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18. November 2011

Nur Theater auf der Bühne

Nach Anlaufschwierigkeiten finden die Saiger Fußballer mit jedem Spiel mehr zu sich selbst.

  1. Bühne frei: Saigs Trainer Andreas Binder spielt Theater und rückt, wenn Not am Mann ist, auch noch zum Einsatz auf dem Platz aus. Foto: seeger

FUSSBALL-KREISLIGA A II. Andreas Binder, der für die BZ den kommenden Kreisliga-A-Spieltag kommentiert, ist ein Freund der Bühne. Seit nunmehr sechs Jahren gibt der Fußballtrainer des SV Saig in der Winterpause auf den Brettern, die ihm fast so viel bedeuten wie die Fußballwelt, in immer wieder wechselnden Lustspielen der Laienspielgruppe des SV Hölzlebruck, den jugendlichen Liebhaber. Dass er schon Anfang 40 ist, sieht man dem vor Leidenschaft Sprühenden nicht an. Spaß machen ihm solche Possen, doch auf dem Platz, dort wo die Wahrheit liegt, will Andreas Binder "am liebsten nie Theater".

Ein Wunsch, der sich nicht immer erfüllen lässt. Weil Fußballer nun mal launisch sein können wie Film-Diven und gegnerische Kicker manchmal fies wie Leinwand-Schurken aufzutreten belieben. Als Trainer fühlt sich Binder deshalb manchmal wie ein Regisseur. Doch sowohl auf der Bühne, als auch auf dem Fußballfeld lassen sich verpatzte Szenen nicht mehr gut machen. Dann gibt es hier wie dort schon mal Buh-Rufe, oder höhnisches Gelächter.

Etliche Patzer gab es bei den Saigern nach einem Jahr in der Bezirksliga und dem direkten Sturz zurück in die Kreisliga A in der Vorrunde. "Wir haben uns durchgemogelt", erinnert sich Binder. Doch jetzt habe sich die Mannschaft gefunden und wachse mit jedem Spiel. Die jüngsten drei Partien gewannen die Saiger – der 7:0-Erfolg gegen die überforderten Bernauer war an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Die Mannschaft ist mittlerweile eingespielt, den anhaltenden Personalproblemen zum Trotz. Torjäger Viktor Schuchart wird schon seit mehreren Wochen von Leistenbeschwerden geplagt. Der pfeilschnelle Alexander "Ali" Winter wird durch eine Knieverletzung gebremst und kann derzeit keine 90 Minuten durchspielen, ist aber, wenn er als "Joker" kommt, immer für einen Treffer gut. Sorgen gibt es auch in der Hintermannschaft. In der Winterpause wird sich Torhüter Marc Levering, der zum 1. Juli vom Landesligisten FC Neustadt zu den Saigern gewechselt war, dem SV Hinterzarten anschließen.

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Die Leistungskurve zeigt bei den Saigern dennoch nach oben. Vierter sind sie 180 Minuten vor Beginn der Winterpause – der Gipfel rückt näher. Am Totensonntag vor einem Jahr waren die Saiger abgeschlagenen Tabellenletzter der Bezirksliga, vor 24 Monaten hatten sie souverän die Tabelle in der Kreisliga A angeführt. Fünf Zähler hinter Spitzenreiter Bräunlingen sieht Binder seine Mannschaft "auf Schlagdistanz. Da kann noch was gehen im Frühjahr". Schließlich sieht der Trainer in seiner Mannschaft Steigerungspotenzial. Noch klappt das Umschalten von Angriff auf Abwehr und umgekehrt nicht so, wie er sich das vorstellt. "Da sind wir mit dem Kopf nicht schnell genug." Zu viel Tempo kann aber auch hinderlich sein. Einige Spieler seien bisweilen im Vorwärtsdrang noch zu euphorisch. "Manchmal ist es besser, vier, fünf Sekunden lang nachzudenken", so Binder, für den sich bald die Prioritäten vom Platz auf die Bühne verschieben werden.

Text lernen ("kein Problem") muss er. Und umwerfend sein. Wer sehen will, ob und von wem der Trainer ("ich bin der schöne Jüngling, der sich verliebt") geküsst wird, ist bei der Premiere in der ersten Januarwoche im Neustädter Thomasheim willkommen.

SV St. Märgen – FC Lenzkirch: Die St. Märgener wurden in den vergangenen Wochen entzaubert und stehen plötzlich in der Abstiegszone, wo sie keiner vermutet hätte. Im Tabellenkeller kennen sich die Lenzkircher leider schon seit anderthalb Jahren aus. Der Weg nach oben wird für beide Teams schwer, ein Unentschieden droht. Tipp: 2:2.

FC Bräunlingen – Kirchen-Hausen: "Zu Recht Titelfavorit", nennt Binder die Bräunlinger, "die sind stabil und ausgeglichen besetzt und sind derzeit das cleverste Team der Liga". Für Kirchen-Hausen gebe es nichts zu gewinnen. Tipp: 3:1.

TuS Bonndorf II – FV Möhringen: Die Bonndorfer haben im Kellerduell gegen Löffingen II die Rote Laterne abgegeben. "Ein Abschied von unten, der Auftrieb geben sollte", so Binder. Tipp: 2:1.

FC Bernau – FC Gutmadingen: Im Hinspiel gab es ein denkwürdiges Ergebnis. Die gerade erst aufgestiegenen Bernauer unterlagen in Notbesetzung mit 4:12-Toren. Ähnliche Kräfteverhältnisse vermutet Binder auch im Rückspiel. "Die Gutmadinger sind nicht zu stoppen. Die haben extrem gute Stürmer." Tipp: 1:4.

FC Pfohren – FC Löffingen II: Die Löffinger spielen meist gut mit und stehen nach 90 Minuten dennoch immer wieder mit leeren Händen da. "So etwas nagt am Selbstvertauen", weiß Binder. Die Pfohrener wissen um die Verunsicherung der FCL-Spieler. "Und sie werden sie zu nutzen wissen." Tipp: 2:0.

SV Geisingen – SV Grafenhausen: "Der FC Pasquale" sei zu Hause gegen die in der Fremde immer wieder deutlich hinter ihrem Können zurückbleibenden Grafenhausener eine Idee besser aufgestellt, vermutet der Saiger Trainer. Tipp: 3:2.

Fützen/Epfenhofen – Immendingen: Binder erwartet ein Duell auf Augenhöhe. Falls Fützens Mittelfeldmotor Gleichauf wieder einsatzfähig ist, sollte dem Aufsteiger ein knapper Heimsieg gelingen. Tipp: 2:1.

SV Hölzlebruck – SV Saig: Vorhang auf, Bühne frei, Einsatz für Herrn B. "Alles, nur kein Theater", will Binder, der als Beisitzer im HSV-Vorstand sitzt, im Auswärtsspiel bei seinem Heimatverein. "Hölzlebruck, das ist eine launische Diva", so Binder. "Mit einem Punkt wär’ ich zufrieden."

Autor: Johannes Bachmann