Das Comeback einer Kämpferin

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Fr, 18. Mai 2018

Mountainbike

Adelheid Morath kehrt nach langer Verletzungspause beim MTB-Weltcup in Albstadt in den Wettkampfzirkus zurück.

MOUNTAINBIKE. Die St. Märgener Profi-Mountainbikerin Adelheid Morath gibt nach langer Verletzungspause am Freitag beim Weltcup in Albstadt im neuen Shorttrack-Race ihr Comeback. Am Samstag geht Max Brandl vom Kirchzartener Lexware-Team im U23-Rennen als Mitfavorit an den Start.

Bis zum vergangenen Wochenende hat Adelheid Morath gewartet, bis sie die Ampel auf Grün geschaltet hat. Vor zehn Wochen hatte sie sich bei einem Trainingssturz in Südafrika das Kahnbein der linken Hand gebrochen. Wer solch eine Verletzung erlebt hat, weiß: das dauert lange. Normalerweise braucht das lädierte Handgelenk zwölf Wochen Ruhe, es sei denn, man operiert. Adelheid Morath legte sich unters Messer und so konnte sie schon relativ früh zumindest auf der Straße wieder trainieren. Vor zwölf Tagen startete sie nach dem "Okay" der Ärzte zum ersten Mal mit dem Mountainbike zu einer Ausfahrt ins Gelände. "Wenn ich nicht sicher wäre, das alles passt, würde ich nicht an den Start gehen", betont Adelheid Morath.

"Das wird ein Ding, bei

dem ich reinhalten muss."

Morath über den Short Track
Die 33-Jährige hat reichlich Erfahrungen mit Comebacks. Dass sie es immer wieder geschafft hat und ihre Leistungskurve dabei immer wieder steil nach oben zeigte, verdient großen Respekt. Einfacher wird es deshalb aber nicht, denn das kostet viel mentale Energie. Vom Trauma, das jede Verletzung bedeutet, mal ganz abgesehen.

Jetzt hat es Adelheid Morath also geschafft, für den Weltcup in Albstadt bereit zu sein. Ein Rennen, das sie vor dem Saisonstart als "Highlight" rot im Kalender angestrichen hatte. Jetzt ist der Weltcup auf der Alb für sie das erste Cross-Country-Rennen in dieser Saison, nachdem sie beim Etappenrennen auf Zypern Ende Februar wegen einer Erkrankung aufgeben musste. "Als erstes Rennen ist der Weltcup eine ganz schöne Herausforderung. Es ist für den Kopf nicht leicht, Albstadt nicht mehr als Höhepunkt zu sehen", bekennt Morath, "aber ich will nicht viel drüber nachdenken, sondern einfach das Beste daraus machen".

Das muss sie in Albstadt gleich zweimal. Das erste Mal schon am Freitagabend um 17.30 Uhr. Dann wird das sogenannte Short-Track-Race gestartet. Der Wettbewerb ist neu im Weltcup-Programm. Bei dem 25-minütigen Rennen auf einem 1,2 Kilometer langen, fast flachen Kurs dürfen nur die besten 40 aus dem Weltcup-Tross mitmachen. Es gibt Weltcup-Punkte, die Hälfte von dem, was es für das Cross-Country-Rennen gibt. Und die ersten 16 des Short-Tracks bilden am Sonntag die ersten beiden Startreihen im Cross-Country-Rennen (Start 11.20 Uhr) beim Weltcup in Albstadt. "Das wird so ein Ding sein, bei dem ich reinhalten muss", sagt Adelheid Morath mit etwas Skepsis in der Stimme. Reinhalten, sich also im Kampf um die Positionen behaupten, das erfordert Mut und Risikobereitschaft. Nicht ideal für eine Fahrerin, die gerade eine Sturzverletzung hinter sich hat. Aber Adelheid Morath hat nichts zu verlieren. Also heißt es für sie heute nicht viel nachdenken und alles probieren.

Optimistisch startet Max Brandl am Samstag, 14 Uhr, in das U23-Rennen. Der Fahrer des Kirchzartener Lexware-Teams, der in Freiburg studiert, hat nach seinem Bundesligasieg in Gedern auch allen Grund dazu. "Ich fühle mich topfit und werde mein Bestes geben", sagt Brandl, der in Startreihe eins ins Rennen gehen darf. "Wenn ich alles abrufe, was ich aktuell kann, dann steht einem guten Ergebnis nichts im Weg." Ob das ausreicht für seinen ersten Weltcup-Sieg, das hängt natürlich auch von der Verfassung seiner Konkurrenten ab, allen voran Petter Fagerhaug aus Norwegen, der im März das erste Weltcup-Rennen im südafrikanischen Stellenbosch gewann.

Für Brandls Teamkollege Luca Schwarzbauer steht eine weitere Nagelprobe an. Ein Top-Ten-Resultat wäre von Startposition 35 aus ein Erfolg. LexwareFahrer David List steht mit Startnummer 30 noch etwas weiter vorne. Der Friedrichshafener hat sich auf die Weltcups in Albstadt und Nove Mesto fokussiert, sein Ziel ist ein Platz in den Punkten (Top 25). Für Jannick Zurnieden ist eine Platzierung unter den besten 25 weit weg, da er sich von Startplatz 69 nach vorne kämpfen muss und für Luca Girke vom Freiburger Pilsner-Merida-Team, der die Startnummer 137 trägt, sowieso. Für Girke und seinen Teamkollegen Heiko Hog aus Breitnau geht es ums Dabeisein. Hog hat beim Eliterennen im stimmungsvollen "Hexenkessel" des Albstädter Bullentäle mit Startnummer 134 nichts zu verlieren.

Nicht mit dabei in Albstadt ist Simon Stiebjahn. Der Langenordnacher konzentriert sich nach kurzem Intermezzo im Cross-Country-Bereich auf Marathon-Rennen und will erst wieder im September die letzten beiden Bundesliga-Rennen in der olympischen Disziplin bestreiten. Stiebjahn startet am Pfingstwochenende beim Bike-Marathon in Willingen, den er im vergangenen Jahr gewonnen hat.