Ultra-Weltmeisterschaft

WM-Bronze im Emirat Katar

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Do, 17. November 2016

Leichtathletik (regional)

Benedikt Hoffmann, Lehrer in Neustadt, wird bei der Ultra-Weltmeisterschaft über 50 Kilometer in Doha Dritter mit dem DLV-Team.

LEICHTATHLETIK. Wenn’s drauf ankommt, läuft Benedikt Hoffmann zu Hochform auf. Der diesjährige Sieger des Freiburg-Marathons – mit Streckenrekord – und des Schluchseelaufs gewann wie schon im Berglauf über die Langdistanz im Juni zum zweiten Mal in diesem Jahr WM-Bronze mit der deutschen Mannschaft: Bei der Weltmeisterschaft über 50 Kilometer in Doha im Emirat Katar waren nur die Teams aus den USA und Großbritannien schneller als das Männer-Trio des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV). Der BZ schilderte der 31-jährige Lehrer der Hans-Thoma-Schule in Titisee-Neustadt, wie er den Ultralauf am Persischen Golf erlebt hat.

"Bereits im Voraus dämpfte ich meine hohen Erwartungen einer Top-Zeit aufgrund der 26 Grad beim Rennen. Mit meiner zuletzt erzielten Marathonzeit von 2:21:40 Stunden in Frankfurt vor knapp zwei Wochen müsste eine Zeit zwischen 2:50 und 2:55 Stunden möglich sein, aber nur bei entsprechenden äußeren Bedingungen.
Auf einem 2,5 Kilometer langen Rundkurs liefen wir 20 Runden. Ich pendelte mich auf etwa neun Minuten pro Runde ein, das entspricht 3:36 Minuten pro Kilometer. Schnell ist das nicht für meine Verhältnisse, aber ich erahnte, was die Hitze im Rennen noch bedeuten kann. Der hohe Flüssigkeitsverlust und die damit einhergehende Mineralienausschüttung wirkt natürlich sehr leistungslimitierend. Um dies etwas zu reduzieren, schüttete ich mir jede Runde kaltes Wasser über den Kopf.

Um den schwierigen Bedingungen gerecht zu werden, lief ich relativ langsame, aber gleichmäßige Rundenzeiten von rund neun Minuten bis Kilometer 25 (1:30:15). Ich erhoffte mir eigentlich, danach das Tempo zu verschärfen, doch die Hitze war doch eine große Strapaze für mich. Ab der Hälfte wurde ich etwas langsamer mit einem Tiefpunkt zwischen Kilometer 42,5 und 47,5 mit Rundenzeiten von 9:22 und 9:30 Minuten, bevor ich auf meiner letzten Runde (9:12) noch einen genialen achten Platz sichern konnte. Ich hatte leider nicht kontinuierlich Mitläufer, was das Rennen erschwerte. Mit Andrew Davies und Ross Houston waren britische Marathonläufer mit Bestzeiten von 2:16 beziehungsweise 2:18 Stunden vor mir. Ross kam eine Minute vor mir ins Ziel. Mit meiner Zeit von 3:02:38 Stunden kann ich bei guten Bedingungen natürlich nicht zufrieden sein, aber unter den gegebenen Möglichkeiten war es ein sehr gutes Ergebnis. Weltmeister wurde Tony Migliozzi (USA) in 2:54:02 Stunden.

Ich hatte leider keinen Überblick während des Rennens, wo meine Teammitglieder liegen. Auch wenn Niels Bubel (17. in 3:25:00) und Marco Bscheidl (14. in 3:18:30) weit hinter ihren persönlichen Bestzeiten liefen, sie haben sich wacker durchgekämpft. Damit haben wir verdient die Bronzemedaille hinter den Amerikanern und den Briten und vor den Japanern gewonnen. Sehr gefreut habe ich mich zudem über die Silbermedaille im Einzel von Nele Alder-Baerens, der einzigen deutschen Frau am Start. Wir waren alle sehr erleichtert nach dem Lauf und haben auch etwas gefeiert, soweit die Kräfte es noch zuließen. Für die Organisation darf ich den Kataris ein großes Lob aussprechen. Sie haben weder Mühen noch Kosten gescheut, um diese Weltmeisterschaft in einer glamourösen Art und Weise zu ermöglichen, wie ich sie noch nie erlebt habe. Doch die Zweiklassengesellschaft von Einheimischen und Fremdarbeitern ging auch an uns nicht vorbei."

Für den läuferisch sehr vielseitigen Wahl-Freiburger, 2016 schon Dritter der deutschen Berglaufmeisterschaft und Fünfter der Marathon-DM, hat sein Erfolg bei der Ultra-WM auf der arabischen Halbinsel einen ähnlich hohen Stellenwert wie der fünfte Platz bei der Berglauf-WM auf der Langdistanz, inklusive Team-Bronze, in Slowenien.

Das DLV-Quartett hielt sich von Mittwoch bis Sonntag in Katar auf. Seine Unterrichtsstunden konnte Benedikt Hoffmann verlegen. "Meine Schule zeigt sich dabei immer sehr kooperativ", sagt er dankbar. Dafür ist der junge Pädagoge für seine Schüler und Schülerinnen in Neustadt ein Vorbild in Sachen Leistungswille, Ehrgeiz, Disziplin, Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen.