07. November 2008 17:31 Uhr
Profis schreiben Brief an die Fans
St. Pauli-Fans planen Protestaktion – Zieht die Nordkurve mit?
20 Minuten lang keinen Mucks wollen die St.Pauli-Fans im SC-Stadion von sich geben. Die Nordkurve überlegt, ob sie mitschweigt – und bekommt Post von den SC-Profis.
Es könnte still werden im Gästeblock auf der Freiburger Südtribüne, wenn am Montag um 20.15 Uhr der FC St. Pauli auf den SC trifft. Wie das Hamburger Fanportal kiezkicker.de meldet, planen die St.Pauli-Ultras zu Beginn des Spiels einen 20-minütigen Stimmungsboykott. "Von Minute 1 bis Minute 20 bleibt es in den Fanblöcken ruhig, niemand singt und am besten fällt ein eventueller Torjubel auch nur spärlich aus", zitiert das Portal aus dem Newsletter der St.Pauli-Ultras.
Die Paulianer protestieren damit gegen die späte Ansetzung der Montagsspiele durch die Deutsche Fußball Liga (DFL). "Montag 20:15 Uhr mag vielleicht für die Sender, allen voran das DSF, ein guter Sendezeitpunkt sein, für organisierte Fans sind die Anstoßzeiten allerdings ein Schlag ins Gesicht", zitiert kiezkicker.de. Der Protest ist Teil der bundesweiten Aktion "Kein Kick vor Zwei", die von einem Hamburger Fan initiiert wurde.
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SC-Fanklubs wollen mitschweigen - Mannschaft bittet um Unterstützung
"Die Protestankündigung der St.Pauli-Fans hat innerhalb der Freiburger Fanszene für Diskussionen gesorgt", sagt SC-Fanbetreuer Marc Schmidt. "Wir haben Verständnis für den Protest, aber eigentlich ist das Spiel zu wichtig, um zu schweigen." Mindestens zehn der rund 80 SC-Fanklubs zählen laut Webseite zu den Unterstützern von "Kein Kick vor Zwei". Man diskutiere, ob sich die Nordkurve oder Teile davon an der Protestaktion beteiligen und während den ersten zwanzig Minuten mitschweigen. Eine Entscheidung steht noch aus, wobei etwa die Fangruppierung "Wilde Jungs Freiburg" ihre Unterstützung der Schweige-Aktion bereits zugesichert hat.
Die SC-Profis bitten heute in einem Brief an die Fans (Original-Brief als pdf), dass sich die Nordkurve nicht an der Protestaktion beteiligt. "Eine 20-minütige Stille im Stadion halten wir für keine passenden Fan-Protest gegen die neuen Anstoßzeiten", schreiben Kapitän Heiko Butscher und Stellvertreter Daniel Schwaab. Der Protest schade nicht dem Fernsehen und auch nicht dem FC St.Pauli - "er schadet vor allem unserer Mannschaft." Butscher: "Feuert uns mit voller Kraft und Stimmgewalt an."
Hintergrund:
Die DFL hatte zuletzt angekündigt, die Anstoßzeiten der ersten und zweiten Liga von der Saison 2009/10 an breiter auf das Wochenende zu verteilen. In Zukunft sollen drei (statt bisher fünf) Zweitligaspiele am Sonntag um 13.30 Uhr (statt 14 Uhr) angepfiffen werden. Dazu kommen zwei Samstagsspiele. Gleich bleiben die Termine für den Montag (20.15 Uhr), sowie für die drei Freitagsspiele (18 Uhr).
Die DFL erhofft sich dadurch eine Steigerung der TV-Einnahmen, die Fans kritisieren, dass es immer schwerer werden, Auswärtsfahrten zu planen und Beruf und Fansein unter einen Hut zu bekommen.
Autor: Christoph Ries




