Biathlon-EM

Kein Erfolg in der Staffel für Biathleten Knoll und Rees

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 30. Januar 2017

Biathlon

Die Staffel geht für Knoll und Rees bei der Biathlon-EM daneben.

BIATHLON. Wenn Staffeln am Ende einer großen Meisterschaft ausgetragen werden, nominieren die Trainer meistens jene Athleten dafür, die zuvor in den Einzelrennen den besten Eindruck hinterlassen haben. Logisch. Insofern war die Staffelnominierung von Annika Knoll (SV Friedenweiler-Rudenberg) und Roman Rees (SV Schauinsland) bei der Biathlon-Europameisterschaft in Duszniki-Zdrój (Polen) eine Auszeichnung. Eine Verneigung der Trainer vor den guten Leistungen der Beiden.

Dass es in den Staffelrennen – Single-Mixed und Mixed – für die Deutschen nicht nach Wunsch lief, hat mehrere Gründe. Zum einen ist der Druck, den sich die Athleten in einer Staffel machen, immer größer als in Einzelrennen. Weil man nicht nur sich ins Verderben zieht, wenn man versagt, sondern auch die Staffelkollegen. Andererseits wurde bei der Veranstaltung in Polen deutlich, dass die Länder einer Kontinentalmeisterschaft unterschiedliche Bedeutung beimessen. Während führende Biathlonnationen wie Frankreich, Norwegen (sieht man einmal von Erlend Bjöntegaard ab) und Deutschland mit der zweiten Reihe antraten, waren vor allem die Vertretungen aus dem östlichen Teil Europas durchsetzt mit Weltcup-Stammpersonal. Russland, die Ukraine, Polen, Tschechien und Bulgarien liefen in den Einzelrennen um die Medaillen, für die Deutschen blieb nichts übrig. Auch nicht in den abschließenden Staffeln, in denen im Wissen um die drei Nachladepatronen mit deutlich mehr Risiko geschossen wird.

In der Single-Mixed-Staffel, in der Annika Knoll mit Matthias Dorfer (SV Marzoll) startete, sah es lange so aus, als könnten sie um eine Medaille mitkämpfen. Bei der Single-Mixed-Version muss die Frau viermal und der Mann fünfmal 1,5-Skating-Kilometer absolvieren. Beide schießen viermal. Die 23-Jährige aus Friedenweiler begann gut, traf liegend alle Scheiben und musste stehend nur einmal nachladen. Sie übergab im Feld der 22 Teams als Vierte an Dorfer, der Rückstand war mit 6,7 Sekunden gering. Dorfer schloss schnell zur Spitze auf, drei Nachlader ließen ihn aber wieder auf Rang fünf zurückfallen. Der Rückstand war mit elf Sekunden aber immer noch überschaubar.

"Es wäre auf jeden

Fall mehr drin gewesen."

Biathletin Annika Knoll zur Staffel
Dann war Annika Knoll wieder dran. In drei Einzelrennen zuvor hatte sie mit nur zwei Fehlern bei 50 Schüssen am Schießstand überzeugt, doch die hohe Belastung in diesem Staffelsprintrennen forderte Tribut. Liegend musste Annika Knoll zweimal nachladen, beim Stehendschießen konnte sie die Strafrunde mit drei Nachladern gerade noch vermeiden. Sie fiel auf Rang sieben zurück, der Rückstand schwoll auf 54 Sekunden an. Dorfer konnte am Schluss nur wenig Boden gutmachen, das deutsche Duo belegte den sechsten Platz. "Die Bedingungen beim Schießen waren nicht anders als in den Tagen zuvor, aber die Belastung auf der kurzen Runde war enorm", sagt Knoll zu ihren Problemen am Schießstand, "es wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen, ich bin von meiner Leistung ziemlich enttäuscht".

Mit der Enttäuschung war sie an diesem Tag nicht allein. Noch härter erwischte es Roman Rees in der Mixed-Staffel mit Nadine Horchler (SC Willingen), ihrer Schwester Karolin Horchler (WSV Clausthal-Zellerfeld) und Philipp Nawrath (SK Nesselwang). Nadine Horchler, die im Sprint ohne Schießfehler geblieben war und als Vierte eine Medaille nur knapp verfehlte, musste in der Staffel beim Liegendschießen dreimal nachladen, um die fünf Scheiben abzuräumen. Das deutsche Quartett fiel auf den 16. Platz zurück und rannte von nun an hinterher. Beim zweiten Schießen verlor sie mit zwei Nachladern erneut Zeit, ihre Schwester Karolin machte anfangs mit einem fehlerlosen Schießen Boden gut, verlor jedoch beim Stehendschießen mit drei Nachladern erneut viel Zeit. Roman Rees ging als Sechster ins Rennen und musste beim ersten Schießen einmal nachladen. Die hohe Staffelbelastung bekam er beim Stehendschießen ebenfalls mit Wucht zu spüren. Mit den ersten fünf Schüssen traf er nur zwei Scheiben, damit war klar, dass er mit den drei Nachladepatronen treffen musste, um die Strafrunde zu verhindern. Das gelang ihm nicht. Er musste eine Zusatzschleife absolvieren. Mit Rang zehn und rund zwei Minuten Rückstand auf die Spitze waren die Medaillen beim Wechsel außer Reichweite. Schlussläufer Nawrath erreichte als Sechster das Ziel.

Die Staffelgeschichte von Knoll und Rees ähnelt sich bei dieser EM – ebenso die, die sie zuvor in Sprint und Verfolgung geschrieben hatten. Beide schossen gut und leisteten sich im Sprint keinen Schießfehler. Annika Knoll kam auf den 17. Rang, Roman Rees wurde 26. "Ich habe herausgeholt, was möglich war. Weil meine Form nicht top ist, war klar, dass am Schießstand was gehen muss, das ist mir gelungen", sagt Rees nach dem Sprint, in dem er nach Nawrath (7.) zweitbester Deutscher war. "Mit einem fehlerlosen Schießen auf Rang 26, das zeigt, wie hoch hier das Niveau ist." Bei Annika Knoll hat das Schießen "super gepasst. Auf der Schlussrunde konnte ich nicht richtig dagegenhalten, vielleicht bin in einen Tick zu schnell angegangen."

Noch eine Parallele zwischen Knoll und Rees: Im Verfolgungsrennen zeigten beide ihre beste EM-Leistung. Rees kam am Schießstand auf eine 90-prozentige Trefferquote (20 Schuss, zwei Fehler) und auch die Laufrunde lag ihm mehr als die im Sprint. Der 23-jährige Hofsgrunder machte acht Plätze gut und beendete das Rennen als 18. Er war erneut hinter Nawrath (10.) zweitbester DSV-Starter und hatte die beste Einzelzeit aller Deutschen im Verfolger. "Ich habe Plätze gutgemacht, das hatte ich mir vorgenommen. Läuferisch habe ich mich heute besser gefühlt. Ein Fehler weniger am Schießstand hätte aber nicht geschadet."

Auch Annika Knoll machte im Verfolgungsrennen vier Plätze gut und lief als 13. durchs Ziel. Von 20 Scheiben verfehlte sie nur eine: "Das Schießen war schnell und sicher. Läuferisch geht es bei mir zur Zeit einfach ein bisschen zäh", sagt sie. In allen EM-Einzelrennen kam sie unter die ersten 20. In Anbetracht der Fülle an Weltklasse-Athletinnen ein konstant gutes Ergebnis.