DFB-Pokal

Trainer Kohfeldt soll Bremen ins Viertelfinale führen

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Di, 19. Dezember 2017 um 22:00 Uhr

SC Freiburg

Dem 35-jährigen Florian Kohfeldt trauen die Verantwortlichen von Werder Bremen zu, den Klassenerhalt zu sichern und die Mannschaft weiter zu entwickeln. Nun muss Werder gegen den SCF ran.

Die meisten Amateurvereine haben sich längst in die Winterpause verabschiedet. Nicht anders ist es beim TV Jahn Delmenhorst, wo auf der Anlage am Brendelweg das ansonsten rege Treiben dieser Tage bereits ruht. Von den F- bis zu den A-Junioren wird hier vor den Toren Bremens die oft wenig beachtete Basisarbeit des deutschen Fußballs verrichtet, und doch empfinden viele in dem Verein gerade vor den Feiertagen so etwas wie eine stille Bestätigung ihres Tuns. Was mit Florian Kohfeldt zusammenhängt, der einst beim TV Jahn alle Jugendteams durchlief.

Vielleicht sind in Delmenhorst bald die Zeiten vorbei, die 80 000-Einwohner-Vorstadt stets nur auf die Heimat von Popstar Sarah Connor zu reduzieren. Auch Kohfeldt könnte als ihr stolzer Repräsentant bald gut taugen.

Der dort aufgewachsene Trainer des SV Werder behält unabhängig vom Ausgang des DFB-Pokal-Achtelfinales gegen den SC Freiburg (18.30 Uhr) die Verantwortung für die Profis auch im neuen Jahr. Eigentlich wollte Geschäftsführer Frank Baumann die Nachricht erst im Nachgang des letzten Pflichtspiels verkünden, dann ging die Meldung am Montag auf der Vereinshomepage versehentlich zu früh auf Sendung. Zwangsläufig bestätigte Baumann den längst nicht mehr überraschenden Sachverhalt, ohne über die genaue Vertragslaufzeit Angaben zu machen. Dem 35-Jährigen werde zugetraut, "den Klassenerhalt zu sichern und die Mannschaft in der kommenden Saison weiter zu entwickeln."

Dass der gebürtige Siegener ein solches Talent besitzt, hat in Reinhard Schumacher einer seiner ersten Jugendtrainer erkannt, als ihn einst sein zwölfjähriger Jahn-Torhüter um eine Unterredung bat. Kohfeldt kam zu ihm, um eine Mappe mit handgeschriebenen neun Seiten zu überreichen. "Da standen mögliche Aufstellungen drauf. Was wir trainieren könnten. Welcher Spieler wo spielen könnte", erinnert sich Schumacher. Da wollte einer schon in jungen Jahren mehr bewirken, als nur die Bälle zu halten. Die mehr als 20 Jahre sorgsam aufbewahrte Kladde wurde im Mai 2015 nach dem erlösenden 1:0 gegen Eintracht Frankfurt dem damaligen Co-Trainer von Viktor Skripnik überreicht. An dessen "kommunikative, umgängliche und offene Art" erinnern sich seine Delmenhorster Förderer gerne.

Tatsächlich hebt sich das nächste Bremer Trainer-Eigengewächs von der eingeschränkten Rhetorik seiner Vorgänger Skripnik und Alexander Nouri in wohltuender Weise ab. Er kann Taktik erhellend erläutern, ohne oberlehrerhaft rüberzukommen; er kann Eingeständnisse machen, ohne aufgesetzt zu wirken. Die Authentizität gilt als das größte Plus eines Bundesliga-Neulings, dem der Zwischenschritt bei der U 23 immens geholfen hat. "Als ich diese Aufgabe einige Zeit gemacht habe, wusste ich: Genau das möchte ich. Ich habe gemerkt, dass funktioniert, was ich mir überlege", bekannte Kohfeldt kürzlich.

Gleichwohl ist auch der Notenbeste der Fußballlehrerausbildung 2015 keiner, der im Handumdrehen aus einem Abstiegskandidaten einen Meisterschaftsanwärter formt. Nur gibt die Bilanz der ersten sieben Spiele – drei Siege, ein Unentschieden, drei Niederlagen – Anlass zur Hoffnung. "Wir werden die Liga halten", versprach der Werder-Coach, obwohl die Seinen gerade gegen Mainz (2:2) in der Nachspielzeit einen 2:0-Vorsprung vergeigt hatten. Gegen die Gäste von der Dreisam – gegen die unter Nouri nur ein müdes 0:0 heraussprang – soll nun im Pokal das i-Tüpfelchen folgen. Baumann hat das Überwintern im nationalen Cup-Wettbewerb als erklärtes Ziel genannt.

Schließlich geht es noch um eine Millionen-Einnahme, die wichtige Wintertransfers wie einen Ersatz für den verletzten Fin Bartels (Achillessehnenriss) ermöglichen würde. In der Breite mangelt es den Grün-Weißen erkennbar an Qualität. Kapitän Zlatko Junzuovic fehlt an diesem Mittwoch, Max Kruse hingegen steht trotz seiner Adduktorenprobleme im Kader. Er verpasste allerdings das Abschlusstraining am Dienstag. Für die Freiburger spielte Kruse übrigens vor fünf Jahren und nutzte damals eine überragende Saison zum Sprungbrett nach Mönchengladbach. In Bremen ist der 29-Jährige aktuell trotz erst 924 Einsatzminuten mit vier Toren und drei Vorlagen bereits wieder wichtigster Scorer. Und nebenbei dient Kruse noch als das große Idol für die jungen Kicker vom TV Jahn Delmenhorst.