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09. Februar 2012 15:28 Uhr
Kündigung
SC Freiburg: Abdessadki dringt auf Rehabilitierung
Es geht um Shampoo. Weil er vier Flaschen gestohlen und eine zerstört haben soll, entließ der SC Freiburg Yacine Abdessadki fristlos. Er habe den Ruf des Vereins beschädigt. Vor Gericht sagte der Fußballer, er habe nichts Unrechtes getan.
Von einer gütlichen Einigung konnte am Donnerstag keine Rede sein in Saal VII des Freiburger Arbeitsgerichts, wo sich der frühere SC-Spieler Yacine Abdessadki und der SC Freiburg gegenüberstanden. Der hatte seinem Spieler am 20. Dezember fristlos gekündigt und an jenem Tag fünf weitere Profis vom Spielbetrieb der Profimannschaft freigestellt. Seitdem stehen im Fall Abdessadki Anschuldigungen im Raum: Vier Flaschen Shampoo sollen aus dem Zimmer von Yacine Abdessadki und Garra Dembéle im Mannschaftshotel des SC Freiburg in Köln gestohlen und eine beschädigt worden sein. Kostenpunkt: 75 Euro, die das Hotel dem Sportclub einige Tage nach der 0:4-Niederlage beim 1. FC Köln in Rechnung stellte.
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Dafür kam Abdessadki gleich mit dem Streitobjekt selbst zur Verhandlung: eine Pumpflasche Shampoo à 300 Milliliter. Diese eine, so gibt er zu, aus dem Zimmer mitgenommen zu haben. "Wo die anderen abgeblieben sind, weiß keiner", behauptete Schurig.
Abdessadki zufolge stellten sich die Ereignisse vom 10. Dezember wie folgt dar: Er habe ein Shampoo aus dem Zimmer seiner Mannschaftskollegen Heiko Butscher und Jonathan Schmid geholt, weil die Flasche in seinem Bad zusammengedrückt gewesen sei. Garra Dembélé, dem der Duft des Shampoos gefiel, habe sich bei der Rezeption eine Flasche besorgen wollen und Abdessadki gefragt, ob er auch eine wolle. Der 31-Jährige habe dies bejaht. Demblé sei es dann gewesen, der die beiden Flaschen auf das Zimmer bestellte. Zum Beweis führte Anwalt Schurig an, dass die Order auf Englisch erging. "Herr Abdessadki kann kein Englisch."
Dem 31-Jährigen zufolge ist es üblich, sich Dinge auf das Zimmer zu bestellen und diese auch mitzunehmen. Bei der Abreise habe er an der Rezeption nachgefragt, ob noch ein Betrag offen sei. Das sei verneint worden.
Der SC Freiburg bestreitet, von der Rolle Dembélés in der Shampoo-Sache gewusst zu haben und auch die Praxis, sich einfach Dinge aufs Zimmer zu bestellen und mitzunehmen. "Abdessadki hat den Ruf des SC Freiburg beschädigt", erklärte Sportclub-Anwalt Joachim Rain. In der Öffentlichkeit herrschten für Profis andere Maßstäbe. Man müsse sich entsprechend benehmen. Diebstahl sei eine "schwere Pflichtverletzung"; man könne das auch als Straftat betrachten, wobei das Hotel auf eine Anzeige verzichtet habe. Und nach dem Autoschieberei-Verfahren gegen Abdessadki, das gegen Geldauflage eingestellt wurde, habe man mit solchen Dingen keinen Kontakt mehr haben wollen, argumentierte Rain. Der Spieler sei in diesem Zusammenhang zu Manager Dirk Dufner zitiert worden, was Schurig bestritt: Das sei "schlichtweg falsch" und schon wegen der Sprachbarriere ohne Dolmetscher gar nicht möglich.
Schurig betonte, der SC müsse zur Kenntnis nehmen, dass es sich in der Shampoo-Sache um einen Irrtum gehandelt habe. "Ich sehe die Notwendigkeit, Herrn Abdessadkis Ehre wiederherzustellen." Durch den Vorwurf des Diebstahls und der Sachbeschädigung sei der 31-Jährige mit einem Stigma belastet. "Von Norwegen bis Katar hat kein Verein Interesse." Unter diesen Voraussetzungen sei es schwierig, woanders aufzulaufen. "Verschiedene Agenten haben versucht, Herrn Abdessadki unterzubringen", so Schurig. "Hätte man ihn wie die anderen Spieler auch freigestellt, wären die Voraussetzungen für ihn ganz andere gewesen."
Dem widersprach der SC Freiburg: In der Winterpause wäre ein Wechsel zum Zweitligisten FC Ingolstadt mit einem zweieinhalb Jahre dauernden Vertrag möglich gewesen. Sportdirektor Dirk Dufner habe das eingefädelt. Finanziell hätte ihn dieses Engagement nicht schlechter gestellt, behauptete SC-Anwalt Rain. Und ohnehin zeigten Fälle wie der des Rumänen Adrian Mutu, der wegen Kokainkonsums beim FC Chelsea entlassen wurde und später bei Juventus Turin und dem AC Florenz unterkam, das man Spielern Taten verzeihe.
Abdessadki habe jedoch das Angebot, zum Tabellensechzehnten der zweiten Bundesliga zu wechseln, abgelehnt. Der Anwalt des Fußballers betonte jedoch gleichzeitig, sein Mandant sei aber bereit, in der zweiten Mannschaft des SC Freiburg zu spielen – oder auf der Tribüne zu sitzen.
Ausgeräumt werden konnten diese Vorwürfe nicht. Richter Christian Gohm hatte alle Mühe, zu vermitteln – ob es zu einer Einigung oder einer Verhandlung kommt, ist offen. Um einen langwierigen Prozess zu vermeiden, machte Richter Gohm einen Vorschlag zur Güte. Zum einen solle Garra Dembélé zu der Sache gehört werden. Der malische Nationalspieler ist derzeit noch beim Afrika-Cup. Sollte da noch der Vorwurf des Diebstahls ruchbar werden, könne nicht ausgeschlossen werden, "dass es da auch noch rechtliche Konsequenzen gibt", erklärte SC-Anwalt Rain.
Zum anderen sollten sich dem Richter zufolge beide Parteien überlegen, unter welchen Voraussetzungen eine ordentliche Kündigung zum 30. Juni 2012 möglich sei. Abdessadkis regulärer Vertrag lief noch bis Juni 2013. Doch statt Freistellung mit vollen Bezügen oder Spitzenverdiener im Regionalligateam wurde ihm wegen Shampoos fristlos gekündigt.
Dem Vorschlag des Richters stimmten der SC Freiburg und Abdessadki zu. Spätestens bis zum 1. März wollen sie wieder zusammenkommen.
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Autor: Frank Zimmermann, Alexandra Sillgitt


