Medaillenflut trotz Problem

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mo, 26. März 2018

Skilanglauf

Janosch Brugger gewinnt bei Skilanglauf-DM im Teamsprint Bronze / Titel für Ringwald/Böhler.

SKILANGLAUF. Acht Medaillen übertreffen die Erwartungen, bei den Titeln hätten es dagegen gern etwas mehr als zwei sein dürfen. So fällt die Bilanz von Landestrainer Dieter Notz nach der deutschen Meisterschaft der Langläufer in Reit im Winkl für die Skiverbände Baden-Württemberg (SBW) aus. Die Schwarzwälderinnen Steffi Böhler und Sandra Ringwald gewannen den Teamsprint der Frauen, der Schwabe Friedrich Moch die Langstrecke der Jugendklasse U 18.

Unter dem Strich findet Notz "ganz gut", was die Baden-Württemberger im Chiemgau gezeigt haben, zumal kurzfristig mehrere Ausfälle zu verkraften waren. Pia Fink (SV Bremelau), die im Weltcup einige gute Resultate geschafft hatte, fiel erkrankt aus und Olympiastarter Andreas Katz (SV Baiersbronn) erhielt vom Arzt Sportverbot, nachdem seine Viruserkrankung noch immer nicht ausgestanden scheint. Zu allem Überfluß bekam das SBW-Team noch ein "Riesenproblem": Mehr als zehn Sportler litten unter Brechreiz. Als mögliche Ursache wurde das frittierte Essen im Hotel ausgemacht.

Am Freitag ging es um die Titel im Skating-Teamsprint. Bei den Frauen hatte jede Läuferin abwechselnd mit ihrer Partnerin vier Einsätze auf der ein Kilometer langen Strecke. Stefanie Böhler (SC Ibach) und Sandra Ringwald (ST Schonach-Rohrhardsberg) setzten sich in der Zeit von 17:58,3 Minuten 2,8 Sekunden vor den Sächsinnen Katharina Hennig und Anne Winkler durch, das beste bayerische Duo Laura Gimmler und Hanna Kolb wurde mit 6,3 Sekunden Rückstand Dritter. "Souverän gemacht", lobte Notz die Schwarzwälderinnen.

Deutlich enger ging es bei den Männern zu. Nach zehn Kilometern – fünf Runden für jeden – lagen die ersten drei Teams nur 0,6 Sekunden auseinander. Bis zur achten Runde machten Florian Notz (SZ Römerstein) und Janosch Brugger (WSG Schluchsee) Tempo und versuchten, sich abzusetzen – vergeblich. Mit der schnellsten Schlussrunde sicherte der erfahrene Thomas Bing nach 20:58,5 Minuten Thüringen hauchdünn den Titel: 0,3 Sekunden vor Bayern 1 in der Besetzung Jonas Dobler/Sebastian Eisenlauer und 0,6 Sekunden vor Notz/Brugger, die sich mit Bronze unter 21 Staffeln "sehr gut geschlagen" hätten.

Silber war in der männlichen U 18 (acht Kilometer) für Valentin Haag (SV Kirchzarten) und Friedrich Moch (WSV Isny) "das Optimum" (Notz), auch wenn Sachsen 1 die Skispitze im Ziel nur um 0,1 Sekunden vorne hatte. Erfolgreich zu Silber sprinteten auch Anna Ohngemach (SZ Calmbach) und die Hinterzartenerin Amelie Wehrle über sechs Kilometer, 5,9 Sekunden hinter Thüringen 1. Im Mittelfeld der elf männlichen U-16-Staffeln behaupteten sich als Fünfte die SBW 2 mit Jannik Pfaff (SV St. Georgen) und Jacob Faller (SC St. Märgen) sowie auf Rang sechs die SBW 1 mit Fallers Vereinskamerad Dominik Löffler und Nils Kolb (SV Kirchzarten).

Tags darauf waren die Langläufer und -läuferinnen im Klassikrennen per Massenstart über die Langstrecken gefordert. Den zweiten Meistertitel für die SBW erkämpfte Friedrich Moch über 20 Kilometer der U 18. Nach 50:02,6 Minuten lief er 5,9 Sekunden vor dem Bayern Jakob Milz ins Ziel. Valentin Haag (54:00,4) behauptete sich als 18. in der ersten Hälfte des Feldes. Die Hochschwarzwälder Peter Hensler (SC Langenordnach/58:52,8) und Felice Pisacreta (SC St. Peter/ 59:30,8) kamen als 35. und 36. ins Ziel.

Bei den Frauen büßte Steffi Böhler ihre Führung auf den letzten Metern ein: Die Oberwiesenthalerin Katharina Hennig ging aus der Spur, war daneben etwas schneller und verwies nach 20 Kilometern und 53:40,7 Minuten die 16 Jahre ältere Hotzenwälderin um 0,6 Sekunden auf Rang zwei. Dahinter lief Sandra Ringwald (54:25,1) ungefährdet zu Bronze.

Ebenfalls Bronze sicherte sich über 15 Kilometer der weiblichen U 18 Amelie Hofmann (WSV Isny/40:59,0). Als 17. kam Lara Ketterer (SC Hinterzarten/ 44:52,7) im Mittelfeld an. Karen Weiß (SV Kirchzarten) hatte bis zum Saisonende auf ihren ersten Wettkampf in diesem Winter warten müssen – eine langwierige Knieverletzung und danach eine Sehnenscheidenentzündung hatten das große Talent ausgebremst. "Fürs Feeling" sollte sie nun mindestens noch einen hochrangigen Wettkampf bestreiten, erklärte der Landestrainer. Das Ergebnis – 21. in 46:29,7 Minuten – war dabei zweitrangig. Amelie Wehrle (SC Hinterzarten/29:25,5) verpasste als Vierte der U 16 über zehn Kilometer Bronze nur um 3,5 Sekunden. Sie sei erfahrungsgemäß am Tag nach einem Sprint "noch nicht wirklich erholt", weiß Notz. Bei den gleichaltrigen Jungs landeten über 15 Kilometer Nils Kolb (17.), Jannik Pfaff (18.), Dominik Löffler (21.) und Jacob Faller (22.) in der zweiten Hälfte des Feldes.

Bei den Männern mischten Florian Notz und Brugger über 30 Kilometer lange vorne mit. Notz investierte viel, resignierte aber gegen Ende, wie sein Vater beobachtete und wurde rund einen Kilometer vor dem Ziel noch von Brugger überholt. 15,4 Sekunden hinter dem Deutschen Meister Thomas Bing (1:14:17,4 Stunden) wurde Brugger Fünfter, Notz kam 11,1 Sekunden hinter dem Lenzkircher auf Rang sieben der 34 Männer.

Janosch Brugger zeigte sich "total zufrieden" über die "richtig perfekte DM bei Kaiserwetter". Auch wenn die beiden Bayern sowie Florian Notz und er den Teamsprint bestimmt hätten, gehe Rang drei in Ordnung, denn "Thomas hat in der letzten Abfahrt vor dem Ziel alles richtig gemacht und Sebi und mich noch abgefangen". Den "30er" erlebte der 20-Jährige als "richtig cooles Rennen", das ihm viel Spaß machte. "Ich war die ganze Zeit vorne dabei und hatte so auch bis drei Kilometer vor dem Ziel eine Topposition." Bis ein Angriff die achtköpfige Spitzengruppe auseinanderriss.