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13. Juni 2012

Des Mountainbikers Moritz Milatz’ großer Coup

Der 30-jährige Freiburger sichert sich mit großem Kampfgeist in Moskau nach 22,51 Kilometern im Sprint den Europameistertitel / Adelheid Morath 13. bei den Frauen.

  1. Europameister Moritz Milatz: Links im Rennen gezeichnet, rechts inklusive Medaille blitzblank. Foto: Küstenbrück

  2. Foto: Küstenbrück

MOUNTAINBIKE. Moritz Milatz ließ sich nach 22,51 Kilometern vom Bike auf den Boden fallen, streckte Arme und Beine von sich und ballte die Fäuste. Europameister! Er war der erste männliche deutsche Mountainbiker, der einen internationalen Titel für sich verbuchen konnte. "Ich kann es noch gar nicht glauben, das dauert, bis ich das realisiere", sagte er, nachdem er sich vom Boden erhoben hatte und jeden umarmt, den er kannte.

In einem schwierigen Rennen auf schmierigem Untergrund und mit vielen Laufpassagen hatte Milatz – wie bereits berichtet – im EM-Rennen von Moskau im Sprint den Spanier Mantecon Gutierrez und den Schweizer Ralph Näf besiegt."Vor dem Rennen habe ich gespürt, dass meine Beine gut sind. Und als es geregnet hat, da wusste ich, dass etwas gehen kann. Mit dem Titel habe ich aber natürlich nicht gerechnet."

Der Verlauf bot eine gewisse Dramatik. Es war überraschend Gutierrez, der in der ersten Runde die Initiative ergriff. Der Spanier hatte schnell einen Vorsprung von 20 Sekunden, doch Ende der ersten 4,2 Kilometer langen Schleife nahm Milatz die Verfolgung auf und setzte sich dabei von Weltmeister Jaroslav Kulhavy und von Olympiasieger Julien Absalon ab.

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Mitte der zweiten von sechs Runden holte Milatz den Spanier ein und es dauerte nicht lange, da lag er alleine in Front. 20 Sekunden wurden gemessen. Doch dann begann ein Jojo-Spiel und Schuld war die Sonne. Die hatte sich aus der Wolkendecke getraut, nachdem es bis Anfang der ersten Runde fürchterlich geschüttet hatte. Das veränderte die Bodenbedingungen zu Ungunsten von Milatz. "Ich bin dann dreimal gestürzt und danach vorsichtiger gefahren", erklärte der Freiburger. So verlor er seinen Vorsprung. In den nächsten Runden machte der ehemalige Mittelstreckenläufer im Anstieg und nicht zuletzt, wenn gelaufen und geschoben wurde, immer Zeit gut, um sie im bergab wieder zu verlieren.

Der Rest des Feldes schien zu diesem Zeitpunkt schon geschlagen. Näf hatte sich an Kulhavy und Absalon vorbei geschoben und lag als Dritter 1:20 Minuten zurück. Es war in der vorletzten Runde, als sich die Gewichte zunehmend zugunsten von Gutierrez verschoben. Milatz brachte aus den Anstiegen immer weniger Vorsprung mit und in der fünften Runde kam der Iberer nach dem längsten Anstieg mit zehn Sekunden Vorsprung oben an. Milatz’ Chancen auf Gold schienen zu schwinden, doch der 30-Jährige verlor den Glauben an sich nicht. Eingangs der letzten Runde hatte Milatz 15 Sekunden Rückstand, dann meldete der Streckenfunk 25 Sekunden. Gleichzeitig hatte Näf seinen Rückstand auf Milatz bereits auf weniger als 20 Sekunden reduziert.

So wurde die letzte Runde noch einmal richtig dramatisch. Nach dem langen Anstieg blieben Gutierrez plötzlich nur noch 15 Sekunden Vorsprung auf Milatz, dem der Kampfgeist im Gesicht geschrieben stand. Näf lag weitere 18 Sekunden dahinter. Als der nächste Berg bezwungen war, da war Milatz nur noch fünf Sekunden zurück, Näf 20. Und am letzten Anstieg war der Deutsche plötzlich wieder vorne. Doch Gutierrez sprang auf sein Bike, während Milatz schob. So schaffte es der Spanier, sich gerade noch am Deutschen Meister vorbei zu mogeln und als Erster in die letzte Abfahrt zu gehen. "Ich dachte: Na, dann schlage ich Dich halt im Sprint", erzählte Milatz später. Was er nicht wusste: Gutierrez’ Vorderreifen hatte Luft verloren. "Ich musste vorsichtiger fahren, aber so ist der Sport", so der Spanier.

Er blieb vorne bis zur Zielgeraden, hatte dort aber letztlich keine Chance, als Milatz aus dem Windschatten heraus vorbei sprintete. "Es ist unfassbar." Milatz schüttelte den Kopf. Die Szene ähnelte der, als er 2006 zum ersten Mal deutscher Meister geworden war. Er staunte über sich selbst und wusste gar nicht wohin mit seiner Freude.

"Das nächste Mal

läuft es

wieder anders."

Adelheid Morath
Die Freiburgerin Adelheid Morath, die 13. im Rennen der Frauen wurde, hatte einen prächtigen Start. "Ich habe gleich gemerkt, dass ich super Beine habe", meinte sie hinterher. Sie ging an sechster Stelle, direkt hinter Olympiasiegerin Sabine Spitz, in den ersten Singletrail.

Doch nachdem sie zum ersten Mal vom Bike musste, stellten sich die gleichen Probleme ein, wie schon in La Bresse. Sie fiel auf Rang 15 zurück. "Dadurch musste ich viel laufen. Das war schade, aber ich nehme mit, dass ich eine gute Form habe. Das nächste Mal läuft es wieder anders", meinte Morath. Morath hatte auch noch Probleme mit einer blockierten Gabel, insofern war Rang 13 (bei 7:39 Minuten Rückstand ) durchaus respektabel.

Autor: Erhard Goller