsen nieder: Fotofinish, der Schuh von Schempp fuhr eine Zehntelsekunde vor dem des Norwegers über den Zielstrich. Komplettiert wurde das deutsche Quartett von Arnd Peiffer (WSV Clausthal Zellerfeld) und Erik Lesser (SV Eintracht Frankenhain).

"Normalerweise ist nach einem Weltcup-Einzelrennen immer ein Tag Pause. Wenn das Fernsehen das aber anders will, dann wird es so gemacht. Irgendwann ist man dann einfach am Limit", sagt Doll. Am Limit war der Biathlet der SZ Breitnau im gestrigen Massenstartrennen: "Ich hatte keine Lust auf das Rennen. Dann schieße ich liegend zweimal einen Fehler und laufe von Anfang an hinterher." Zwischen dem Staffelrennen und dem Massenstartrennen lagen nicht einmal 24 Stunden. Die Männer liefen am Samstag um 15.15 Uhr die Staffel und mussten gestern um 11 Uhr schon wieder zum Massenstartrennen antanzen. Doll lief als 19. mit einem Lachen über den Zielstrich, froh, dass die Tortur zu Ende war. Beim letzten Stehendschießen, bei dem er zwei Scheiben verfehlte, "war der Ofen einfach aus", sagt er.

Die beste Leistung war dem Schwarzwälder am Freitag im Einzelrennen gelungen. Sein Fokus lag "auf dem Schießen". Mit zwei Fehlern bei 20 Schüssen sei er sehr zufrieden, 90 Prozent Trefferquote ist respektabel. Auf der Strecke habe er "nicht voll angegriffen", in Anbetracht der Dauerbelastung über drei Tage eine weise Entscheidung. Bei der Laufzeit lag Doll verglichen mit den bisherigen Resultaten nicht so weit vorne wie sonst: "Ich mag die Strecken in Antholz nicht. Das Profil mit den vielen Passagen in der Eins-Einser-Technik kommt mir nicht entgehen." Im Einzel lag bei gleicher Trefferquote der deutsche Teamkamerad Arnd Peiffer als Neunter 10,4 Sekunden vor Doll, der Elfter wurde.

In der Höhe von Antholz wird der Atemrhythmus beim Schießen zum Problem. Normalerweise holen die Athleten ein- bis zweimal Luft zwischen den Schüssen, bevor sie innehalten, in Antholz muss mehr geatmet werden.

Doll verteidigt den Platz in der Spitzengruppe

Einige der Weltbesten setzten bei der Staffel aus. Die besten Deutschen nicht. Nur einen Tag nach dem längsten Biathlonwettkampf, dem Einzelrennen über 20 Kilometer, traten sie erneut an. Doll wurde vom deutschen Startläufer Erik Lesser als Zweiter auf die Strecke geschickt. Schnell bildete sich eine fünfköpfige Spitzengruppe, Norwegen und Russland waren darin vertreten, die ohne Martin Fourcade laufenden Franzosen nicht. Beim Liegendschießen musste Doll zweimal nachladen, im stehenden Anschlag einmal. Hinter Russland und Norwegen übergab er als Dritter, 5,7 Sekunden zurück, an Peiffer. Er hatte die deutsche Position in der Spitzengruppe verteidigt. Peiffer und Schempp vollendeten mit jeweils einem Nachlader den Staffelerfolg.

Benedikt Doll kommt für ein paar Tage in den Schwarzwald zurück und will sich – wo geht das besser als bei Mutter und Vater im Sonnenhof? – nach den intensiven Weltcup-Belastungen in Oberhof, Ruhpolding und Antholz in der Heimat erholen. Anschließend reist der Weltcup-16. mit der deutschen Mannschaft nach Obertilliach zur WM-Vorbereitung.