Chengdu

Breitnauer Biker landen bei Weltmeisterschaften in China auf Plätzen sieben und 14

Erhard Goller und Armin Küstenbrück

Von Erhard Goller & Armin Küstenbrück

Mo, 13. November 2017

Mountainbike

Heiko Hog rast in China bei der Weltmeisterschaft im Eliminatorsprint auf Rang sieben / Ein Hund bremst den Breitnauer Simon Gutmann, der auf Rang 14 kurbelt.

MOUNTAINBIKE. Erlebnis und Ergebnis haben gepasst: Die beiden Breitnauer Heiko Hog und Simon Gutmann beendeten die Weltmeisterschaften im Mountainbike-Sprint im chinesischen Chengdu auf den Plätzen sieben und 14. Die Eindrücke, die sie in China sammeln konnten, dürften unvergesslich bleiben. Schon dafür hat sich der Trip gelohnt. Das war für Heiko Hog und Simon Gutmann ja durchaus ein Faktor, der sie motiviert hatte, bei der Premiere der Urban Cycling World Championships dabei zu sein.

Natürlich stand der Sport im Mittelpunkt. Für die beiden Hochschwarzwälder war alles auf die WM im Eliminator-Sprint ausgerichtet, doch in dieser Disziplin entscheidet oft ein Sekundenbruchteil über Triumph und Tristesse. Das schließt solche Kuriositäten wie einen Hund auf der Strecke noch gar nicht mit ein. Ein solcher chinesischer Vierbeiner stand auf der Strecke, als sich der 21-jährige Simon Gutmann für das Viertelfinale qualifizieren wollte. Den Hund zu umkurven, kostete Zeit und so stand für den Schwarzwälder nur die 17. Zeit auf dem Tableau. Damit wäre er bereits ausgeschieden gewesen. Doch dem prompten Protest wurde stattgegeben und Gutmann durfte noch mal ran. Diesmal reichte es zu Rang 16 und damit hatte der sympathische Breitnauer sein selbst gestecktes Ziel bereits erreicht: das WM-Viertelfinale.

"Mein Ziel war das

Halbfinale, das

habe ich erreicht."

Heiko Hog, WM-Siebter
Dafür hatte sich auch Teamkollege Heiko Hog qualifiziert. Für ihn wurde die zwölftbeste Zeit gemessen, während der Franzose Hugo Briatta mit 2:06,9 Minuten die Bestmarke setzte. Der Kurs am Rande der chinesischen Elf-Millionen-Metropole war mit einigen technischen Passagen sowie kurzen steilen Rampen gespickt und für einen Sprintkurs ungewöhnlich lang. Das bedeutete: haushalten mit den Kräften. Doch darauf legte Heiko Hog im Viertelfinale keinen Wert. Der Vize-Europameister von 2015 erwischte den besten Start und dominierte den Lauf. "Ich bin im Viertelfinale von vorne Vollgas gefahren, weil ich unbedingt ins Halbfinale wollte", so Hog. "Zum Glück war ich gleich an erster Position und konnte durchziehen." Damit hatte er sein Ziel bereits erreicht, allerdings auch die Chance auf mehr bei dieser Sprint-Weltmeisterschaft geopfert.

Im Halbfinale fehlte Heiko Hog die Kraft, um gegen den Spanier Alberto Mingorance und den Franzosen Lorenzo Serres mithalten zu können. Der Breitnauer konnte auch das Defektpech von Hugo Briatta nicht nutzen und musste mit dem kleinen Finale vorlieb nehmen. Gehandicapt durch eine Knieverletzung im Vorfeld der Titelkämpfe, fehlte ihm die eine oder andere Trainingseinheit. Im kleinen Finale verschenkte Heiko Hog den möglichen sechsten Platz, weil er auf der Zielgeraden nicht mehr mit dem Schweden Johan Widen rechnete. Der schob das Vorderrad gerade noch so an Hog vorbei, der damit WM-Siebter wurde. Der österreichische Titelverteidiger Daniel Federspiel war nach einem Fehlstart im kleinen Finale disqualifiziert worden und Briatta gewann das kleine Finale.

"Schade, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden, nachdem in der Vorbereitung mit meiner Knieverletzung nicht alles optimal gelaufen ist", so Hog. "Mein Ziel war das Halbfinale, das habe ich erreicht", ordnete der Hochschwarzwälder seinen siebten WM-Rang ein. Es war nach EM-Silber sein international bestes Ergebnis. Damit war er zweitbester Deutscher hinter Silbermedaillengewinner Simon Gegenheimer. Der Weltcup-Gesamtsieger aus Aalen hatte im Finale keine Chance gegen Europameister Titouan Perrin Ganier aus Frankreich, verbuchte aber vor dessen Landsmann Lorenzo Serres sein drittes WM-Edelmetall. "Titouan war heute stärker, ich habe alles probiert, aber ich hatte keine Chance", so Gegenheimer: "Mit der dritten WM-Medaille kann ich aber zufrieden sein."

Für Simon Gutmann war im Viertelfinale Endstation. Der Hund hat halt doch eine entscheidende Rolle gespielt. Mit einer besseren Platzierung in der Qualifikation wäre Gutmann nämlich nicht auf den späteren Weltmeister und den Bronzemedaillen-Gewinner getroffen wäre.

"Die zweite Quali hat

mich aus dem

Rhythmus gebracht."

Simon Gutmann
"Die zweite Quali hat mich schon aus dem Rhythmus gebracht, aber die beiden Franzosen waren einfach zu stark", bekannte Gutmann und ärgerte sich ein wenig, dass "ich den Belgier nicht packen konnte". Das war mit Kenny Belaey einer, den man als Trial-Weltmeister kennt und der am Tag zuvor auch schon WM-Bronze in dieser Disziplin gewonnen hatte.

So wurde Simon Gutmann als 14. der Sprint-Weltmeisterschaft notiert. "Ich bin zufrieden, dass ich hier das Viertelfinale erreicht habe", bekannte der Hochschwarzwälder, bevor er zusammen mit seinem Teamkollegen Heiko Hog vom Breitnauer Freiburg-Pilsner-Merida-Rennstall seine Sachen packte und der WM-Trip ins Reich der Mitte zu Ende ging.

"Es war eine gute Atmosphäre und die Weltmeisterschaft war super organisiert", so Simon Gutmann. Vom streunenden Hund einmal abgesehen.