Viel Luft bis zur Perfektion

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 31. August 2018

Landesliga Staffel 3

Landesligist FC Löffingen will die Fehlpass-Quote minimieren und der FC Neustadt den ersten Sieg.

FUSSBALL-LANDESLIGA. Jetzt wissen wir es also: Ballbesitzfußball ist nicht mehr erfolgsträchtig und war gestern. Einen Verteidigungsgürtel in der eigenen Hälfte aufbauen, schnell kontern und ein Tor mehr schießen als der Gegner – so lautet die neue Erfolgsformel. Der FC Löffingen hat sich in den ersten drei Landesligaspielen als defensivstark erwiesen und nur zwei Gegentore zugelassen. Die Rothosen haben allerdings auch erst zwei Treffer erzielt. Und Neustadts Coach Benjamin Gallmann ist bekannt dafür, dass er viel Wert auf die kollektive Arbeit seiner Spieler gegen den Ball legt.

FC Löffingen – FC Singen (Sonntag, 15 Uhr). Ein Trainer sei nie ganz zufrieden, gesteht Uli Bärmann, denn es gebe viel Luft bis zur Perfektion. "Wenn meine Mannschaft perfekt spielen würde, wäre ich nicht ihr Trainer und sie würde höherklassig spielen." Es ist diese latente Unzufriedenheit, die einen Trainer stimuliert, motiviert und antreibt, in jedem Training an kleinen und großen Dingen zu feilen. In den Übungseinheiten des FC Löffingen versucht Bärmann derzeit, die Fehlerquote bei Ballbesitz, die zuletzt hoch war, wieder einzudämmen. Die Mannschaft spielte viele Fehlpässe, "wir tun uns damit keinen Gefallen und rennen dem Ball dann hinterher", sagt Bärmann, "phasenweise agieren wir zu kompliziert und unkonzentriert". Einfache, kurze Flachpässe taugen dazu, wieder mehr Sicherheit zu erlangen. "Hinten stehen wir gut", findet Bärmann, "das Defensivverhalten im Kollektiv funktioniert".

Der FC Singen, nächster Gegner des FC Löffingen, hat einen bescheidenen Start hingelegt und liegt nach zwei Niederlagen am Tabellenende. Dennoch attestiert der Löffinger Coach dem Verbandsliga-Absteiger "Qualität im Kader". Vorsicht sei angebracht. Eine "gewisse Idee" für das Spiel habe er schon im Kopf, sagt Bärmann, ob er sie tatsächlich umsetzt, entscheidet sich in der Phase vom letzten Training am Donnerstagabend bis zum Spieltag. "Dann wird ein Schlussstrich gezogen." Personell hat sich die Lage in Löffingen entspannt. Fast alle sind aus dem Urlaub zurück, einige haben noch Trainingsrückstand. "Wir treffen auf eine spielstarke Mannschaft und dürfen sie nicht spielen lassen", sagt der Löffinger Coach, "und wir müssen die eigenen Ballverluste so gering wie möglich halten".

SV Denkingen – FC Neustadt (Sonntag, 15 Uhr). Auch beim FC Neustadt hat sich die personelle Situation entspannt. Florian Heitzmann, Daniel Kapetanovic, Niklas Eckert, Josip Katava und Pjetar Orosaj sind aus dem Urlaub zurück und Ranil Weerakkody ist nach seiner Verletzung wieder einsatzbereit. Das Kommen und Gehen der vergangenen Wochen stellt Coach Benjamin Gallmann dennoch im Training vor einige Probleme: Denn einige Spieler haben Defizite im Grundlagen-Ausdauerbereich, andere wiederum bei der Ball- und Passsicherheit und wiederum andere beim gruppentaktischen Verhalten. Die Lösung: "Übungen, die alle drei Dinge berücksichtigen", sagt Gallmann, der auch froh ist, dass "Impulse von der Bank" jetzt wieder möglich sind.

Gegner SV Denkingen ist mit drei Siegen in vier Spielen gut in die Saison gestartet. "Es wird eine schwierige und anspruchsvolle Aufgabe, dort zu bestehen", sagt Gallmann, "wir treffen auf eine Mannschaft mit gestärktem Selbstvertrauen". Deshalb ist zu vermuten, dass der Aufsteiger voller Euphorie nach vorne rennen und angreifen wird. "Ich bin mir da nicht so sicher", sagt Gallmann. Er kennt die Denkinger Mannschaft nicht, was nicht allzu schlimm ist, "da wir unser Spiel in den Vordergrund stellen wollen".

Der neue Modeslogan im Fußball lautet nicht mehr Ballbesitz, sondern schnelles Umschaltspiel nach Balleroberung und hinten eine defensive Wand. Gallmann hat da eine ganz pragmatische Sicht der Dinge: "Modern ist, wer gewinnt." Ein Sieg würde dem FC Neustadt erstmal reichen. Es wäre der erste in dieser Saison.