Mountainbike

Sabine Spitz und Helen Grobert: Das doppelte Mysterium

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Fr, 08. Juni 2018

Mountainbike

Die letzten beiden Weltcup-Rennen verliefen für Sabine Spitz enttäuschend. Für die erfahrene Mountainbikerin aus Niederhof hat sich die Ursachensuche allerdings nicht gerade als einfach erwiesen, bevor sie kommende Woche ihren 20. deutschen Meistertitel anstrebt. Bei Helen Grobert herrscht derweil bereits seit mehreren Wochen Funkstille.

Sabine Spitz auf Position 69, ohne Defekt, ohne Sturz oder vergleichbarem Zwischenfall. In 22 Jahren Weltcup-Rennen hat man das bei der Olympiasiegerin aus Murg-Niederhof so eigentlich noch nie erlebt. Auch in schlechter Verfassung hat man Spitz noch nie am Ende eines Weltcup-Feldes vorgefunden. Und weil sie im tschechischen Nove Mesto zwei Tage zuvor noch gute Zehnte im Short-Track-Weltcup war, der ihr eigentlich nicht besonders liegt, konnte die grundsätzliche Form auch nicht die Ursache sein.

Direkt nach dem Rennen in Nove Mesto konnte sich Spitz auch nicht wirklich erklären, warum sie "keinen Druck aufs Pedal" bekommen, "keinen Rhythmus" gefunden hatte. Sie sprach dann aber weniger von körperlichen denn vom "mentalen Bereich", in dem die Ursache zu suchen sei.

Im Nachhinein findet Spitz in einer Kombination beider Faktoren eine Erklärung. "Seit ich aus Südafrika zurück bin, hatte ich viele Rennen und zusätzlich diverse Verpflichtungen. Außerdem war das Wetter nicht immer so, dass man trainieren konnte, was man wollte. In der Summe sind da die Kraft-Ausdauer-Einheiten zu kurz bekommen. Ich als Sabine Spitz brauche die einfach, die sind meine Bank", erläutert sie ihre Erkenntnisse.

Das wiederum hat im Rennen dazu geführt, dass ihr die eigentlich vorhandene Motivation sukzessive abhanden kam, weil sie ihre Qualitäten nicht abrufen konnte. "Der Biss, um die Positionen zu catchen, hat mir dann gefehlt", bekennt sie. Weil eben die Kraft nicht so da war. Und ohne diesen Biss ist in einem Cross-Country-Rennen nichts auszurichten.

Trotz dieser, für sie, halbwegs neuen Erfahrung, zeigt sie sich "zuversichtlich" für die kommenden Aufgaben. Und die nächste ist die deutsche Marathon-Meisterschaft am 17. Juni in Kirchzarten. 80 Kilometer und vor allem eine Konkurrentin, die sich in hervorragender Form befindet.

Hespeler: "Private Dinge, die Helen selber lösen muss"

Elisabeth Brandau aus Schönaich hat in diesem Frühjahr nach zweiter Babypause unter anderem mit Rang fünf beim Weltcup in Albstadt aufhorchen lassen. "Lisa ist aktuell super stark und sicher meine größte Konkurrentin", weiß Spitz. Die Langstrecke ist allerdings wieder ein anderes Terrain und eines, auf dem sich die Niederhoferin im Prinzip schon die ganze Saison bewegt. Nicht zuletzt beim Cape Epic in Südafrika. "Das ist, was ich in letzter Zeit trainiert habe. Ich bin viel im Schwarzwald gefahren und werde mir die Strecke auch noch mal anschauen", sagt Spitz. Das oberste Podest ist das Ziel, das ist klar. Ihr fünfter Marathon-Titel wäre zugleich auch das 20. deutsche Meister-Jersey insgesamt.

Während Sabine Spitz also Kurs in Richtung zweite Saisonhälfte nimmt, bleibt Helen Grobert von der Bildfläche verschwunden. Und gibt weiter Rätsel auf. Seit ihrem hervorragenden vierten Platz beim Weltcup im südafrikanischen Stellenbosch (10. März) ist die 26-Jährige aus Remetschwiel kein Rennen mehr gefahren. Ende März war sie für ein Rennen in Marseille gemeldet und wohl auch schon vor Ort. Doch sie reiste damals unverrichteter Dinge wieder aus Frankreich ab. Ende April, als man sich schon fragte, wann sie ihren nächsten Renneinsatz bestreitet, antwortete Grobert auf Anfrage der BZ via Whatsapp, dass sie "momentan krank geschrieben" sei. Ohne nähere Erklärung. Hinter einer Krankschreibung kann natürlich eine ganze Bandbreite an Diagnosen stecken.

Auch bei ihrem Team Cannondale Factory Racing will oder darf man nur Unverbindliches sagen. Beim Weltcup in Albstadt hieß die Formulierung "private Gründe" und auch aktuell benutzt Team-Manager Daniel Hespeler auf Nachfrage der BZ den gleichen Terminus. "Private Dinge, die Helen selber lösen muss", seien das. Und: In naher Zukunft werde sie keine Wettkämpfe bestreiten oder Team-Aktivitäten mitmachen. Man würde ihr "die Zeit geben, die sie braucht". Von Bundestrainer Peter Schaupp erntet man ebenfalls Kopfschütteln. Er könne nichts dazu sagen, wiederholt Schaupp, was er schon vor Wochen sagen musste. Für ihn als Nationaltrainer dürfte das auch keine einfache Situation sein.

So bleibt ein Rätsel, warum eine Sportlerin, nicht lange nach dem besten Resultat ihrer Karriere, keine Rennen mehr fährt. Die Spekulationen in der Mountainbike-Szene schießen natürlich ins Kraut. Aber handfeste Indizien? Fehlanzeige.

Bemerkenswert auch, dass es aus dem Hause Grobert in Weilheim-Remetschwiel keine noch so dürre, offizielle Stellungnahme gibt. So bleibt das Verschwinden von Helen Grobert von der Wettkampf-Bildfläche vorerst ein Mysterium – was die Gründe ebenso wie die Dauer betrifft.