Wie das Dessert vor der Suppe

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Fr, 20. April 2018

Mountainbike

Simon Stiebjahn startet bei der Marathon-EM: "Da war keine Zeit für einen gezielten Formaufbau".

MOUNTAINBIKE. Am Sonntag wird im italienischen Spilimbergo die Marathon-Europameisterschaft ausgetragen. Der frühe Termin macht die EM nicht nur für Simon Stiebjahn zu einer Reise ins Ungewisse. "Die EM zählt dieses Jahr für mich nicht zu den Höhepunkten", gibt der Langenordnacher Mountainbike-Profi unumwunden zu. Vier Wochen nach dem Ende des MTB-Etappenrennens Cape Epic in Südafrika kommt die kontinentale Meisterschaft wie das Dessert vor der Suppe daher. "Da war keine Zeit für einen gezielten Formaufbau", sagt Stiebjahn. Nach den acht Tagen beim Cape Epic braucht es bestimmt zwei Wochen, um die Belastungen vollends zu kompensieren, bevor der Körper wieder bereit ist für neue Trainingsreize. Beim Marathon im französischen Laissac am 8. April fühlte sich Stiebjahn zwar schon wieder erstaunlich gut und hielt das halbe Rennen lang in der Verfolgergruppe mit – bis er eine falsche Abzweigung nahm. Doch im Training danach musste er dennoch "vorsichtig dosieren", wie er sagt.

Ein dauerndes Auf und Ab in den Dolomiten

Die 104 Kilometer und 3250 Höhenmeter in Spilimbergo, das am südlichen Rand der Dolomiten, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Udine liegt, kämen dem Hochschwarzwälder eigentlich entgegen. Die ersten 40 Kilometer verlaufen Cross-Country-ähnlich mit etlichen Singletrail-Passagen auf einem Profil mit kurzen Zacken, bevor dann ein 250-Höhenmeter-Anstieg folgt. Bei Kilometer 53 beginnt der längste Anstieg, der über eine Distanz von 15 Kilometern mit 1000 Höhenmeter führt. Dann geht es elf Kilometer rasant bergab, bevor noch einmal 300 Höhenmeter warten. "Prinzipiell ist das gut für mich, aber es ist wirklich schwer zu sagen, was drin ist. Vor allem, weil auch etliche Top-Fahrer dabei sind, die das Cape Epic nicht gefahren sind", so Stiebjahn. Vor allem Titelverteidiger und Vizeweltmeister Tiago Ferreira aus Portugal ist zu beachten, der in Laissac schon souverän gewinnen konnte.

Stiebjahn wird also erst am Sonntagmittag wissen, ob er eher eine fade Suppe auslöffeln musste oder ob die EM für ihn dann doch zum süßen Dessert wurde.