Mit Verve gegen das Zaudern

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Fr, 07. September 2018

Landesliga Staffel 3

Wehklagen hilft nicht: Neustadts Fußballer müssen in Notbesetzung zu sich und die Löffinger in Stockach das Tor finden.

FUSSBALL-LANDESLIGA. Fußball ist Kopfsache. Wenn das Hirn nicht mitspielt, nützen die besten Beine nichts. Wer sich selbst blockiert, weil er in Gedanken zaudert, hat schon verloren. So weit die Theorie. Die Praxis ist komplexer. Denn Fußball ist ein Teamsport, bei dem, so das Ideal, elf Freunde ein gemeinsames Ziel haben (sollen). Freunde, die es schon zu Sepp Herbergers Zeiten selten gab. Und so definiert sich eine Fußball-Mannschaft heute als Zweckbündnis auf Zeit. Dass es gar nicht so leicht ist, elf Mann auf den Platz zu bringen, zeigt sich in diesen Wochen beim FC Neustadt. Und auch beim FC Löffingen gibt es Besetzungssorgen.

FC Neustadt – FC Villingen II (Samstag, 15.30 Uhr). Der Frust ist FCN-Trainer Benjamin Gallmann noch immer anzumerken. Weil nichts vorwärts gehen will beim FC Neustadt, weil sich die Mannschaft, bedingt durch Verletzungen und Urlaube, seit dem Saisonbeginn quasi von selbst aufstellt. Weil es keine Auswahl gibt. Weil es zu wenig Leistungsdruck gibt, weil da keiner ist, der jenen, die spielen, den Stammplatz streitig machen kann.

"Mehr darf jetzt nicht

mehr passieren."

Trainer Gallmann zur Personalnot
Benjamin Gallmann, der sich sonst bedingungslos vor die Mannschaft stellt, ist alarmiert. Nur in den ersten beiden Pokalspielen gab es Grund zum Jubeln, in der Punkterunde wartet der FCN seit dem ersten Spieltag auf einen Sieg und ist nach drei Unentschieden und der herben 1:3-Niederlage in Denkingen auf einen Abstiegsplatz abgerutscht.

"Das zeigt, wie ernst die Situation ist", sagt Gallmann "und das wird wohl die ganze Saison über so bleiben". Die Personalnot hat sich verschärft, Abwehrhüne Fabian Papa hat sich im jüngsten Training einen Kahnbeinbruch an der Hand zugezogen und fällt für die komplette Vorrunde aus. "Ich muss froh sein, wenn ich am Samstag elf Feldspieler habe", so Gallmann, "mehr darf jetzt einfach nicht mehr passieren." Seine Leidensfähigkeit werde derzeit sehr auf die Probe gestellt, so der Übungsleiter, womöglich noch stärker als in der vergangenen Verbandsligasaison. Der Gedanke, jetzt alles hinzuschmeißen, kommt Gallmann nicht. "Ich habe viele Spieler nach der vergangenen Saison animiert, beim FC Neustadt weiterzumachen", da könne er jetzt nicht einfach gehen. Ganz anders ist die Gemütslage beim FC 08 Villingen. Der Oberligist hatte sich vor zwei Wochen im Pokal locker mit 4:1 in Neustadt durchgesetzt. Jetzt gastieren die "kleinen" Nullachter im Jahnstadion, die bisher alle vier Partien gewannen und 10:1-Tore erzielten. Eine Niederlage wird es aber wohl am grünen Tisch geben, weil die 08-Reserve beim 2:1-Heimsieg gegen den FC Schonach Kamran Yahyaijan einsetzte, der zuvor die ersten drei Oberliga-Begegnungen bestritt und damit als Stammspieler der ersten Mannschaft gilt. An der Qualität des Villinger Talentschuppens gebe es nichts zu zweifeln, weiß FCN-Trainer Benjamin Gallmann, der den FC08 II zum Saisonende unter den besten drei sieht. Die Frage nach der Favoritenrolle stelle sich nicht. "Wir wollen uns bestmöglich präsentieren", so der FCN-Coach, "aber die Vorzeichen sind alles andere als gut".

VfR Stockach – FC Löffingen (Samstag, 16 Uhr). Dominik Osek war am Dienstagabend schweißgebadet. Hin und her flog der Torhüter des FC Löffingen in seinem Kasten, faustete, hechtete, streckte sich – und musste doch, warm geschossen von seinen Teamkollegen, etliche Bälle ins Netz passieren lassen. Sehr zur Freude von FCL-Trainer Uli Bärmann, der bei der abendlichen Trainingseinheit exzessives Torschusstraining angeordnet hatte – schließlich hatten die Löffinger jüngst im Heimspiel gegen Verbandsliga-Absteiger FC Singen trotz optischer Überlegenheit und einem deutlichen Chancenplus eine 0:2-Niederlage hinnehmen müssen.

Mit der Chancenverwertung hatten die Löffinger auch in der vergangenen Saison unter dem damaligen Übungsleiter Tim Heine immer wieder ihre liebe Not, doch Bärmann ist überzeugt, "das wir das in den Griff bekommen". Allerdings müsse seine Mannschaft in Stockach ein bisschen cleverer agieren und nicht so sorglos wie gegen die Singener, "die genau gewusst haben, wie sie uns zerlegen können". Den Stockachern bescheinigt Bärmann, der den kommenden Gegner jüngst von einem FCL-Spion beobachten ließ, "hohe Qualität, aber die haben wir auch".

Wenn seine Mannschaft ihr Leistungsvermögen abrufe, werde das ein sehr ordentliches Match in Bodenseenähe – allen Personalsorgen zum Trotz. Marco Bürer plagen Knieprobleme, Kim Hirschbolz ist am Wochenende aus schulischen Gründen verhindert, Alexander Kornienko zog sich beim jüngsten Aushilfsgastspiel in der FCL-Reserve einen Innenbandriss zu und David Baumann zwickt die Leiste.