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24. Februar 2014 00:00 Uhr

2:4 gegen Augsburg

Der SC Freiburg und ein Nackenschlag im Dauerregen

Enttäuschung macht sich breit: Der SC Freiburg unterliegt gegen den FC Augsburg mit 2:4 und verliert im Abstiegskampf an Boden.

  1. Der Himmel verdunkelt sich: Torschütze Jonathan Schmid nach dem 2:4 gegen Augsburg auf dem Weg in die Kabine Foto: dpa

Im Bauch des Stadions war die Stimmung gereizt. Türen schlugen, Trinkflaschen flogen und die Gesichtsfarbe einiger Protagonisten tendierte gegen Dunkelrot. Lautstark wurden in Richtung der Unparteiischen Benachteiligungen reklamiert und zu guter Letzt ließ sich Christian Streich mit einem nicht gerade dahingehauchten "unglaublich" vernehmen. Der Coach des SC Freiburg war stinksauer, und mit ihm sein ganzer Trainerstab, die Spieler sowieso. 2:4 (1:1) hatten die Breisgauer soeben gegen den FC Augsburg vor eigenem Publikum verloren. Ein übler Nackenschlag im Abstiegskampf, der die Freiburger auf den 17. Rang der Tabelle runter drückte. Nicht mehr nur Pessimisten sehen nach diesem Auftritt die junge Mannschaft in großer Gefahr. Nach 2005 droht mal wieder das Abstiegsgespenst mit einem Besuch in der Schwarzwaldstraße.

Der Schiedsrichter

wird zum Buhmann

Dabei war die Stimmung unter den 22 000 Besuchern bis zwölf Minuten vor Schluss durchaus freudig gewesen. Doch dann brach sich Unheil Bahn. Nicht nur in Form von drei schön herausgespielten Toren der giftig auftretenden Augsburger. Vorwürfe prasselten auch auf Schiedsrichter Manuel Gräfe herein, der nach Meinung der Freiburger ein deutliches Foul im Strafraum am nach vorne stürmenden Christian Günter nicht geahndet hatte. Mehr noch: Der Referee aus Berlin zeigte Günter wegen einer angeblichen Schwalbe Gelb. Die Volksseele kochte.

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Ein paar Minuten vorher war es dagegen mucksmäuschenstill geblieben. Da war Pavel Krmas im Stile eines Torhüters durch den Strafraum gehüpft – und hatte für alle deutlich sichtbar den Ball mit der Hand gespielt. Gräfe hat auch da nicht gepfiffen, weshalb der neutrale Betrachter höchstwahrscheinlich auf ausgleichende (Un-)Gerechtigkeit plädieren wird. Auch was die nicht gezeigten Roten Karten anbelangt. Der Augsburger Jan-Ingwer Callsen-Bracker wäre durchaus ein Kandidat gewesen. Aber durfte nicht auch Gelson Fernandes nach deutlich überzogenen Interventionen darüber froh sein, bis zu seiner Auswechslung in der 87. Minute die Partie als aktiver Teilnehmer zu erleben?

Aber so ist es halt, wenn sich das Ungemach in überhöhter Dosis über einen ergießt. Alle bösen Mächte schienen sich im Stadion breitgemacht zu haben und es dem Sportclub mal so richtig zeigen zu wollen. Da können die Gedanken schon mal durcheinandergeraten und die Contenance bei einigen der Beteiligten verloren gehen.

Wenn der Frust mal abgezogen ist, wird man sich aber vielleicht daran erinnern, dass der Sportclub über weite Strecken einen durchaus ambitionierten, zielstrebigen Auftritt hingelegt hat. Und das, obwohl die Mannschaft einmal mehr sehr früh in Rückstand geraten war. Tobias Werner (7.) hatte für Augsburg aus leicht abseitsverdächtiger Position den ersten Treffer überhaupt in der Bundesliga in Freiburg erzielt. Doch dann krempelten die Freiburger im Dauerregen beeindruckend die Ärmel hoch.

Jonathan Schmid (17.) mit einem sehenswerten Freistoß aus rund 30 Metern – wie im Fernsehen nachgemessen wurde – in den Winkel, und der enorm fleißige Admir Mehmedi (73.) mit einem Schuss von der Strafraumgrenze bogen zur unbändigen Freude der Galerie die Partie zugunsten der Gastgeber um. Einzig die Einblendungen auf den Anzeigetafeln nervten etwas. Auf diesen blinkten, für viele vollkommen irrational, die Führung des ebenfalls stark im Abstiegssumpf steckenden Hamburger SV gegen Borussia Dortmund auf. Ein elektronischer Stimmungskiller – dem auch noch ein sportlicher folgen sollte.

War der Sportclub gegen die erwartet aggressiven und kampfbetont zu Werke gehenden Augsburger in der ersten Hälfte energisch und sicher aufgetreten, mit einem ausgeprägten Spiel gegen den Ball, verlor die Streich-Elf im zweiten Durchgang die Ordnung. Nichts war’s mit dem Wunsch, die Fehlerquote so gering wie möglich zu halten. Der Sportclub agierte sich selbst in die Bredouille. Die Zuordnung stimmt nicht mehr und die zunehmende Unruhe im Freiburger Spiel öffnete den Gästen Tür und Tor. Paul Verhaegh (78.), Halil Altintop (84.), beide von der Abwehr völlig allein gelassen, und André Hahn (90+4.) trafen noch für Augsburg.

Spieler und Trainer

können’s nicht fassen

"Wir haben nicht die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment getroffen", analysierte Fernandes und fügte etwas entschuldigend an, die Mannschaft sei halt noch sehr jung und es mangele ihr an Erfahrung. "Das tut extrem weh", ließ sich Keeper Oliver Baumann vernehmen, der aber auch den Rat parat hatte: "Wir müssen uns schon auch an die eigene Nase fassen." Was wohl heißen sollte, nicht nur den Schiedsrichter und höhere Mächte für den Rückschlag verantwortlich zu machen.

Von einer großen Enttäuschung sprach Christian Streich, der diagnostizierte: "Nach dem 2:1 hatten unsere Jungs offensichtlich etwas zu verlieren. Da ist Angst aufgekommen." Gleichwohl hofft der Coach, dass die Spieler baldmöglichst wieder einen klaren Kopf bekommen. Zur Leistung des Schiedsrichters wollte er sich ebenso wie sein Kollege Markus Weinzierl öffentlich nicht äußern. Später rutschte Streich dann ein "wir sind’s ja gewohnt" heraus. Auch diesbezüglich, so sieht man’s jedenfalls beim Sportclub, hält die Saison nicht, was sie vielleicht versprochen hat. Natürlich war auch Admir Mehmedi das zwischenzeitliche Lachen vergangen. Fast resignativ stand der Schweizer da und meinte: "Das wird jetzt schwer, sehr sehr schwer." Was er damit meinte, bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung.

Autor: Michael Dörfler